„Der Garten ist der letzte Luxus unserer Tage, denn er fordert das, was in unserer Gesellschaft am kostbarsten geworden ist: Zeit, Zuwendung und Raum.“ – Dieter Kienast
Guten Morgen liebe Leserinnen und liebe Leser 💚 Gestern war ein Sommer-Donnerstag und diejenigen von euch, die aufmerksam gelesen haben, konnten sich vermutlich schon denken, was nach Feierabend bei mir passieren würde... Nachdem ich ja sehr euphorisch von meinem neuen Hochbeet berichtet hatte, war relativ klar: Das Ding bleibt nicht lange leer.
Also ging es nach der Arbeit im Garten-Homeoffice ins Gartencenter, um Pflanzen zu kaufen. Der Plan war eigentlich ganz vernünftig - wenn auch riskant: Schnell ein paar Pflänzchen holen, das Hochbeet bepflanzen und gießen, fertig. Aber...ihr kennt mich.
Irgendwann stand ich zwischen Kräutern, Gemüse, Erdbeeren und allerlei Pflanzen, die so spannend klangen, dass ich sie unmöglich dortlassen konnte. Und während mein Einkaufswagen voller wurde, war ich fest davon überzeugt, komplett übertrieben und viel zu viel gekauft zu haben. Am Ende hat es dann exakt gereicht.🤣
Und während ich später mit Erde an den Händen und leicht beleidigtem Rücken vor meinem fertig bepflanzten Hochbeet stand, musste ich plötzlich daran denken, wie genau dieser Bereich des Gartens noch vor wenigen Jahren aussah...eigentlich nicht nach Garten. Eher nach… ambitionierter Ackerfläche...Viel nackte Erde, mühsam angelegte Häufchen und sehr regelmäßige Verabredungen mit tiefwurzelndem Unkraut. Natürlich alles in Handarbeit und sehr gebückter Haltung. Manchmal saß ich auch einfach auf dem Boden 🤣
Und wenn ich heute die Bilder nebeneinander sehe, dann fällt mir auf: Im Alltag merkt man oft gar nicht, wie viel eigentlich passiert. Man sieht jeden Tag nur ein bisschen. Hier ein Beet mehr, dort ein Hochbeet, dann eine Kräuterspirale... ein bisschen jäten, ein paar Rückenschmerzen sammeln, ein paar neue Pflanzen pflanzen...Und plötzlich sind ein paar Jahre vorbei und man schaut hin und denkt: Wow! Das habe ich alles gemacht.
Vielleicht ist das mit Gärten wie mit vielen schönen Dingen im Leben. Sie wachsen nicht an einem Wochenende, nicht durch große Entscheidungen - sondern durch viele kleine.Durch Geduld, Dranbleiben und durch Zeit. Durch den Mut, etwas anzufangen, obwohl man noch nicht sieht, wie es am Ende aussehen wird. Und manchmal auch dadurch, dass man sich erlaubt, langsamer zu werden.
Eigentlich müsste mein Rücken ja ziemlich begeistert davon sein, dass ich angefangen habe, rückenschonender zu gärtnern und Hochbeete anzulegen. Er scheint die Information bisher noch nicht vollständig verarbeitet zu haben. Aber ich merke inzwischen: Nicht alles wird besser, wenn man sich mehr anstrengt. Manches wird schöner, wenn man klüger arbeitet. Und wenn man akzeptiert, dass Pflanzen, Gärten und manchmal auch Menschen ihr eigenes Tempo haben.
Heute stehen auf dem ehemaligen Acker drei bepflanzte Hochbeete, meine Kräuterspirale und ziemlich viele kleine Ideen, die über die letzten Jahre eingezogen sind. Und auch in den Beeten gibt es ein paar Neuerungen. Ich habe nämlich dieses Jahr ein paar besonders verrückte Sachen ausprobiert.
Spargelerbsen – sehen aus wie Erbsen und schmecken wie Spargel, Zitronenchilis. ein Zitronenblatt, dessen Blätter nach Zitrone schmecken und sowohl in Salat als auch in Limonade landen dürfen. Zitronengurken, auf die ich besonders gespannt bin. Orangenpaprika mit fruchtigem Geschmack, Straucherbsen. Und vermutlich noch zwei oder drei Dinge, die ich gekauft habe, weil der Name schön klang. Jetzt müssen sie nur noch den Vielfraßen standhalten.
Und wenn ich aus den letzten Wochen eine finanzielle Erkenntnis mitgenommen habe, dann diese: Ein Garten ist definitiv keine Methode, Geld zu sparen. Ganz im Gegenteil. Ein Garten ist vielmehr ein wunderschönes Hobby, bei dem man freiwillig sehr viel Geld dafür ausgibt, damit später eine Gurke wächst, die im Supermarkt 49 Cent gekostet hätte. Und trotzdem würde ich es immer wieder machen.
Als gestern die Abendsonne langsam an der Hecke heruntergeklettert ist, habe ich auf meiner Lieblingsbank gesessen und mir alles angesehen. Und plötzlich war da nicht nur Freude. Sondern auch ein bisschen Stolz. Nicht auf Perfektion oder darauf, dass alles fertig ist – Gärten sind sowieso nie fertig. Sondern darauf, dass aus einer Fläche Erde langsam etwas geworden ist. Etwas, das sich nach mir anfühlt.
Und passenderweise ist gestern übrigens auch noch ein rostiges Schild eingezogen. Darauf steht: „Der schönste Ort der Welt.“ Und ja. Ich musste es kaufen, weil es genau das ausdrückt, was mein Garten für mich ist. Und - das ist wichtig - es ist ein Hängeschild. Denn ich habe mir ja geschworen, nur noch Hängedeko zu kaufen, weil ich inzwischen beim Rasenmähen regelmäßig mehr Dekoration als Rasen bewege.
Und jetzt genieße ich die Aussicht, meinen Morgenkaffee und die Vorfreude auf ein langes Sommerwochenede. Ach ja – und weil auch sommerliche Temperaturen angekündigt sind, schmiede ich inzwischen ernsthaft den Plan, meinen Pool aufzubauen und am Wochenende die Poolsaison zu eröffnen☀️
Im Moment scheitert das Vorhaben noch an einer erstaunlich hartnäckigen Menge Restwasser, die sich irgendwo in der Poolhülle versteckt und offenbar beschlossen hat, dort alt zu werden. Aber ich werde das schon hinbekommen. Wünscht mir Glück. Ich werde berichten.
Ich wünsche euch einen wunderschönen Freitag und einen guten Start in das lange Pfingstwochenende. Und vielleicht nehmt ihr euch irgendwo zwischen Alltag, Terminen und Sonne einen kleinen Moment Zeit, um euch umzuschauen.
Manchmal wachsen die schönsten Dinge schon längst – und wir merken es erst, wenn wir stehen bleiben. 🌿
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