Warnsignale...

Veröffentlicht am 7. August 2026 um 07:38

„Die meisten Menschen hören erst dann zu, wenn aus kleinen Hinweisen Warnsignale geworden sind.“ – Unbekannt

Guten Morgen, liebe Leserinnen und liebe Leser ❤️ Bevor ich euch von meinem Donnerstag erzähle, möchte ich erst einmal Danke sagen. Mit so vielen Nachrichten zu meinem gestrigen Beitrag „Aus und vorbei“ hatte ich wirklich nicht gerechnet. Offenbar hat die Überschrift bei einigen von euch sofort das Kopfkino eingeschaltet. Manche dachten, ich würde von einer echten Trennung erzählen. Andere hatten schon Sorge, ich würde das Schreiben aufgeben.

Ich muss gestehen, dass ich beim Lesen eurer Nachrichten mehr als einmal schmunzeln musste. Aber keine Sorge. Ich bleibe euch erhalten. Nur mein Pool und ich bleiben getrennt.

Wobei... so ganz akzeptiert hat er unsere Trennung offenbar noch nicht. Als ich gestern Morgen in den Garten kam, war er noch ein gutes Stück grüner als am Tag zuvor. Ich würde sagen, wir haben inzwischen die Phase erreicht, in der man sich nach einer Trennung gegenseitig ein bisschen provoziert. Er wird jeden Tag grüner. Ich bleibe trotzdem bei meiner Entscheidung.

Während der Pool also demonstrativ vor sich hin algte, wartete im Gartenhaus schon die nächste Beziehung auf etwas mehr Aufmerksamkeit. Die zwischen mir und meiner Jura-Kaffeemaschine. Vor ein paar Monaten haben mir mein Cousin und seine Frau diese Maschine für mein Gartenhaus geschenkt. Seitdem beginnt mein Morgenkaffee tatsächlich mit einem Knopfdruck. Ein bisschen dekadent ist das schon. Aber ich gebe ehrlich zu: Ich mag das sehr und genieße diese nützliche Beziehung 😉

An meinem Geburtstag war meinem Cousin allerdings sofort aufgefallen, dass ich sie in letzter Zeit wohl etwas vernachlässigt hatte. Das Display der Maschine zeigte so ziemlich alle Warnsignale in leuchtend rot. Sie wollte entkalkt werden. Sie brauchte einen neuen Filter. Und gereinigt werden wollte sie auch (und meinte damit eher nicht das Entleeren und Reinigen des Behälters).

Eigentlich hatte sie ihre Bedürfnisse ziemlich eindeutig formuliert. Sogar rot leuchtend. Und ich habe das selbstverständlich gesehen. Und anschließend... erst einmal weiter Gartenarbeit gemacht.

Wer mich kennt, weiß, wie schnell das passiert. Da ist noch ein Unkraut, das gezupft werden möchte. Eine Tomate, die angebunden werden muss. Ein Strauch, der Wasser braucht. Und ehe man sich versieht, sind aus ein paar Tagen plötzlich ein paar Wochen geworden. Und die Warnsignale leuchten weiter stumm vor sich hin...

Mein Cousin kennt mich offensichtlich gut genug. Er hat deshalb gar nicht lange diskutiert, sondern kurzerhand vorgeschlagen, sich gemeinsam um den Maschinenservice zu kümmern. Gestern war unser Termin.

Während seine Frau und ich eher die moralische Unterstützung übernommen haben, bekam die Jura ihr Wellnessprogramm: neuer Filter, Entkalkung und eine gründliche Reinigung.

Und ich musste plötzlich an Beziehungen denken. Eigentlich senden Menschen ihre Warnsignale oft ganz ähnlich wie eine Kaffeemaschine. Sie sagen, wenn ihnen etwas fehlt. Mal deutlich, mal ganz vorsichtig. Sie wünschen sich Zeit, Ruhe, Aufmerksamkeit, Verbindlichkeit, ein offenes Ohr oder einfach das Gefühl, wichtig zu sein. Man kann diese Hinweise eine Zeit lang übersehen. Man kann sich einreden, dass schon nichts passieren wird, dass morgen auch noch reicht.

Aber wenn Warnsignale lange genug ignoriert werden, verschwinden sie irgendwann. Nicht, weil das Bedürfnis plötzlich weg ist, sondern weil irgendwann die Hoffnung schwindet, dass sie überhaupt noch jemand wahrnimmt.

Zum Glück konnte meine Kaffeemaschine gestern gerettet werden. Mein Pool leider nicht - obwohl er sehr viel Aufmerksamkeit bekommen hatte...

Und weil man das Nützliche mit dem Angenehmen verbinden sollte, haben mich mein Cousin und seine Frau nach dem erfolgreichen Maschinenservice noch zum Essen eingeladen. Wir waren in einem wunderschönen Restaurant ganz in meiner Nähe, haben hervorragend gegessen, viel erzählt und herzlich gelacht.

Nach einer ziemlich kurzen Nacht war ich den ganzen Tag über sehr müde gewesen. Eigentlich hatte ich gedacht, ich würde irgendwann am Tisch einschlafen. Aber manchmal reichen ein schöner Ort, gutes Essen und die richtigen Menschen am Tisch. Als ich nach Hause gegangen bin, war ich längst nicht mehr so müde wie noch ein paar Stunden zuvor. Und so ist es wohl, wenn man ein paar Stunden in netter Gesellschaft verbringt.  Manche Probleme verschwinden dadurch zwar nicht, aber sie rücken für eine Weile in den Hintergrund. Und manchmal ist genau das das schönste Geschenk.

Ich wünsche euch einen schönen Freitag. Achtet auf die kleinen Warnsignale – bei euren Lieblingsmenschen, bei eurer Kaffeemaschine... und wenn ihr einen Pool habt, kümmert euch lieber etwas früher darum als ich. Sonst führt ihr am Ende auch noch ein Trennungsgespräch. 😉

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