Guten Morgen liebe Leserinnen und liebe Leser 🩷 Wie ihr vermutlich bemerkt habt, habe ich mir gestern eine kleine Schreibpause gegönnt. Deswegen habe ich heute auch ein bisschen mehr zu erzählen. Nicht wahnsinnig viel. Aber etwas, das ich erzählenswert finde und worüber ich gestern sehr intensiv nachgedacht habe.
Zum Einstieg möchte ich euch eine Frage stellen: Kann man sich eigentlich zu wenig aufregen?
Ihr kennt ja mein erklärtes Ziel. Ich möchte mich nicht mehr aufregen. Daran arbeite ich wirklich schon eine ganze Weile und ich glaube auch, dass ich kleine Fortschritte mache. Wobei nach wie vor sehr viel Luft nach oben ist. Zumindest in machen Bereichen und in gewissen Situationen. Und diese Woche gab es einen Aha-Moment, der mich gleich zu verschiedenen Erkenntnissen geführt hat.
Ich hatte ein Coaching mit einer Kollegin und auf meine Frage „Wie geht es dir?“ hat sie gesagt, dass sie das gerade gar nicht richtig beantworten kann. Sie sei nachdenklich und mache sich Sorgen. Dann hat sie etwas gesagt, das mich erstmal einen kurzen Moment sprachlos gemacht hat (ja, das gibt es wirklich 😉).
Sie sagte: "Mir ist etwas passiert, über das ich mich hätte richtig aufregen müssen. Aber ich habe mich überhaupt nicht aufgeregt. Ich fühle irgendwie nichts.“
Und genau dieser Satz hat bei mir etwas ausgelöst. Denn wenn ich ehrlich bin, kenne ich das auch. Dass etwas passiert, bei dem ich früher innerlich sofort auf hundertachzig gewesen wäre und heute sitze ich da und denkt nur noch: „Aha.“
Und ich habe mich gefragt, woran das liegen kann. Bin ich vielleicht über mein erklärtes Ziel hinausgeschossen? Das glaube ich aber tatsächlich nicht. Allerdings habe ich den Eindruck, dass es für dieses Phänomen unterschiedliche Gründe gibt.
Die erste Variante ist wahrscheinlich die einfachste. Es kommt manchmal darauf an, WER einen aufregt - oder es zumindest versucht. Manche Menschen kennt man irgendwann einfach so gut, dass man genau weiß, wie sie ticken. Man erwartet nichts anderes mehr. Vielleicht hat man innerlich schon einen Haken dahinter gemacht oder schlicht keinen wirklichen Respekt mehr vor der Person oder dem Verhalten. Und dann bleibt am Ende nur noch ein mildes Lächeln übrig. Oder manchmal sogar ein kleines bisschen Mitleid. Manche Menschen haben durch ihr Verhalten dafür gesorgt, dass sie schlichtweg keine Aufregung mehr wert sind.
Die zweite Variante finde ich schwieriger. Resignation. Resignation fühlt sich für mich nach Aufgeben an. Nicht nach Frieden, absolut nicht nach Glück. Sondern eher danach, dass man aufgehört hat zu glauben, dass sich noch etwas verändern könnte. Und ich habe gemerkt, dass ich aus dieser Haltung nur schwer wieder herauskomme, wenn ich einmal dort angekommen bin. Man regt sich nicht mehr auf, weil man innerlich längst aufgegeben hat, sich aufzuregen. Man hat keine Energie mehr übrig, die eine Aufregung möglich machen würde. Man hat aufgegeben. Kein Zustand, den ich besonders schön finde - weil er irgendwie auch zeigt, dass ein gewisses Potential nicht genutzt wurde.
Und dann gibt es noch die dritte Möglichkeit. Wahrscheinlich die gesündeste und die, die mit Arbeit verbunden ist. Dass man ganz bewusst entscheidet, wem oder was man erlaubt, einem den Tag kaputtzumachen. Dass man merkt: Ja, das war doof. Ja, das hätte mich früher beschäftigt. Aber ich möchte meine Energie heute lieber für etwas anderes verwenden. Da sehe ich bei mir noch reichlich Entwicklungspotenzial. Aber ich arbeite bekanntlich daran.
Und gestern habe ich erneut eine Methode angewendet, die erstaunlich gut gegen schlechte Laune oder Ärger hilft. Ich war nämlich mit einem Herzensmenschen in der Malbar. Wo ich langsam ein Jahresabo brauchen könnte 😉 Ich habe eine Zuckerdose in Form eines Honigtopfes bemalt - passend zu meinem selbst kreirten Gartenservice in Pastellfarben. Und ich freue mich jetzt schon darauf, euch das fertige Ergebnis zu zeigen. Meine Freundin hat zwei herrlich lustige Tassen gestaltet. Mit schielenden Schafen, Bienchen und orthopädischen Strümpfen. Ich kann euch sagen: das hat riesig Spaß gemacht 🩷
Danach waren wir noch lecker essen, saßen draußen in der Sonne, haben ein kühles Getränk getrunken und einfach einen richtig schönen Abend verbracht. Und genau das war wahrscheinlich die beste Antwort auf die Frage vom Anfang.
Manchmal regt man sich nicht auf, weil man stattdessen einfach schöne Dinge tut.
Und jetzt wartet gleich meine persönlich meditativste Aufgabe auf mich: Rasenmähen. Ich weiß nicht warum, aber dieses monotone Hin- und Herfahren beruhigt mich tatsächlich mehr als manches Entspannungsseminar. Vielleicht liegt es am Geräusch. Vielleicht am Duft von frisch gemähtem Gras. Vielleicht daran, dass man sofort sieht, was man geschafft hat.
Mein Wasserhahn ist übrigens immer noch intakt. Darüber freue ich mich wahrscheinlich immer noch ein kleines bisschen unverhältnismäßig doll. Die Sonne scheint, die Vögelchen singen und deshalb freue ich mich jetzt auf diesen Samstag. Und wünsche euch von Herzen ebenfalls ein Wochenende mit möglichst wenig Aufregung und vielen schönen Momenten.
Denn vielleicht liegt das Glück manchmal genau darin. Nicht allem die Macht zu geben, uns den Tag zu versauen.
„Zwischen Reiz und Reaktion liegt ein Raum. In diesem Raum liegt unsere Macht zur Wahl unserer Reaktion.“– Viktor Frankl
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