Signale aus dem Garten 💚

Veröffentlicht am 19. Mai 2026 um 07:48

Guten Morgen liebe Leserinnen und liebe Leser 💚 Gestern wurde ich im wahrsten Sinne des Wortes ausgebremst. Und zwar so richtig. Mein Rücken hatte nämlich beschlossen, dass er einen Generalstreik für angebracht hält. Und hat meine Beine gleich zum Mitmachen animiert. 

Ich persönlich war mit dieser Entscheidung absolut nicht einverstanden. Und wer mich kennt, weiß, dass ruhig sitzen und nichts tun nicht unbedingt zu meinen größten Talenten gehören. Ich gehöre ja eher zu den Menschen, die noch schnell „nur kurz“ etwas machen wollen und drei Stunden später mit Erde an den Händen, fünf neuen Ideen und einem halbfertigen Gartenprojekt irgendwo zwischen Hochbeet und Gewächshaus stehen. Und glaubt mir, es gäbe auch genug zu tun. 

Aber erstmal habe ich im Garten-Homeoffice gearbeitet. Was deutlich idyllischer klingt, als es meistens tatsächlich ist. Denn während draußen alles wächst, summt und blüht, sitzte ich drinnen vor dem Bildschirm, beantworte Mails und sehe mich mehr oder weniger ständig selbst im Bildschirm 🤣 Und ehrlich gesagt hatte ich tagsüber kaum Zeit, meinen Garten wirklich wahrzunehmen. Deshalb konnte ich auch alles ignorieren, was getan werden musste...

Meine Mittagspause habe ich dann auf der Lieblingsbank verbracht. Während Olga und Oleg gemütlich durchs Gras watschelten, als hätten sie ebenfalls gerade Pause. Irgendwann legten sie sich unter einen Blumentopf ins Gras (was sie bisher noch nie getan hatten) und wirkten dabei wie ein altes Ehepaar im Sommerurlaub. Ganz entspannt, ganz selbstverständlich und total gechillt. Und ich musste lachen, weil die beiden aussahen, als würden sie ein kleines Schläfchen machen. Und als wollten sie mir damit etwas sagen 🤣

Nach Feierabend konnte ich dann nicht mehr ignorieren, dass es eigentlich genug zu tun gegeben hätte. Denn im Garten wartet momentan an jeder Ecke irgendeine Aufgabe auf mich. Hier müsste etwas geschnitten werden, dort wartet noch ein Pflänzchen auf seinen Platz und überhaupt könnte man wahrscheinlich aktuell jeden Abend stundenlang draußen arbeiten, ohne auch nur ansatzweise fertig zu werden. Und genau deshalb fiel es mir gestern schwer, nichts zu tun.

Und mein Rücken hat ziemlich deutlich signalisiert, dass ihn das überhaupt nicht interessiert. Aber ich bin ja bekanntlich gut im Ignorieren und deshalb habe ich mir die Heckenschere geschnappt und angefangen, die Hecke zu schneiden. Das ging ja im Stehen und hat deshalb halbwegs funktioniert. Bis der Akku irgendwann aufgegeben hat... den wollte ich dann laden und kramte das Ladegerät aus der Schublade. Um dann festzustellen, dass das den Winter wohl nicht überstanden hatte. Wobei ich eher vermute, dass es sich still und heimlich dem Streik angeschlossen hat...vielleicht war es auch ein weiteres Zeichen, das mir mein Garten geschickt hat. 

Und auch wenn ich das nur sehr widerwillig zugebe, war es vermutlich vernünftig, darauf zu hören. Ich glaube nämlich, dass viele von uns erst dann langsamer werden, wenn der Körper irgendwann keine höflichen Hinweise mehr schickt, sondern sehr klare Ansagen macht.

Also blieb es danach beim langsamen Durch-den-Garten-Schlendern. Und genau dabei habe ich auf dem Deckel meines Komposters plötzlich eine kleine Schneckenfamilie entdeckt. Eine große Schnecke vorneweg und mehrere kleine dahinter, als wären sie gemeinsam unterwegs zu einem wichtigen Termin. Ich stand wirklich einen Moment davor und musste grinsen. Vielleicht, weil dieser Anblick so friedlich war. Vielleicht aber auch, weil diese kleinen Wesen etwas verkörpern, das ich selbst erst lernen muss: Langsamkeit ohne schlechtes Gewissen.

Schnecken tragen ihr Zuhause immer mit sich herum. Sie hetzen nicht. Sie vergleichen sich nicht. Sie machen einfach Schritt für Schritt weiter. Langsam, aber offenbar ziemlich zufrieden.

Und irgendwie passte das alles zu diesem Montag. Olga und Oleg bei der Mittagspause. Das streikende Ladegerät, die kleine Schneckenfamilie am Abend. Mein Rücken, der mich ausnahmsweise mal zum Stillhalten gezwungen hat.

Vielleicht wollte mir das Leben gestern einfach zeigen, dass nicht jeder Tag produktiv sein muss, um wertvoll zu sein. Dass man manchmal sogar mitten zwischen unerledigten Aufgaben kleine Glücksmomente finden kann. Man muss nur kurz stehen bleiben, um sie zu sehen.

„Die Kunst des Ausruhens ist ein Teil der Kunst des Arbeitens.“ – John Steinbeck 🐌

Jetzt wünsche ich euch einen schönen Dienstag und schicke liebe Grüße von der Lieblingsbank 🩷

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