Von Geld und Glück 💚

Veröffentlicht am 18. Mai 2026 um 07:50

"Nicht die Glücklichen sind dankbar. Es sind die Dankbaren, die glücklich sind.“ – Francis Bacon 

Guten Morgen liebe Leserinnen und liebe Leser 💚 Wisst ihr, was eine Dessous-Abteilung, ein Lebensmittelgeschäft, ein Discounter, diverse Linienbusse der KVS, ein Kopierladen, ein mexikanisches Restaurant und ein schwedisches Möbelhaus gemeinsam haben?

Mich. Und wenn ich das heute so schreibe, muss ich ein bisschen grinsen. Denn das klingt schon nach einer ziemlich wilden Mischung. Aber tatsächlich habe ich dort überall gearbeitet. Neben der Schule, zwischen Abitur und Ausbildung und später auch noch während der Ausbildung. Anscheinend hatte ich schon damals einen recht ausgeprägten Hang dazu, Geld verdienen zu wollen oder Geld ausgeben zu wollen. Am Ende wahrscheinlich beides.

Gestern haben wir in der Familie darüber gesprochen und je länger ich darüber nachgedacht habe, desto mehr ist mir aufgefallen, wie sehr mich diese Zeit eigentlich geprägt hat. Damals kam mir das alles völlig normal vor. Arbeiten gehen eben, Geld zu verdienen, funktionieren.  Heute sehe ich das ein bisschen anders.

Aber erstmal erzähle ich euch von meinem Wochenende. Das war nämlich ein ziemlich schönes. Ruhig, entspannt und sehr gartenlastig. Also genau so, wie ich es mag.

Am Samstag habe ich nach einem kurzen Wocheneinkauf und einem erneuten Besuch im Gartenmarkt hauptsächlich Erde geschleppt, Pflänzchen eingebuddelt, gegossen, geschoben, gerichtet und sortiert. Ich war gefühlt den ganzen Tag irgendwo zwischen Hochbeeten, Gewächshaus, Lieblingsbank, Telefon und Gartencenter unterwegs und ehrlich gesagt hätte ich  nirgendwo anders sein wollen.

Zwischendurch gab es aber noch eine kleine Spritztour mit meinem neuen Auto. Dieses Mal nach Frankreich. Und ich kann euch sagen, ich freue mich wirklich jedes Mal, wenn ich einsteige. Kennt ihr das, wenn man etwas anschaut und einfach denkt: Ach schön. Einfach schön. Genau so fühlt sich das gerade an. Und es ist ein gutes Gefühl.

Abends gab es dann französisches Baguette, ein bisschen Sonne und dieses wunderbare Gefühl nach einem Tag, an dem man viel gemacht hat und trotzdem zufrieden ist. Einer war allerdings weniger begeistert. Mein Rücken - der sich nach längerer Zeit mal wieder zu Wort gemeldet hat. Ziemlich lautstark sogar... Und ehrlich gesagt kann ich ihm das nicht einmal übel nehmen, denn gestern Morgen habe ich direkt weitergemacht. Im Gewächshaus wohnen mittlerweile alle Pflänzchen an ihrem Platz und ich hoffe sehr, dass sie sich dort genauso wohlfühlen wie ich.

Als ich mich irgendwann mal wieder gebückt hatte und anschließend versucht habe, wieder hochzukommen, habe ich kurz überlegt, einfach im Gewächshaus wohnen zu bleiben. Das erschien mir in dem Moment deutlich unkomplizierter und deutlich weniger schmerzhaft. Hat aber nicht funktioniert, weil gestern noch etwas Schönes anstand. Ein ganz besonderer  Familientag.

Meine Geschwister und ich waren mit meiner Mama essen. Das hatten wir ihr zum Muttertag geschenkt und direkt eingelöst. Es war wirklich schön, gemütlich und entspannt. Einfach Zeit miteinander und Zeit für Gespräche. Und ich glaube ja, genau das wird oft unterschätzt. Wie wertvoll gemeinsame Zeit eigentlich ist.

Danach ging es nochmal in den Garten, allerdings in der langsameren Version meiner selbst. Ein bisschen am Computer arbeiten, ein paar Blümchen gießen, für die ich mich nicht bücken musste, auf der Lieblingsbank sitzen und den Rücken freundlich ignorieren.

Während ich also dasaß und den Tag Revue passieren ließ, musste ich wieder an diese ganzen Nebenjobs denken. Und wisst ihr, was mir dabei aufgefallen ist? Dass mich diese Zeit vermutlich viel mehr geprägt hat, als mir damals bewusst war.
Ich habe dort nämlich nicht nur gelernt zu arbeiten. Ich habe dort Menschen kennengelernt. Gute und weniger gute. Menschen, denen Geld wichtiger war als andere Menschen. Menschen, die unfair waren, laut und ungeduldig. Und manchmal auch einfach nicht besonders nett.

Aber ich glaube mittlerweile, dass genau diese Erfahrungen wichtig waren. Weil ich dadurch sehr früh verstanden habe, dass viele Dinge eben nicht selbstverständlich sind. Vor allem nicht Sicherheit. Ich habe damals während meiner Ausbildung im Restaurant gearbeitet, um meine erste eigene Wohnung zu finanzieren. Ursprünglich war das alles mal etwas anders geplant. Und irgendwann war klar, dass ich das alleine stemmen muss. Also habe ich gearbeitet. Tagsüber Ausbildung, abends Nebenjob -  auch am Wochenende.

Und der härteste Job war für mich tatsächlich der im Restaurant. Während andere Feierabend hatten, bin ich abends los, um Menschen zu bedienen, Teller zu tragen, tausende Schritte zu laufen und bis spät in die Nacht zu arbeiten.
Damals fand ich das ehrlich gesagt ziemlich anstrengend.
Heute bin ich fast dankbar dafür.

Weil ich glaube, dass genau diese Zeit mir beigebracht hat, Dinge wertzuschätzen. Nicht nur Geld, sondern auch Ruhe... Sicherheit... Freizeit... ein schönes Zuhause... einen gefüllten Kühlschrank. Oder die Möglichkeit, heute sagen zu können: Wenn ich etwas wirklich möchte, muss ich meistens nicht mehr rechnen. Sondern kann es mir kaufen. Einfach so. Und das ist nicht selbstverständlich.

Vielleicht bin ich deswegen auch so dankbar für viele kleine Dinge. Für meinen Garten. Für ein gemütliches Essen. Für Sonne am Abend. Für französisches Baguette auf der Terrasse. Für ein Auto, über das ich mich freue. Für einen ruhigen Sonntag mit meiner Familie. Weil ich eben weiß, dass vieles davon Arbeit war. Nicht nur meine eigene. Auch die meiner Eltern.

Und vielleicht gehört genau das auch zum Glück dazu.
Zu wissen, dass viele schöne Dinge eben nicht einfach vom Himmel fallen. Sondern wachsen. Langsam - so wie Pflanzen im Gewächshaus. Und vielleicht genießt man sie genau deshalb irgendwann umso mehr.

Jetzt muss ich gleich mal ins Büro - ein bisschen Geld verdienen 😉 Denn man kann ja nicht immer Urlaub haben. Ich wünsche euch einen schönen Tag und einen guten Start in die Woche. Und falls ihr heute zufällig zum Ikea wollt und dort in die Cafeteria geht... denkt an mich. Denn es besteht die Wahrscheinlichkeit, dass ihr auf einem Stuhl sitzt, den ich zusammengebaut habe 😉

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