"Das Glück besteht nicht darin, dass du tun kannst, was du willst, sondern darin, dass du immer willst, was du tust.“Leo Tolstoi
Guten Morgen liebe Leserinnen und liebe Leser 💚 Da bin ich wieder. Eigentlich hatte ich euch ja Hitzefrei angekündigt und irgendwie hatte ich das auch. Wobei „frei“ vielleicht nicht ganz der richtige Begriff ist... Wenn ich heute auf das Thermometer schaue, müsste ich die Pause eigentlich noch ein paar Tage verlängern - und mich in den Kühlschrank setzen. Aber da passe ich leider nicht rein und habe außerdem das dringende Bedürfnis, euch von den vergangenen Tagen zu erzählen.
Von einer Reise, bei der sich ein schöner Moment an den nächsten gereiht hat. So viele, dass ich irgendwann aufgehört habe zu zählen.
Ihr wisst ja, dass ich am Samstagmorgen Richtung Osten aufgebrochen bin. Vorher wurden natürlich noch alle Blümchen gegossen, die Vogeltränken aufgefüllt und der obligatorische Kontrollgang durch den Garten gemacht. Erst danach durfte mein neuer Flitzer zeigen, was er kann. Und was soll ich sagen? Er hat auch diese Reise wieder mit Bravour gemeistert. Langsam glaube ich wirklich, dass wir beide ein ziemlich gutes Team sind.
Am Nachmittag kam ich dann leicht verschwitzt in Erfurt an. Die Schlüsselübergabe in der Ferienwohnung stellte meine Geduld zwar kurz auf die Probe, aber irgendwann war auch diese Mission erfolgreich abgeschlossen und ich konnte mein kleines Domizil direkt am Domplatz beziehen. Ein wunderschöner Ort, der sehr beschaulich wirkte. Zumindest, wenn man sich die unzähligen Menschen wegdachte
Dass ausgerechnet an diesem Wochenende gleichzeitig das Krämerbrückenfest, die Fête de la Musique und ein Fußballspiel der Nationalmannschaft stattfanden, sorgte nämlich dafür, dass direkt vor meinem Balkon eigentlich ständig irgendwo Musik, Jubel oder gute Stimmung zu hören waren.
Der eigentliche Grund meiner Reise wartete allerdings ganz woanders 🩷 Und gleich nach einer kurzen Erfrischung machte ich mich mit der Straßenbahn auf den Weg und durfte kurz danach nach langer Zeit endlich meine Freundin wieder in die Arme schließen. Ein Moment, auf den ich mich sehr gefreut hatte.
Es gibt Menschen, bei denen spielt Zeit überhaupt keine Rolle. Man sieht sich wieder und hat nicht das Gefühl, Monate hätten zwischen den letzten Begegnungen gelegen. Man setzt das Gespräch einfach fort. Genau so war es und genau so fühlte es sich an.
Wir haben den Abend in einem wunderschönen Restaurant verbracht, hervorragend gegessen und einen alkoholfreien Gin Tonic mit Himbeeren getrunken, der so lecker war, dass ich ihn heute noch schmecken kann. Wir haben gelacht, erzählt, Erinnerungen ausgetauscht und natürlich auch über Dinge gesprochen, die das Leben manchmal schwer machen.
Und trotzdem ist genau das etwas, was ich an meiner Freundin so bewundere. Sie gehört zu den Menschen, die seit Jahren mit Dingen konfrontiert ist, die sich niemand aussuchen würde. Und trotzdem begegnet sie dem Leben mit einer Zuversicht, einer Herzlichkeit und einem Humor, die mich jedes Mal aufs Neue beeindrucken. Sie schafft es, anderen Kraft zu schenken, obwohl sie selbst so viele schwere Tage erlebt hat. Ich weiß nicht, wie sie das macht. Ich weiß nur, dass ich jedes Mal ein Stück davon mit nach Hause nehme und sehr dankbar dafür bin.
Später am Abend fuhr ich dann mlt einem vollen Herzen zurück zu meiner Ferienwohnung, setzte mich noch eine Weile auf den Balkon und stellte fest, dass Erfurt offensichtlich beschlossen hatte, extra für mich um Mitternacht ein Feuerwerk zu veranstalten. Zumindest habe ich das einfach mal so interpretiert. Man darf sich die Welt schließlich auch mal ein bisschen schönreden.
Am nächsten Morgen weckte mich die Sonne. Eigentlich hatte ich mich schon auf meinen ersten Kaffee auf dem Balkon gefreut. Blöd nur, dass zwar eine Kaffeemaschine vorhanden war, der Kaffee selbst aber beschlossen hatte, zu Hause zu bleiben. Also musste ich zunächst für Nachschub sorgen.
Danach wartete bereits das nächste Highlight des Wochenendes. Meine Freundin hatte gemeinsam mit ihrem Mann ein wunderbares Frühstück vorbereitet. Wir ließen uns Zeit, redeten über alles Mögliche und genossen einfach das Zusammensein. Außerdem bekam ich eine wunderschöne Tasse geschenkt, aus der mein Morgenkaffee künftig garantiert noch ein bisschen besser schmecken wird. Nicht wegen der Tasse. Sondern wegen der Erinnerung, die sie jedes Mal mitbringt. 🩷
Am Nachmittag stieß dann noch ein gemeinsamer Freund dazu und wir verbrachten viele Stunden in einer schattigen Waldgaststätte unter alten Bäumen. Dort war die Welt plötzlich ein paar Grad kühler - was sehr angenehm war. Wir sprachen über früher, über heute, über das Leben und über alles, was dazwischenliegt. Genau diese Gespräche sind es doch, die man nicht planen kann und die trotzdem noch lange nachklingen.
Am frühen Abend kam dann der Moment, vor dem ich mich eigentlich schon den ganzen Tag gedrückt hatte. Es war Zeit, mich von meiner Freundin zu verabschieden. Wobei... verabschiedet haben wir uns eigentlich gar nicht. Ein Tschüss gab es nicht - nur ein bewusstes „Auf Wiedersehen“ und eine sehr feste Umarmung. Und genau daran halte ich mich fest. 💚
Danach zog ich mit meinem Freund noch einmal durch die Erfurter Altstadt. Wir hörten Straßenmusik, gönnten uns etwas zu trinken, schlenderten ohne Plan durch die Gassen und ließen diesen ohnehin schon wunderschönen Tag ganz entspannt ausklingen...
Wer jetzt glaubt, das Feuerwerk schöner Momente wäre damit vorbei gewesen, der irrt sich allerdings gewaltig. Denn es ging weiter. Am Montagmorgen sammelte ich meinen Freund aus Jugendtagen am Bahnhof ein und wir machten uns gemeinsam auf den Weg nach Berlin. Schon die Autofahrt war schön. Wir mussten uns überhaupt nicht überlegen, worüber wir sprechen könnten.
Wir haben erzählt, Neuigkeiten ausgetauscht, gelacht, Musik gehört und uns gemeinsam auf das gefreut, was vor uns lag. Manche Menschen machen eine Reise anstrengender. Andere machen sie leichter. Er gehört eindeutig zur zweiten Kategorie.
Unser erster Halt war der Wannsee - den ich unbedingt einmal besuchen wollte. Ich war vorher noch nie dort und schon beim Parken begeistert. Sandstrand, Strandkörbe, alte Gebäude und dieses Gefühl, für einen kurzen Moment irgendwo am Meer zu sitzen. Wir kühlten uns im Wasser ab, redeten über alte Geschichten und genossen die Sonne und den Ausblick auf die Landschaft und den Berliner Fernsehturm. Und dann ging es erfrischt weiter.
Berlin selbst stellte mich anschließend mit meinem neuen Auto, gefühlt drei Litern Wasser im Bauch und einer immer dringender werdenden Toilettenpause kurz auf die Probe. Irgendwann standen Auto und Fahrerin aber unversehrt in der Tiefgarage und damit war auch diese Herausforderung erfolgreich gemeistert.
Am Abend ging es dann erstmal zum Japaner. Was definitiv eine gute Idee war und vor allem eine sehr leckere. Anschließend fuhren wir zuerst zum und dann in schwindelerregendem Tempo auf den Fernsehturm, der eine spektakuläre Aussicht bot. Dank einem perfekten Timing beobachteten wir dann hoch über den Dächern Berlins den Sonnenuntergang... Danach ließen wir den Abend ganz gemütlich in einer kleinen urigen Berliner Gaststätte ausklingen.
Der Dienstag begann mit Kaffee und Brötchen auf einer Bank am Brandenburger Tor. Ja, tatsächlich ungeschminkt. Nicht aus mutiger Überzeugung, sondern weil es mir schlicht zu warm war. Irgendwann muss man Prioritäten setzen.
Aus dem geplanten kurzen Frühstück wurde dann eine kleine Sightseeing-Tour vorbei an den Regierungsgebäuden bis ans Wasser. Dort saßen wir eine ganze Weile, beobachteten die Schiffe und ließen einfach die Seele baumeln. Irgendwann fiel uns auf, dass ich ja zwischendurch tatsächlich noch ein bisschen arbeiten musste. Was ich dann auch tat.
Und dann war er endlich da. Der Moment, auf den ich mich seit Monaten gefreut hatte... Guns N' Roses... Mein Axl 💚
Dank meines ortskundigen Begleiters kamen wir völlig entspannt an der Uber Arena an. Ich kaufte mir endlich meine lang ersehnte Weste und kaum hatten wir unsere Plätze erreicht, stand Axl Rose schon auf der Bühne und begeisterte mich wie immer.
Einer seiner ersten Sätze war: „I love you, too.“ Und das wurde auch wirklich Zeit. Gut... vermutlich meinte er das gesamte Publikum. Ich habe jedoch beschlossen, das einfach persönlich zu nehmen. Und mich sehr darüber gefreut ❤️
Das Konzert wurde zu einer kleinen Zeitreise. Spätestens bei "Civil War" war klar, dass dieser Abend etwas Besonderes werden würde. Für ein paar Stunden waren wir wieder die Jugendlichen von damals. Wir erinnerten uns an unsere gemeinsame Zeit im Clubheim, an Feste, an Mai-Touren, an Freundschaften, an Liebeskummer und an das Gefühl, dass damals das ganze Leben noch vor uns lag. Ich sang aus Leibeskräften mit und genoss währenddessen die freie Sicht auf die Bühne und den Mann meiner Jugendträume 🥰
Und dann war alles viel zu schnell vorbei... Aber genauso wie in Erfurt möchte ich auch hier lieber von einem Auf Wiedersehen und nicht von Abschied sprechen.
Anschließend liefen wir fast sechs Kilometer zurück zum Hotel und analysierten das Konzert und das Leben im Allgemeinen. Meine Füße kommentierten diese Entscheidung mit zwei beeindruckenden Blasen. Aber ganz ehrlich? Sie waren jeden einzelnen Schritt wert.
Und so fiel ich irgendwann müde und überglücklich ins Bett...
Am nächsten Morgen warteten dann fast neun Stunden Autofahrt auf mich. Hitze, Baustellen und irgendwann meldeten sich Rücken, Knie und Hüfte gleichzeitig zu Wort. Aber wisst ihr was? Auch das war es wert.
Gestern saß ich dann wieder in meinem Garten. Der Ventilator lief im Dauerbetrieb, ich arbeitete im Garten-Homeoffice und außer Schwitzen ist tatsächlich nicht viel passiert. Und das war völlig in Ordnung.
Ich glaube nämlich, dass ich diese Reise erst einmal sortieren muss. Die vielen Gespräche, das Wiedersehen, das gemeinsame Lachen, das Bad im Wannsee, der Blick über Berlin, Axl, das Mitternachtsfeuerwerk in Erfurt...
Unser gemeinsames Motto begleitet mich jetzt schon eine ganze Weile. "Das Glück liegt in der Summe schöner Momente." In den vergangenen Tagen hat sich diese Summe angefühlt wie ein kleines Feuerwerk. Und ich bin unendlich dankbar, dass ich mittendrin stehen durfte.
Jetzt werde ich noch ein bisschen die Nachfreude genießen und währenddessen meine Pflanzen gießen. Natürlich erst nach einem Morgenkaffee auf der Lieblingsbank. Dieses Mal aus einer ganz besonderen Tasse 🩷 Habt einen schönen Tag trotz der Hitze und passt gut auf euch auf 💚
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