Smalltalk mit Tiefgang ❤️

Veröffentlicht am 27. April 2026 um 07:24

„Freundliche Worte kosten nichts und sind doch das Schönste aller Geschenke.“ – Daphne du Maurier

Guten Morgen, liebe Leserinnen und liebe Leser, ich sitze wieder auf meiner Lieblingsbank, der Kaffee ist noch heiß, die Vögel machen ihr Morgenkonzert – und in meinem Kopf bin ich irgendwie immer noch ein kleines bisschen in England...Ich habe euch ja versprochen, noch mehr zu erzählen. Und glaubt mir, ich könnte wahrscheinlich wirklich ein ganzes Buch damit füllen.

Aber ich fange heute mal mit etwas an, das mich während meiner Reise ganz besonders berührt und auch beeindruckt hat: Mit den Menschen. Mit diesen unglaublich freundlichen, höflichen, entspannten und herzlichen Menschen, die mir dort begegnet sind.

Da war zum Beispiel diese ältere Dame aus Wales. Ich saß mit einem Kaffee vor dem Hotel, genoss die Sonne und plötzlich sprach sie mich an - ganz selbstverständlich. Und ehe ich mich versah, erzählte sie mir ihre Geschichte. Vom Krieg. Davon, wie sie ihren Mann kennengelernt und sich verliebt hat. Von ihren Kindern, ihren Enkeln. Von ihrem Leben in Wales. Und wisst ihr, was mich am meisten berührt hat? Wie sie von ihrem Mann gesprochen hat.

„He is the best husband in the world“, hat sie gesagt. Und das nach 52 Jahren. Da war so viel Liebe in diesem Satz, dass ich kurz vergessen habe, dass wir uns gerade erst kennengelernt haben.

Zum Abschied hat sie mich fest umarmt. So, als würden wir uns schon ewig kennen. Und dann hat sie gesagt : "Now you know the story of my life". Und hat mich eingeladen, sie mal in Wales zu besuchen🩷 Einfach so. Und ich stand da und dachte: Wie schön ist das bitte? Und es ging genau so weiter.

Im „Lost Garden“ rief mir eine Dame im Vorbeigehen zu: „Enjoy the gardens and take care.“ Ich habe mich noch umgedreht und musste lächeln, weil es wieder genau dieses Gefühl war. Dieses ehrliche Mitgeben von etwas Gutem. Und dieses Gefühl,  "gesehen zu werden". 

Im Pub gab es dann das nächste Gespräch. Eine Frau sprach uns an, erzählte, dass ihr Sohn in Hamburg lebt und sie gerade Deutsch lernen würde. Und bevor wir überhaupt richtig reagieren konnten, bot sie an, ein Foto von uns allen zu machen.

So viele kleine Momente. Menschen, die im Vorbeigehen lächeln. Die grüßen. Die ein paar Worte über das Wetter verlieren oder darüber, wie schön die Landschaft gerade ist. Nichts Großes und gleichzeitig alles. Weil es zeigt, wie leicht Verbindung sein kann, wenn man sie einfach zulässt. Ein „Hello“ im Vorbeigehen, ein kurzer Austausch, manchmal nur ein paar Sätze – und trotzdem fühlte es sich nicht oberflächlich an. Eher so, als würde man sich für einen kleinen Moment wirklich begegnen.

Und dann diese Abschiede. Ich habe mir einen Kaffee geholt oder irgendetwas zu essen, bekam es in die Hand gedrückt und hörte: „Enjoy" - garniert von einem herzlichen Lächeln. Und ich habe jedes Mal gedacht – wie schön ist das bitte? Nicht dieses schnelle „Bitte, danke, tschüss“, sondern ein ehrliches „Genieß es.“ Und beim Gehen dann: „Take care.“ Oder sogar: „God bless you.“

Beim ersten Mal musste ich innerlich kurz schlucken, weil es sich fast ein bisschen groß angefühlt hat. So ungewohnt und überraschend. Aber je öfter ich sowas gehört habe, desto mehr habe ich gemerkt, was da eigentlich drinsteckt. Einfach ein guter Wunsch. So ganz ohne Hintergedanken und ohne Erwartung. Einfach so.

Und wisst ihr was? Das macht was mit einem. Man wird automatisch ein bisschen weicher, ein bisschen offener. Ich habe mich selbst dabei erwischt, wie ich plötzlich (noch) mehr lächelte.

Und neben dieser Offenheit und Freundlichkeit war da noch etwas anderes, das sich durch alles durchgezogen hat. Diese absolute Gelassenheit. Niemand wirkte gehetzt. Es durfte alles ein bisschen länger dauern. Ein Gespräch, ein Kaffee, ein Spaziergang. Als hätte der Tag einfach mehr Raum. Als wären alle Menschen einfach ein wenig entspannter. 

Und ich glaube, ein Teil davon kommt auch von dieser Nähe zur Natur. Gerade in Cornwall. Dieses Meer, der Wind, das ständige Wechselspiel am Himmel – da wirkt vieles plötzlich nicht mehr so wichtig, wie wir es oft machen. Es relativiert alles ein bisschen und sorgt irgendwie auch für eine gewisse Demut.

Die Gärten dort haben mir übrigens auch gefallen. Nicht geschniegelt, nicht perfekt, eher so ein bisschen wild und lebendig. Als dürften die Pflanzen einfach mitentscheiden, wie sie wachsen wollen. Ich musste öfter an meinen eigenen Garten denken und habe mich - auch deshalb - ein bisschen zuhause gefühlt 💚

Und vielleicht ist es genau diese Mischung, die ich mit nach Hause genommen habe: Diese Herzlichkeit im Kleinen. Diese Ruhe im Alltag. Und dieses Gefühl, dass man einfach sein darf. Ohne großes Tamtam, ohne sich erklären zu müssen.

Einfach da sitzen, einen Tee beziehungsweise Kaffee trinken, aufs Meer schauen – oder wie ich jetzt gerade hier – auf meinen Garten.

Und während ich euch das erzähle, merke ich, wie viel davon noch da ist. Dieses ruhige, warme Gefühl. Diese geballte Ladung Glück. Und das schöne Gefühl, all das mitgenommen zu haben. 

Und jetzt...  beginnt der Alltag wieder und ich muss mal was arbeiten.  Ich wünsche euch heute ganz viele kleine „Enjoy“-Momente und vielleicht auch ein bisschen Smalltalk mit Tiefgang 🩷

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