Langsame Schritte 🩷

Veröffentlicht am 27. Februar 2026 um 06:44

„Zeit, die wir uns nehmen, ist Zeit, die uns etwas gibt." - Ernst Ferstl

Guten Morgen liebe Leserinnen und liebe Leser 🩷 Schon wieder ist eine Woche vorbei und schon wieder sind wir einen Tag näher am offiziellen Frühlingsanfang. Wobei es sich momentan schon fast so anfühlt, als wären wir mittendrin. Was mir auch gestern wieder spontane Glücksgefühle beschert hat. Auch wenn ich gar nicht viel vom Wetter mitbekommen habe. 

Natürlich gab es auch gestern einen Morgenkaffee auf der Lieblingsbank - noch mit Jacke und frischer Luft in der Nase. Aber es roch schon nach Frühling und der Nebel versprach einen weiteren sonnigen Tag. Ich schaute eine Weile vor mich hin, genoss die Stille und... fuhr ins Büro. 

Dort lag ein langer Arbeitstag vor mir, während dem ich die Sonne und den blauen Himmel durchs Fenster genoss. Und zwischendurch auch ein paar schöne Begegnungen und richtig gute Gespräche. So verging der Tag und es wurde Zeit für Feierabend. 

Auf dem Heimweg erledigte ich noch schnell ein paar Dinge und dann zog es mich – fast wie von selbst – in den Garten. Nur kurz, dachte ich. Nur noch schnell ein paar Sonnenstrahlen sammeln...

Die warme Luft, das goldene Licht, diese ganz besondere Stimmung am späten Nachmittag … und zack, war ich entspannt und freue mich mal wieder darüber, dass ich meinen Garten habe. 

Als die Sonne sich langsam schlafen legte, machte ich noch einen kleinen Gartenrundgang. Und sah überall zartes Grün, hier und da weitere Osterglocken – und dann entdeckte ich sie: . Die ersten Knospen an meinem geliebten Pfirsichbaum. Und an meiner Lieblingsrose 🩷

Ich blieb stehen, lächelte und freute mich wie über ein kleines Versprechen. Atmete tief die Frühlingsluft ein und fand, dass es Zeit wäre, zu Coco zu gehen, die bestimmt schon auf mich warten würde. Ich packte meine Siebensachen zusammen und machte mich auf den Weg nach Hause. In Gedanken schon bei der Frage, was ich noch erledigen müsste und was ich eigentlich essen sollte. Ich wollte eigentlich nur schnell nach Hause...

Schon von Weitem sah ich sie: die liebe ältere Dame aus dem Nachbarhaus, die auch einen Garten hat und der ich öfter begegne. Ganz langsam ging sie den Weg, auf ihren Stock gestützt, sichtbar angestrengt – aber immer weiter. Als ich sie einholte und grüßte, strahlte sie mich an und begann sofort zu erzählen. Vom Frühling. Und davon, was sie heute alles geschafft hatte.

Ich hatte das Gefühl, dass ihr ein bisschen Gesellschaft guttun würde und beschloss, dass ich ruhig ein paar Minuten später zuhause sein könnte. Also passte ich mein Tempo ihrem an. Ganz langsam und mit kleinen Pausen gingen wir weiter. Schritt für Schritt. Und so hatten wir plötzlich jede Menge Zeit und meine Weggefährtin erzählte weiter...

Davon, dass sie im Sommer 88 werde. Und dass sie gar nicht damit gerechnet hätte, so alt zu werden.  Und vor allem nicht damit, dass sie mal einen Stock zum Gehen brauchen würde... Davon, dass sie sich als Kind über die Nachbarin gewundert hätte, die ewig dafür gebraucht hätte, einen kurzen Weg zu gehen und dazu einen Stock brauche  ... und fügte hinzu: "Als Kind konnte ich mir überhaupt nicht vorstellen, alt zu werden. Jetzt bin ich alt und brauche einen Stock und Ewigkeiten, um in den Garten zu gehen..."

Sie sagte das alles nicht traurig. Eher staunend. Dankbar und mit einem verschmitzten Lächeln im faltigen Gesicht, das von einem langen Leben erzählt. 

Dann fragte sie mich, wie spät es sei. Ich schaute nach - kurz vor halb 7. Da lachte sie und sagte: "Ohje, das erklärt, warum ich so müde bin. Ich war seit halb 2 im Garten und wollte nur Kartoffeln holen. Aber dann habe ich in der Sonne all die Pflanzen gesehen, die Hilfe brauchen. Und so habe ich ihnen geholfen." 🩷

Spätestens da hätte ich sie am liebsten gedrückt. Weil das Bild mir sofort ins Herz hüpfte... und ich dachte, wie viel Kraft in diesem Weitermachen liegt. In diesem Helfen... im Gehen. Langsam vielleicht – aber voller Leben. Und ich freute mich sehr über diese Begegnung. Weil sie mir mal wieder gezeigt hat, dass man sehr viel schaffen kann, wenn man den Willen dazu hat. Und dass der Garten und dieses Durchhalten vermutlich Gründe dafür sind, warum die Dame ihre eigene Lebenserwartung übertroffen hat...

Wir waren fast an der Wohnung angekommen, da blieb sie plötzlich stehen und fing an, in ihrer Tasche zu kramen. Obwohl ihr das Stehen sichtlich schwer fiel und sie das Gesuchte zuerst nicht fand, suchte sie weiter und sagte, dass sie mir etwas schenken wolle. Ich wollte schon ablehnen, da strahlte sie plötzlich und streckte ihre Hand aus. Darin lag...ein in Folie eingewickeltes Schokobonbon. Sie sagte, dass ihre Tochter ihr zwei geschenkt hätte und ihr eines reichen würde. Ich war sehr gerührt und mir war klar, dass ich das Geschenk nicht ablehnen durfte. Also bedankte ich mich und versprach ihr, das Bonbon gleich nach dem Abendessen zu genießen. Sie nickte und meinte: das mache ich auch. Und das haben wir zwei uns verdient 🥰

Und dann... verabschiedeten wir uns und ich ging mit einem warmen Gefühl und einem Lächeln nach Hause 🩷

Und das blieb, bis ich eingeschlafen bin. Während ich dachte, dass es auch an den unspektakulärsten Tagen Dinge gibt, über die man sich von Herzen freuen kann.... Kaffee am Morgen. Knospen am Abend. Und manchmal auch ein gemeinsamer Weg, der einfach ein bisschen langsamer ist.

Und jetzt wünsche ich euch einen tollen Freitag und einen guten Start ins Wochenende. Ich habe so das Gefühl, dass das bei mir klappen wird 😉 Bis bald ihr Lieben 🫶

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