Leise Worte mit großer Wirkung 🩷

Veröffentlicht am 5. Mai 2026 um 07:08

Guten Morgen liebe Leserinnen und liebe Leser 🫶 Ich fürchte, heute wird es etwas trauriger, als ihr es von mir gewohnt seid. Trotzdem habe ich mich ganz bewusst dazu entschieden, diese Geschichte zu schreiben und mit euch zu teilen. Denn ich finde sie wichtig und sehr inspirierend. Vielleicht geht es euch ja ähnlich. 

Gestern war ein vollkommen unspektakulärer Montag, zu dem es gar nicht viel zu sagen gäbe. Wäre da nicht der Podcast gewesen, den ich in meiner Mittagspause im Garten-Homeoffice gehört habe - und der mich seitdem sehr beschäftigt.... Ich saß auf der Lieblingsbank, hatte die Kopfhörer im Ohr, schaute in den bewölkten Himmel und hörte die aktuelle Folge von "True Love". Es ging um eine bewundernswert tapfere, mutige und beeindruckende Frau, die uns nicht nur ihre Geschichte, sondern ein Vermächtnis hinterlassen hat: 

Margot Friedländer. 

Spätestens jetzt war klar, dass das kein leichtes Thema werden würde. Keins, das man mal eben so nebenbei hört und dann wieder weglegt. Und trotzdem hatte ich irgendwie das Gefühl, dass ich mir das anhören muss. Was ich dann auch getan habe. Und seitdem darüber nachdenke. Nicht unbedingt über das Große Ganze (denn das kann bzw muss ich verdrängen), sondern über ein paar Dinge, die mich sehr berührt und auch inspiriert haben. 

Vermutlich wisst ihr bereits dass Margot Friedländer eine Berlinerin jüdischen Glaubens war, die den Holocaust überlebt hat. Dass ihre Mutter und ihr Bruder deportiert und ermordet wurden. Und dass sie selbst sich eine Zeit lang versteckt hat,  dann aber gefasst und ins Lager gebracht wurde. Dass sie  überlebt hat und später in die USA gegangen ist. Und vielleicht auch, dass sie erst viele Jahre später zurück nach Deutschland kam, um genau darüber zu sprechen. Mit jungen Menschen. Mit uns allen.

Und wenn man ihr zuhört, dann merkt man ganz schnell: Sie erzählt nicht, um anzuklagen. Sie erzählt, um etwas weiterzugeben. Und während sie im Podcast ihre Geschichte "erzählt" hat, hat sie auch von der Botschaft erzählt, die ihre Mama ihr über eine Nachbarin hat übermitteln lassen, während sie deportiert wurde. Ein Satz, der später das Lebensmotto von Margot Friedländer geworden ist und der bei mir nachwirkt:

„Versuche, dein Leben zu machen.“

Ein schlichter Satz, der gleichzeitig unglaublich stark ist. Weil er nicht fordert. Ein Satz, der so wenig will und gleichzeitig so viel bedeutet.

Ich saß gestern Abend wieder auf meiner Lieblingsbank mit einem Blick auf den Garten, der sich gerade jeden Tag ein kleines Stück weiter entfaltet. Hier ein neuer Trieb, da eine Blüte, die plötzlich da ist, ohne dass man genau sagen kann, wann sie eigentlich gekommen ist.

Und da habe ich gemerkt, dass genau das dieser Satz ist. Versuche, dein Leben zu machen. Nicht irgendwann, wenn alles passt. Nicht wenn alles leicht ist und alle Gedanken sortiert sind. Sondern genau jetzt ...mit dem, was da ist. Mit den schönen Dingen - und auch mit den schweren.

Vielleicht bedeutet ein glückliches Leben genau das: Dass beides nebeneinander stehen darf. Dass man sich berühren lässt, auch von den traurigen Geschichten. Und trotzdem den eigenen Weg weitergeht. Vielleicht ein bisschen bewusster, ein bisschen achtsamer.

Ein zweiter Gedanke von Margot Friedländer hat sich dann später dazugesellt: „Es gibt nur menschliches Blut.“

Und auch das fühlt sich plötzlich gar nicht mehr so weit weg an, wenn man hier sitzt, zwischen Erde, Pflanzen, Vogelstimmen und diesem ganz einfachen Gefühl, dass wir alle irgendwie Teil von etwas Größerem sind.

Ich habe gestern noch lange da gesessen. Ohne Musik, Gespräche oder Podcast. Nur mit meinen Gedanken. Und der leisen Stimme einer weisen alten Frau im Kopf, die mir die Tränen in die Augen getrieben hat: 

„Bleibt Menschen, bitte bleibt Menschen.“ 🩷

Und vielleicht ist es manchmal wichtig und richtig, solche Gedanken nicht sofort wegzuschieben. Sondern einen Moment zuzuhören und sie wirken zu lassen. Auch wenn es traurig macht.

Heute Morgen fühlt sich der Garten wieder ein bisschen leichter an. Nicht, weil die Gedanken weg sind, sondern weil es irgendwie tröstlich ist, dass eine Frau, die all das überstanden hat, genau das geschafft hat: ihr Leben zu machen. Und das sollten wir auch versuchen. So gut wir eben können. 

Ich widme mich jetzt dem Dienstag, meinen Pflanzen (die dringend Wasser brauchen) und dann dem Garten-Homeoffice. Und wünsche euch mit einem letzten Zitat von Margot Friedländer einen guten Start in den Tag: "Erinnern ist wichtig – aber noch wichtiger ist, wie wir heute miteinander umgehen." 🩷

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