"Manchmal besteht Mut nicht darin, festzuhalten. Manchmal besteht Mut darin, anzuerkennen, was ist."
Guten Morgen liebe Leserinnen und liebe Leser 💛 Ich glaube, die letzten beiden Tage werden irgendwann als die Tage in Erinnerung bleiben, an denen man morgens schon geschwitzt hat, weil man daran gedacht hat, dass man gleich wieder schwitzen wird. Auf jeden Fall aber werden sie als die heißesten Tage in die Geschichte eingehen, die wir bisher hatten.
Das war schon ziemlich heftig und ich habe irgendwann aufgehört, gegen die Hitze anzukämpfen. Stattdessen habe ich beschlossen, mit ihr zusammenzuarbeiten. Schatten statt Sonne, Pool statt Hochbeet, Gurkenwasser statt heißem Kaffee – na gut, den Kaffee gab es trotzdem. Manche Gewohnheiten gibt man eben auch bei erschwerten Bedingungen nicht auf...
Zwischendurch habe ich Coco mit einem feuchten Waschlappen abgekühlt und ihr immer wieder Wasser gegeben. Die Arme lag ausgestreckt auf den Fliesen und schaute mich an, als wollte sie sagen: „Du hast doch einen Garten. Mach doch mal die Sonne aus.“ Hätte ich gekonnt, hätte ich das selbstverständlich gemacht. Für Coco und für mich.
Stattdessen habe ich den Sonnenschirm stündlich versetzt, den Gartenschlauch zweckentfremdet und mich zwischendurch sogar fast mit dem aufgeheizten Wasser verbrüht. Dass Wasser aus einem Gartenschlauch so heiß werden kann, hätte ich vorher auch nicht geglaubt...
Es gab Eis, Badekleidung, noch mehr Schatten und gefühlt alle zwei Stunden ein weiteres Bad im Pool. Irgendwann habe ich aufgehört zu zählen. Die Temperaturen sowieso. Irgendwo zwischen achtunddreißig und einundvierzig Grad verliert man das Gefühl für Zahlen. Man weiß nur noch: heiß 🔥
Am Abend wurde gegrillt. Tomaten, Gurke aus dem Garten, Maiskolben, Spieße und ein großes Glas Gurkenwasser. Genau diese einfachen Momente sind es, die einen Sommertag trotz Gluthitze plötzlich wieder leicht machen. Natürlich nur, wenn man sie im Schatten genießen kann... was mich in den letzten Tagen zu der Erkenntnis gebracht hat, dass Schatten eine sehr wichtige Rolle spielt in Tagen wie diesen...
Während ich also so im Schatten saß, fiel mir auf, dass Schatten eigentlich zwei Gesichter hat. An einem heißen Sommertag ist er ein Geschenk. Er schütz, kühlt und schenkt Erleichterung. Man ist dankbar für jedes Blatt am Baum und jeden Zentimeter, den der Sonnenschirm spendiert.
Und auch im Leben kann der Schatten manchmal angenehm sein. Denn im Schatten erkennt man nicht jedes Detail, die Konturen verschwimmen. Man kann manches offenlassen, sich manches schönreden oder hoffen, dass sich Dinge irgendwann von selbst klären. Das fühlt sich manchmal leichter an, als in die pralle Sonne zu treten und genau hinzuschauen. Nur hält dieser Schutz nicht ewig.
Irgendwann merkt man, dass man sich zwar im Schatten ausruhen kann, dort aber keine Klarheit findet. Was vielleicht dazu führt, dass Menschen unterschiedlich damit umgehen - vor allem wenn es um Gefühle geht. Manche sprechen offen über ihre Gefühle, sobald sie da sind. Andere tragen sie lange mit sich herum. Manche finden klare Worte, andere finden Erklärungen. Und wieder andere können etwas fühlen, ohne es benennen zu können.
Keine dieser Arten ist besser oder schlechter. Sie sind einfach nur verschieden. Schwierig wird es allerdings, wenn zwei Menschen aufeinandertreffen, die Gefühle unterschiedlich leben. Der eine sucht Klarheit, um zur Ruhe zu kommen. Der andere braucht vielleicht erst Ruhe, um überhaupt über Gefühle sprechen zu können. Der eine tritt in die Sonne, während der andere weiterhin im Schutz des Schattens bleibt. Beide handeln aus ihrer eigenen Wahrheit heraus – und trotzdem können sie sich dabei gegenseitig verfehlen. Denn der Schatten verhindert, dass sich beide wirklich begegnen.
Mir ist an diesem Wochenende noch etwas anderes bewusst geworden: ich kann alleine in der Sonne stehen und glücklich sein. Das ist für mich neu. Denn vor ein paar Jahren noch habe ich geglaubt, dass mein Glück davon abhängt, dass ich einen Partner an meiner Seite habe. Heute weiß ich, dass das nicht stimmt.
Ich habe mir in den letzten Jahren ein Leben aufgebaut, das ich von Herzen liebe. Mit meiner Familie, die immer für mich da ist. Mit Freunden, auf die ich mich verlassen kann. Mit Coco, meinem kleinen Garten, meinen Reisen, der Musik, meinem Beruf und diesen vielen kleinen Momenten, die so unscheinbar wirken und am Ende doch das große Ganze ausmachen. Ich habe gelernt, dass Glück nicht darauf wartet, dass irgendwann jemand kommt. Es ist längst da.
Deshalb habe ich heute auch keine Angst mehr vor einem Leben ohne Partnerschaft. Ich weiß inzwischen, dass ich auch so glücklich sein kann. Was mich dagegen belastet, ist Unklarheit. Nicht, weil ich immer die Antworten hören möchte, die mir gefallen. Sondern weil ich irgendwann verstanden habe, dass Klarheit und Glück für mich untrennbar zusammen gehören. Mit einer Wahrheit kann ich umgehen – selbst dann, wenn sie wehtut. Mit dauernder Ungewissheit dagegen nicht.
Und vielleicht besteht Mut manchmal genau darin, den Schatten zu verlassen. Nicht, weil die Sonne angenehmer wäre. Sondern weil sie zeigt, was wirklich da ist. Und vielleicht suche ich genau deshalb im Garten so gerne den Schatten – und im Leben so gerne nach Klarheit.
Und jetzt genieße ich den Zustand, ausnahmsweise mal nicht zu schwitzen und gönne zuerst mir meinen Morgenkaffee und dann meinen Pflanzen eine kleine Dusche.
Ich wünsche euch heute einen schattigen Platz, etwas Kühles zu trinken und den Mut, immer wieder ins Licht zu treten, wenn euer Herz Klarheit braucht. Passt gut auf euch auf 💚
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