Von Klarheit und Glück...

Veröffentlicht am 18. Februar 2026 um 07:44

"Reife bedeutet, die Wirklichkeit anzunehmen, auch wenn sie nicht den eigenen Wünschen entspricht.“ - Erich Fromm 

Guten Morgen liebe Leserinnen und liebe Leser 🩷 Anlässlich meines vorletzten freien Mittwochs möchte ich heute über ein Thema "reden", das mich bereits seit längerer Zeit beschäftigt. Sowohl beruflich, als auch privat. Ein Thema, das in der Theorie sehr einfach klingt, in der Praxis aber zuweilen absolut kompliziert ist und manchmal unerreichbar scheint: die Klarheit.

Laut google bedeutet Klarheit - "ungetrübt sehen". Und "dass Du ganz genau weißt was Du willst und was Du nicht willst. Deine Gedanken, Gefühle und Deine Handlungen stimmen überein und dementsprechend arbeitest Du ununterbrochen auf Deine Ziele hin. Wenn Du Dich in einem Zustand mentaler Klarheit befindest, hast Du kein Gefühlschaos mehr."

Ich würde es etwas einfacher und kürzer formulieren: Wenn Klarheit herrscht, dann siehst du alles, wie es ist und weißt, woran du bist. 

Im Garten gibt es viele Plätze, an denen man genau weiß, woran man ist. Und bei den Pflanzen ist es genauso. Man sieht meistens, was da wächst und erkennt, was fehlt oder was zu tun ist. Zumindest, wenn man ein wenig Erfahrung hat und einen guten Draht zu Google und Chatty 😉 Und so kann ich nach fast 7 Jahren als Kleingärtnerin von mir behaupten, dass ich klar komme und die nötige Klarheit habe, was meine Pflanzen und tierischen Mitbewohner angeht. 

Mit Menschen ist das komplizierter...  Und obwohl ich bereits seit 47,5 Jahren Mensch bin, mir eine recht gute Menschenkenntnis diagnostizieren würde und ich auch im Rahmen meines Studiums viele Einblicke in die Psyche von Menschen gewinnen konnte... Obwohl man mir ein hohes Maß an Empathie zuschreibt und ich mich regelmäßig und intensiv mit den unterschiedlichsten Menschen austausche... bringen mich manche Menschen und deren Charaktere an meine Grenzen. Weil mir nicht klar wird, mit wem ich es zu tun habe und wie sie zu mir stehen.

Ich habe lange geglaubt, Klarheit bedeute, Antworten zu haben. Zu wissen, was jemand fühlt, denkt oder vorhat. Inzwischen glaube ich, Klarheit beginnt viel früher und ist deutlich unbequemer. Sie fängt mit der Frage an: Wo stehe ich eigentlich? Und fast noch schwerer: gefällt mir dieser Platz?

Im Kleingarten kann man Bedürfnisse schlecht ignorieren. Pflanzen, die zu wenig Wasser bekommen, sehen irgendwann auch so aus. Menschen sind da höflicher.... Sie halten länger durch, sagen seltener etwas und hoffen, dass es schon irgendwann irgendwie passt. Meistens passt es nur leider für alle anderen - aber nicht für einen selbst. Das habe ich bereits erlebt und mir danach selbst versprochen, das nicht zu wiederholen. Das erweist sich jedoch ebenfalls als schwierig. Vor allem wenn man gerne an Dingen und Menschen festhält.

Klar zu sehen, wo man bei einem Menschen dran ist, fühlt sich nämlich leider oft an, wie der erste Schnitt an einer Pflanze, die man eigentlich mag. Man weiß, dass es nötig ist. Man weiß auch, dass es erst einmal wehtut. Und trotzdem zögert man, weil der Garten danach anders aussieht. Und man selbst auch.

Wenn man versucht, seine Wünsche mit der Realität abzugleichen, merkt man, wie groß die Lücke manchmal ist. Das ist kein schöner Moment. Das ist eher der Augenblick, in dem man merkt, dass man sich jahrelang in eine Richtung gelehnt hat, die gar keine Frücht tragen wird. Klarheit ist dann nicht tröstlich. Sie ist ehrlich. Und Ehrlichkeit ist selten ein weiches Polster. 

Kommunizieren hilft, sagt man. Das sehe ich auch so. Aber nicht, weil danach alles gut ist. Sondern weil danach nichts mehr im Ungefähren hängt. Klar zu sagen, was man braucht – oder zu hören, dass der andere es nicht geben kann – tut weh. Aber dieses Wehtun ist nötig. Es ist kein schleichendes Ziehen mehr, sondern ein klarer Schnitt.

Und irgendwann, manchmal erst viel später, kommt  vielleicht das Glück dazu. Leise und unauffällig. Es setzt sich dahin, wo vorher Hoffnung ohne Boden war, und fühlt sich plötzlich ruhiger an. Nicht euphorisch, sondern richtig.

Im Garten sieht man das erst Wochen später. Die Pflanze treibt neu aus oder lässt es bleiben. Beides ist besser als das ewige Warten auf etwas, das nie kommt.

Manchmal denke ich, das größte Geschenk der Klarheit ist nicht das Wissen, sondern die Erlaubnis, aufzuhören zu hoffen, wo Hoffnung nur festhält. Und stattdessen Platz zu machen. Für Stille. Für sich selbst. Für ein Glück, das nicht überredet werden muss.

Vielleicht ist Klarheit genau das: der Mut, hinzusehen, auch wenn man ahnt, was man sehen wird. Und das Vertrauen, dass Glück nicht dort entsteht, wo alles bleibt wie es ist, sondern dort, wo man sich selbst ernst nimmt und die nötigen Veränderungen vornimmt.

Und damit kommen wir noch kurz zum heutigen Titelbild. Es zeigt eine originalgetreue Nachbildung von Olga nach einer mehrwöchiigen Fastenkur 🤣 Okay... vielleicht auch ein Foto des Geschenkes, das ich vor ein paar Wochen von einem ganz besonderen Menschen bekommen habe. Und über das ich mich riesig gefreut habe 🩷

Jetzt gibt's einen Morgenkaffee mit der Original-Olga und dann schaue ich mal, was ich heute anstellen werde 😉 Habt einen schönen Tag und lasst es euch trotz Regen gut gehen. Bis bald 🫶

 

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