Eine Zwangsbeziehung...🩷

Veröffentlicht am 27. Mai 2026 um 07:36

Guten Morgen liebe Leserinnen und liebe Leser 🩷 Gestern war wieder einer dieser Tage, an denen nicht wirklich etwas passiert ist. Ich habe gearbeitet, geschwitzt, mich nach Feierabend im Pool abgekühlt, Getränke besorgt, um die Vorräte wieder ein bisschen aufzufüllen, und eigentlich hatte ich vor, die Hecke endlich fertig zu schneiden... beim "eigentlich" ist es dann auch geblieben. 

Denn manchmal gibt es Tage, an denen Körper und Kopf gemeinsam beschließen, dass es jetzt reicht. Mein Rücken zickt immer noch ein bisschen herum und bei den Temperaturen hatte ich plötzlich überhaupt keine Lust mehr, freiwillig mit Heckenschere in der Sonne zu stehen. Also habe ich beschlossen, mir endlich mal wieder "Hitzefrei" zu genehmigen. Wobei das im Garten natürlich immer relativ ist.

Denn komplett frei nehmen kann man sich höchstens im Winter. Und bei diesen Temperaturen ist nichts mit einfach nur auf der Lieblingsbank sitzen. Meine Blümchen und Pflanzen hatten nämlich sichtbar mit der Hitze zu kämpfen. Da wurden kleine Köpfchen hängen gelassen und sehr eindeutig signalisiert, dass jetzt bitte sofort etwas passieren sollte. Also habe ich mir den Gartenschlauch geschnappt und meine Tour gemacht...

Und wie das so ist, wenn man einmal quer durch den Garten läuft... bleibt es selten beim ursprünglichen Plan. Denn es gibt immer was zu rupfen und zu zupfen. Und natürlich habe ich während des Gießens auch meine Hochbeete kontrolliert. Und -  ich wage es kaum auszusprechen, weil ich ein bisschen abergläubisch bin und gefühlt jede Schnecke im Umkreis mithört - aber ich sage es trotzdem:: Keine. Ich habe keine einzige gesehen.  Ich klopfe beim Schreiben vorsichtshalber auf Holz und drücke mir selbst und sämtlichen Pflänzchen ganz fest die Daumen, dass das so bleibt 🍀

Und das Schönste ist: Es wächst alles richtig ordentlich. Teilweise so schnell, dass ich selbst überrascht bin. Offenbar mögen die kleinen neuen Gartenbewohner die Mischung aus ganz viel Sonne und regelmäßigem Gießen. Manchmal sind die Lösungen eben doch erstaunlich einfach...

Und während ich mich darüber sehr gefreut habe, bin ich an meinen Rosen hängen geblieben. Davon gibt es jede Menge in meinem Garten, weil ich die sehr mag. Und ich finde ja, dass Rosen ein bisschen wie Menschen sind. Es gibt die, die scheinbar völlig mühelos durchs Leben gehen, bei Wind und Wetter blühen und immer aussehen, als hätten sie alles im Griff. Und dann gibt es die empfindlicheren. Die, die mehr Aufmerksamkeit brauchen...mehr Schutz und mehr Pflege. Manche wachsen langsam und überraschen plötzlich. Andere starten großartig und machen dann eine Pause. Einige blühen überschwänglich und andere ganz leise. Und am Ende sind sie alle auf ihre Art schön.

Vielleicht ist das überhaupt das Geheimnis – bei Rosen und bei Menschen. Dass man aufhört zu erwarten, dass alle gleich funktionieren. Und dass man ihnen die Aufmerksamkeit und Fürsorge schenkt, die sie brauchen. Oder ihnen einfach genug Zeit lässt...

Meine Rosen stehen aktuell jedenfalls in voller Blüte. Überall Knospen, überall Farbe. So schön, dass man fast vergisst, wie viel Arbeit sie machen. Fast. Denn wie jedes Jahr habe ich ihn auch dieses Jahr entdeckt... Diesen kleinen schwarzen Spielverderber mit seinen gelben Vorboten: Sternrußtau.

Ich glaube mittlerweile, wir führen eine langjährige Beziehung gegen meinen Willen. Also quasi eine Zwangsbeziehung..Jedes Jahr denke ich: Vielleicht diesmal nicht. Vielleicht bin ich ihn jetzt endlich los. Und jedes Jahr kommt er zurück - ohne zu fragen, ohne zu klingeln. Irgendwann ist er einfach da und macht es sich gemütlich. Während ich überhaupt nichts  dagegen tun kann...

Natürlich könnte ich spritzen. Aber ich bringe es einfach nicht übers Herz, mitten zwischen Rosenblüten Chemie einzusetzen, während unzählige Bienchen, Hummeln und Schmetterlinge dort unterwegs sind und sich sichtbar über das Buffet freuen.

Also bleibt mir am Ende nur meine jährliche Rosenmeditation... Blatt für Blatt gelbe Blätter mit schwarzen Punkten absammeln, im Hausmüll entsorgen. Wieder schauen, wieder sammeln... Gestern habe ich ene geschlagene Stunde damit zugebracht und bin noch lange nicht fertig. Und während ich da so stand, vor mich hin schwitzte sammelte, dachte ich an das Zitat vom kleinen Prinzen, das ich so schön finde: "Die Zeit, die du für deine Rose verloren hast, sie macht deine Rose so wichtig." 

VIelleicht sind Rosen genau deshalb so beliebt. Nicht, weil sie perfekt sind, sondern weil sie trotz Dornen blühen, trotz Hitze,  trotz Regen. Und trotz Sternrußtau. Und weil man ihnen trotzdem ein bisschen Zeit und Zuwendung schenken muss, wenn man sie zur vollen Blüte bringen möchte. 

Und vermutlich ist das mit dem Glück ganz ähnlich. Glück bedeutet nicht, dass immer alles makellos läuft. Glück bedeutet vielleicht manchmal einfach, dass die Rosen Flecken haben, die Hecke noch wartet, der Rücken meckert und man trotzdem am Ende des Tages feststellt: Es wächst. Im Garten und manchmal auch in uns.

Jetzt gibt's aber erstmal einen Kaffee und dann... Garten-Homeoffice statt Hitzefrei. Ich wünsche euch heute Menschen, die euch so nehmen, wie ihr seid und vielleicht auch eine kleine frische Brise 😉

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