Von Gräsern und Gefühlen 💚

Veröffentlicht am 22. Februar 2026 um 09:13

„Gefühle zu zeigen ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Mut.“ – Brené Brown

Guten Morgen liebe Leserinnen und liebe Leser und herzlich willkommen im Feuchtbiotop, das bisher als Gartenparadies bezeichnet wurde... ich weiß nicht, wie es euch geht, aber mir geht der Regen wirklich ziemlich auf den Keks. Und ich bin dafür, dass der jetzt endlich mal aufhört. So.

Weil das aber leider nicht in meiner Hand liegt, habe ich gestern trotzdem im Garten gearbeitet. Dank Gummistiefeln und Regencape hat das recht gut funktioniert. Und auch meine Blessuren konnten mich nicht davon abhalten, mein Tagewerk zu verrichten...

Der Samstag begann dennoch mit einem prüfenden Blick auf die bunten Andenken vom Freitag. Die Blessuren waren (natürlich) noch da – schmerzhaft, farbenfroh, aber zum Glück nicht dramatisch. Also habe ich eine Entscheidung getroffen, die im Garten erstaunlich oft die richtige ist: Hinfallen, aufstehen, Krönchen richten, weitermachen...

Und so habe ich dann den ganzen Tag im Garten verbracht. Mit der Schere in der Hand und den Gedanken irgendwo zwischen Himmel, Beeten und mir selbst. Neun Gräser waren am Ende geschnitten. Ich habe sie gezählt. Vielleicht, weil Schneiden etwas sehr Meditatives hat. Schnitt für Schnitt, Halm für Halm, ohne Eile. Und wenn man dabei noch Musik hört, wird aus Arbeit fast so etwas wie ein stilles Gespräch mit sich selbst.

Und dann war da dieser Gedanke. Mitten im Schneiden. Ganz ernst gemeint. Ob Gras wohl Gefühle hat? Ob ihm das jetzt weh tut, wenn ich es zurückschneide? Ich habe kurz innegehalten, die Schere gesenkt und tatsächlich darüber nachgedacht. Und ich hoffe sehr, wirklich sehr, dass es nicht so ist. Dass es ihm gut tut. Dass es genau das ist, was es jetzt braucht, um wieder kräftig, aufrecht und gesund weiterzuwachsen. 

Dabei hat sich dann zwangsläufig der Gedanke aufgedrängt, dass es sich mit Menschen genauso verhält - auch wenn die (in der Regel) Gefühle haben. Was - da spreche ich aus eigener Erfahrung  - nicht immer hilfreich ist. Und dennoch nicht zu ändern. Wir haben nur die Wahl, ob wir sie zeigen, oder eben nicht...

Zwischen all dem Schneiden habe ich noch ein bisschen Unkraut beseitigt. Und die abgeschnittenen Halme und Triebe wanderten direkt ins Hochbeet. Alles hinein, was rein darf... Das Hochbeet ist jetzt fast voll, nur noch die Erde fehlt. Aber das hat keine Eile. . Alles zu seiner Zeit...Schritt für Schritt.

Und während ich weiter schnitt, kam ich immer wieder auf diese Frage zurück. Auf Gefühle. Und auf den Mut, sie zu zeigen. Vielleicht ist Gefühle zeigen gar keine Schwäche, sondern eher so etwas wie barfuß durch den Garten laufen. Nicht immer bequem, manchmal piekst es ein bisschen, aber man merkt wenigstens, wo man steht. Und wer ständig versucht, alles wegzudrücken, der schneidet am Ende vielleicht genau das weg, was eigentlich wachsen wollte.

Es scheint, als hätten wir irgendwann gelernt, dass man stark sein muss. Gefasst. Unangreifbar. Möglichst souverän. Gefühle passen da oft nicht so gut ins Bild. Sie sind zu weich, zu ehrlich, zu schwer zu kontrollieren.

Dabei glaube ich, dass genau darin eine große Stärke liegt. In dem Moment, in dem wir sagen, was uns bewegt. In dem wir nicht alles wegschneiden, was zu viel wirkt, sondern hinschauen. Hinspüren. Gefühle ernst nehmen – die eigenen und die der anderen. Das ist kein Zeichen von Schwäche. Das ist Mut.

Ich wünsche mir, dass wir uns öfter trauen, genau das zu tun. Gefühle zu zeigen. Worte zu finden. Nicht perfekt, nicht immer passend, aber ehrlich. Denn vielleicht beginnt Glück genau dort – wo wir aufhören, uns zu verstecken, und anfangen, uns zu zeigen.

Vielleicht wäre dann vieles einfacher, wenn wir uns das öfter erlauben würden. Wenn wir weniger verstecken und mehr aussprechen... 

Am Ende des Tages lagen die Gräser geschnitten da, das Hochbeet war fast gefüllt und die Gedanken ein kleines Stück sortierter als zuvor. Nicht aufgeräumt, aber gut bewegt. So wie nach einem langen Spaziergang bei Regenwetter. 

Vielleicht braucht es gar nicht viel: ein paar Schnitte zur richtigen Zeit, ein bisschen Mut zum Gefühl und die Bereitschaft, sich selbst nicht ganz so ernst zu nehmen. Der Rest findet seinen Weg. Im Garten. Und im Leben.

Ich wünsche euch einen schönen Sonntag mit Raum für echte Gedanken, ehrliche Gefühle und vielleicht auch einen kleinen Schnitt an der richtigen Stelle. Bis bald 💚

 

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