"Manchmal entstehen die schönsten Erinnerungen genau dann, wenn nichts nach Plan läuft.“
Guten Morgen, liebe Leserinnen und liebe Leser 🩷 Eigentlich wollte ich euch heute von einer wunderschönen Sommer-Geburtstagsfeier im Garten erzählen. Das mache ich auch. Allerdings muss ich vorher kurz über jemanden sprechen, der offensichtlich beschlossen hatte, meinen Geburtstag mitzufeiern. Und zwar ungefragt. Sein Name: Petrus.
Seit sieben Jahren feiere ich meinen Geburtstag in meinem Garten. Gestern sollte es zum achten Mal so weit sein. Ehrlich gesagt hätte ich mir keinen anderen Ort vorstellen können. Denn wo, wenn nicht dort, wo ich in den letzten Jahren so viele glückliche Stunden erlebt habe?
Also habe ich Mittwoch und Donnerstag mehr oder weniger rund um die Uhr genau das gemacht, was man eben macht, wenn Besuch kommt. Hecken geschnitten... Rasen gemäht... Bei schweißtreibenden Temperaturen Unkraut gerupft... Dekoriert. Und – das ist wirklich wichtig – wirklich jede einzelne Ecke gekehrt. Jedes Blatt, jeden kleinen Zweig aufgehoben. Und ich glaube, mein Garten war selten ordentlicher als an diesem Donnerstagabend. Ich war entsprechend zufrieden. Wäre da nicht etwas gewesen, das mir Sorgen bereitet hat...
Die Wettervorhersage für Freitag. Ausgerechnet für diesen Tag hatte sie Regen, Gewitter, Sturm und den Weltuntergang im Angebot... Trotzdem war ich als "posimistisch" eingestellte Gärtnerin fest davon überzeugt, dass das schon irgendwie gut gehen würde. Ein kleines Sommergewitter eben, ein bisschen Regen. Dafür ist man schließlich vorbereitet und sooo schlimm wie angekündigt würde es schon nicht werden. Dachte ich...
Und als meine Eltern am Donnerstag dann vorsichtig vorschlugen, die Feier vielleicht auf Samstag zu verschieben, weil dort strahlender Sonnenschein angekündigt war, reagierte ich... nennen wir es... ausgesprochen konsequent. Ich hähatte schließlich am Freitag Geburtstag, nicht am Samstag. Außerdem wurde mir irgendwann einmal nachgesagt, ich könne gelegentlich ein kleines bisschen stur sein. Ich halte das bis heute für ein Gerücht.
Ein ganz kleines bisschen Sorge hatte ich allerdings doch. Denn ich hatte einige Gäste eingeladen und im Haus nicht sooo viel Platz. Also kaufte ich noch schnell noch einen Pavillon - drei mal drei Meter, regensicher. Dachte ich.
Danach schleppte ich gefühlt einen halben Supermarkt in den Garten. Ein großzügiges Buffet, Getränke, Käseplatte, aufgeschnittenes Fleisch und drei selbstgemachte Dips. Und räumte spontan den Vorraum meiner Gartenlaube um beziehungsweise aus, um dort das Buffet aufbauen zu können. Was mit Verlaub Dank sehr viel Zeug eine größere Aktion wurde...
Als abends endlich alles vorbereitet war, fiel ich ziemlich erledigt und voller Vorfreude ins Bett. Mein Rücken teilte mir freundlich mit, dass wir beide inzwischen offenbar in unterschiedlichen Altersklassen unterwegs sind. Aber damit müssen wir wohl beide leben.
Mit der Hoffnung, dass sich die Wetter-App vielleicht doch noch geirrt hatte, schlief ich ein...
Der Freitag begann dann sehr vielversprechend. Sonnenschein, blauer Himmel, Morgenkaffee auf der Lieblingsbank, Musik und gute Laune. Entsprechend motiviert begann ich vorsorglich mit den letzten Vorbereitungen, spannte den Sonnenschirm auf und baute meinen riesigen Pavillon auf. Ganz alleine. Und falls ihr das schon einmal gemacht habt, wisst ihr: Ein Pavillon ist kein Gegenstand. Er hat ein Eigenleben und möchte grundsätzlich etwas anderes als der Mensch, der ihn gerade aufbauen möchte.
Aber irgendwann stand er tatsächlich und ich war zufrieden. Der Tisch war gedeckt., die Getränke waren kalt, das Buffet vorbereitet, die Musik lief. Ich schaute zufrieden in meinen Garten und dachte: Na siehst du, Petrus. Du versaust mir meine Feier nicht... Tja.
Dann kamen meine Eltern und es gab herzliche Umarmungen, schöne Geschenke, ein erstes Getränk und immer wieder besorgte Blicke zum Himmel. Dann wurde der Himmel plötzlich schwarz. Nicht grau, nicht dunkel, sondern schwarz. So schwarz, dass man meinen konnte, es wäre mitten in der Nacht
„Ach“, sagte ich noch ganz entspannt. „Dafür habe ich doch den Pavillon gekauft.“ Ich möchte an dieser Stelle erwähnen, dass dieser Satz ausgesprochen ernst gemeint war. Doch dann begann Petrus mit seiner offensichtlichen Kriegserklärung.
Was danach passierte, hatte mit einem Sommergewitter ungefähr so viel zu tun wie ein Gartenschlauch mit den Niagarafällen. Innerhalb weniger Sekunden kamen Sturmböen auf, der Regen klatschte mehr oder weniger waagerecht vom Himmel und mein Papa und ich starteten sehr spontan eine Rettungsaktion. Mit großer Entschlossenheit hinterten wir den Pavillon am Fliegen hielten ihn jeweils an einer Seite fest. Ich zusätzlich noch einen Sonnenschirm, mein Papa gleichzeitig einen Regenschirm.
Der Wind hob den Pavillon immer wieder an, was Sturzbäche verursachte, die nur ein Ziel hatten: uns.. Der Regen kam von vorne, hinten, rechts, links und wahrscheinlich auch noch von unten. Mein neues Kleid klebte an mir wie eine zweite Haut. Meine Haare sahen aus, als hätte ich gerade freiwillig im Pool übernachtet. Mein Papa hätte seine Kleidung wahrscheinlich direkt auswringen können.
Und wir beide hielten mindestens zehn Minuten lang tapfer gegen alles an, was der Himmel gerade zu bieten hatte. Entschlossen, stoisch, klatschnass und frierend... Meine Mama versuchte von der Bank aus zu helfen, so gut das eben möglich war. Aber leider war uns nicht wirklich zu helfen.
Irgendwann blitzte und donnerte es dann so heftig, dass selbst ich einsehen musste, dass dieser Kampf heute vermutlich nicht mehr zu gewinnen war. Wir flüchteten ins Gartenhaus - drei Menschen oder eher dei nasse Pudel. Und draußen ging gefühlt die Welt unter.
Ich versuchte noch schnell, die Feier abzusagen. Zu spät. Die meisten Gäste waren längst unterwegs.Einige warteten im Auto. Dann marschierte mein Onkel völlig unbeeindruckt im Regencape durch den Regen und schleppte währenddessen noch eine schwere Kiste. Meine Tante kämpfte gleichzeitig gegen Sturm und einen Kuchen.
Und genau da musste ich plötzlich lachen. Nicht nur ein bisschen. So richtig. Weil die Situation einfach so unfassbar verrückt war. Weil niemand wieder nach Hause fuhr, weil alle trotzdem kamen. Weil plötzlich überhaupt niemanden mehr störte, dass wir statt im Garten dicht an dicht im Gartenhaus saßen. Gemütlicher als geplant und deutlich nasser als geplant. Aber immerhin gemeinsam und mit leckerem Kuchen.
Irgendwann hörte der Regen dann tatsächlich auf. Die Sonne kam heraus und wir atmeten auf. Zumindest für den Moment. Denn kurz später kam der nächste Wolkenbruch. Später dann noch einer. Petrus wollte offenbar ganz sicher gehen.
Aber wisst ihr was? Irgendwann war das völlig egal. Wir haben gegessen, gelacht, angestoßen. Das Buffet hat allen geschmeckt. Und ich durfte mich über wunderschöne Geschenke freuen. Zum Beispiel über eine Seifenblasenmaschine, die ich mir schon lange gewünscht hatte. Und deren Blasen den Regen spontan haben vergessen lassen.
Was mich gestern aber am meisten berührt hat, war etwas ganz anderes. Niemand hat gesagt: "Dann fahren wir eben wieder heim." Im Gegenteil - alle wollten einfach nur mit mir Geburtstag feiern. Manche warteten geduldig im Auto, bis der schlimmste Regen vorbei war. Andere trotzten Wind und Wetter. Und genau das war wahrscheinlich das schönste Geschenk des ganzen Tages.
Als sich die letzten Gäste langsam verabschiedeten, zeigte sich plötzlich die Sonne dann nochmal von ihrer allerschönsten Seite. Natürlich..
Heute sitze ich wieder hier mit meinem Morgenkaffee auf der Lieblingsbank. Leicht verkatert und vor mir stapelt sich das Geschirr. Der Pavillon steht tatsächlich noch. Und über mir? Ein strahlend blauer Himmel und Sonnenschein. So wie es die Wetterapp angekündigt hatte. Und ich werde einfach weiter feiern. Teil zwei meiner Geburtstagsparty. Denn aufgeben war noch nie so wirklich mein Ding.
Und wenn ich irgendwann einmal an diesen Geburtstag zurückdenke, werde ich vermutlich nicht als Erstes an den Regen denken. Sondern an meinen Papa, der mit mir den Pavillon festgehalten hat. An meine Mama, die mitgefiebert hat und mit der ich nach dem Sturm einen ihrer leckeren Muffins verspeist habe. An klatschnasse Kleidung, meinen Onkel der im Regencape sein Essen verspeiste und an einen völlig hysterischen Lachanfall.
An Menschen, die sich von keinem Unwetter der Welt haben davon abhalten lassen, mit mir zu feiern. Und wahrscheinlich werde ich dann lächeln und denken: Genau so musste dieser Geburtstag wohl werden. ❤️
Jetzt wünsche ich euch einen schönen sonnigen Samstag und werde mal anfangen, alles vorzubereiten. Vielleicht krame ich auch schnell die Sonnencreme hervor... ☀️
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