Guten Abend, liebe Leserinnen und liebe Leser ❤️ Nachdem ich die letzten beiden Morgen anderweitig beschäftigt war, kommt die heutige Geschichte ausnahmsweise mal zur ungewohnten Zeit. Und ich sitze auch nicht auf der Lieblingsbank, sondern liege auf meiner Liege. Manchmal muss man eben flexibel sein 😉 Fast so flexibel, wie ein Pool aus Gummi. Womit wir auch gleich beim Thema wären und bei einer Frage, die auf den ersten Blick vlelleicht etwas befremdlich wirkt...
Was kann einem ein Pool eigentlich über Beziehungen beibringen? Erstaunlich viel, wie ich inzwischen weiß. Denn mein Pool hat mir in den vergangenen Monaten überraschend viel darüber beigebracht, wie Beziehungen funktionieren können. Und darüber, warum sie manchmal eben nicht funktionieren.
Angefangen hat unsere Beziehung vor ziemlich genau einem Jahr. Damals hatte ich die großartige Idee, meinen Pool auf einer vermeintlich geraden Fläche aufzubauen. Ich hatte den Rasen ordentlich kurz gemäht und fand das als Vorbereitung vollkommen ausreichend... War es nicht. Denn was für mich ziemlich eben aussah, entpuppte sich mit zunehmender Wassermenge als absolute Buckelpiste.
Und wenn ihr einmal dabei zugesehen habt, wie ungefähr 2.000 Liter Wasser aufgrund einer ungünstigen Gewichtsverteilung anfangen, über einen Poolrand zu schwappen, während ihr gleichzeitig ziemlich verzweifelt versucht, genau das zu verhindern, lernt ihr relativ schnell:
Eine stabile Basis ist wichtig. Für Pools. Und vermutlich auch für Beziehungen. Also habe ich damals Zeit, Geld und ein bisschen körperliche Arbeit investiert, um eine vernünftige Grundlage zu schaffen. Und siehe da: Es funktionierte. Zumindest anfangs...Wir hatten nämlich anschließend eine wirklich schöne Zeit miteinander.
Natürlich gab es auch Krisen. Aber auch das ist ja vielleicht gar nicht das Problem. Denn mein Pool hat mich noch etwas gelehrt. Nicht jede Krise bedeutet automatisch das Ende. Man kann nach Lösungen suchen. Man kann Dinge verändern und reparieren. Man kann sich Mühe geben und manchmal auch noch eine Runde mehr investieren, obwohl andere vielleicht längst sagen würden: Lass es doch einfach.
Ich gehöre vermutlich eher zu den Menschen, die noch eine Runde mehr investieren. Manchmal vielleicht auch zwei... oder drei. Mein Pool kann das bestätigen. Ich habe gemessen, gereinigt, abgesaugt, rückgespült, Chlor hineingeschüttet, pH-Werte korrigiert, Wasser nachgefüllt und regelmäßig überprüft, wie es ihm eigentlich gerade geht.
Und auch das ist vielleicht gar keine schlechte Erkenntnis für menschliche Beziehungen. Man sollte nämlich hin und wieder überprüfen, wo man eigentlich steht. Beim Pool ist das relativ einfach. Teststreifen rein, Chlorwert anschauen, pH-Wert anschauen, Wasser anschauen. Fertig.
Für Beziehungen gibt es leider keine Teststreifen. Obwohl ich inzwischen glaube, dass sich damit ziemlich gutes Geld verdienen ließe. Einmal kurz reinhalten und anschließend erscheint:
Nähe: gut
Kommunikation: ausbaufähig
Bedürfnisse: bitte dringend nachjustieren.
Wäre manchmal praktisch und würde vermutlich die ein oder andere Paartherapie oder Trennung verhindern. Da das aber leider nicht funktioniert, bleibt uns Menschen nur die etwas kompliziertere Variante.
Miteinander reden. Sagen, was man braucht. Zuhören, was der andere braucht. Hin und wieder überprüfen, ob beide eigentlich noch dasselbe wollen und vor allem, ob das Gleichgewicht noch stimmt. Denn auch das hat mir mein Pool ziemlich eindrucksvoll gezeigt:
Wenn sich dauerhaft zu viel auf einer Seite sammelt, entsteht ein Ungleichgewicht. Und irgendwann schwappt etwas über. Oder es kippt.
Bei meinem Pool konnte man diesen Zustand zuletzt sehr deutlich erkennen. Er war grün...sehr grün. Und trotzdem habe ich in den vergangenen zwei Tagen tatsächlich noch mehrmals darüber nachgedacht, ob ich ihm nicht doch noch eine Chance geben sollte. Wasser komplett raus, alles gründlich reinigen, neu befüllen. Noch einmal von vorne anfangen.
Gerade bei den Temperaturen im Moment war dieser Gedanke durchaus verlockend. Aber gestern stand ich vor ihm, schaute in diese grüne Brühe und wusste irgendwann: Ich habe gerade keine Kraft mehr dafür.
Und wahrscheinlich ist auch das etwas, das zu Beziehungen gehört. Manchmal braucht es nicht noch mehr Anstrengung. Manchmal braucht es erst einmal Ruhe.
Also habe ich das Wasser abgelassen. Was sich als deutlich langwieriger herausstellte, als ich erwartet hatte. Über Stunden konnte ich dabei zusehen, wie mein Pool immer kleiner, flacher und irgendwie auch trauriger wurde. Irgendwann war dann nur noch der Rand übrig, ein Teil des Bodens und darin eine ziemlich widerliche grüne, schlammige Brühe.
Spätestens da war klar, dass ich mit Geduld allein nicht mehr weiterkomme. Also mussten radikalere Methoden her. Ich bin entschlossen in meine Küche gegangen und habe mir das längste und schärfste Küchenmesser geschnappt, das ich besitze.
Dann stand tatsächlich einen kurzen Moment davor... Mit meinem Messer in der Hand... Vor meinem Pool. Und es fühlte sich ein bisschen falsch an, musste aber sein. Also gab es nur noch eine Option: Augen zu und durch.
Ich habe gestochen und geschlitzt.. immer und immer wieder. Und so dafür gesorgt, dass auch der letzte Rest dieser grünen Brühe endlich ablaufen konnte. Irgendwann lag dann nur noch eine ziemlich zerstörte Plastikhülle, die einmal mein Pool war.
Und ich gebe zu, dass mich dieser Anblick mehr berührt hat, als ein kaputtes Stück Plastik einen Menschen vermutlich berühren sollte. Denn natürlich habe ich nicht nur diesen kaputten Pool gesehen. Ich habe gesehen, was dort vorher war... Sommertage... Abende mit den Füßen im Wasser... Lachen...Besuch... Abkühlung nach heißen Gartentagen. Und ganz viele kleine Momente, an die ich mich gerne erinnere.
Jetzt ist diese Stelle leer. Und sie sieht gerade noch viel leerer aus, als sie wirklich ist. Vielleicht macht mich genau das ein bisschen traurig. Nicht nur, weil dort jetzt nichts mehr ist, sondern vor allem, weil dort etwas war. Etwas Schönes.
Und vielleicht ist das auch eine Sache, die wir manchmal vergessen, wenn etwas schwierig wird oder sogar endet. Dass ein Ende das Davor nicht ungeschehen macht. Etwas kann vorbei sein und trotzdem schön gewesen sein. Etwas kann schwierig werden und trotzdem einmal sehr wertvoll gewesen sein.
Und manchmal kann etwas vielleicht sogar eine Pause brauchen, bevor man überhaupt weiß, ob es wirklich vorbei ist.
Bei meinem Pool ist die Sache relativ eindeutig. Nach meiner gestrigen Messerattacke sind seine Möglichkeiten für einen Neuanfang quasi nicht mehr vorhanden.
Bei Menschen ist das zum Glück anders. Menschen können miteinander reden. Sie können nachdenken. Sie können verstehen. Sie können Fehler erkennen, Bedürfnisse neu kennenlernen und manchmal auch Dinge verändern, von denen sie vorher vielleicht selbst nicht wussten, dass sie verändert werden müssen.
Und deshalb glaube ich trotz meiner gescheiterten Poolbeziehung weiterhin an zweite Chancen. Vielleicht sogar an dritte. Nicht um jeden Preis. Und auch nicht, wenn immer nur einer versucht, etwas zu retten.
Aber dann, wenn zwei Menschen feststellen, dass ihnen das, was einmal zwischen ihnen war, wichtig genug ist, um noch einmal hinzuschauen. Vielleicht sogar anders als vorher. Denn ein Neuanfang muss ja nicht bedeuten, dass man einfach alles genauso macht wie beim ersten Mal. Vielleicht bedeutet er manchmal gerade, dass man endlich verstanden hat, warum es beim ersten Mal irgendwann schwierig geworden ist.
Mein Pool hat mehrere Chancen bekommen und irgendwann hatte ich einfach keine Kraft mehr, wieder von vorne anzufangen, obwohl ich ziemlich sicher war, dass ich nach einiger Zeit erneut mit Chlor, Kescher und verzweifeltem Gesichtsausdruck danebenstehen würde.
Bei Menschen möchte ich mir diese Gewissheit nicht so schnell erlauben. Denn dafür sind Menschen zu kompliziert und Beziehungen vermutlich auch. Vielleicht gibt es Beziehungen, die tatsächlich irgendwann vorbei sind. Vielleicht gibt es aber auch welche, die zwischendurch einfach ziemlich grün werden. Und bei denen sich irgendwann zwei Menschen ansehen und sagen: Komm, wir lassen das alte Wasser raus und dann schauen wir mal...
Mein Wochenende bestand zum Glück aber nicht ausschließlich aus der dramatischen Beendigung einer Poolbeziehung.
Am Donnerstag war ich mit meinem Cousin und seiner Frau essen. Und weil das so schön war, haben wir das am Freitag einfach gleich noch einmal gemacht. Dieses Mal gab es Pizza und für mich nur einen Gang 😉
Den Samstag habe ich dann unter anderem mit der endgültigen Beseitigung meines Pools verbracht und den Abend anschließend gemütlich und vielleicht auch ein kleines bisschen zu lange ausklingen lassen. Die Details erspare ich euch an dieser Stelle. 😉
Heute war Sonntag und damit wie immer Familientag. Den ich wie immer genossen habe. Und jetzt sitze ich hier und kann die Stelle sehen, an der mein Pool gestanden hat. Sie ist leer. Noch. Und vielleicht ist das eigentlich gar kein trauriges Bild. Denn wo etwas leer geworden ist, ist schließlich auch wieder Platz.
Was dort irgendwann sein wird, weiß ich noch nicht. Aber vielleicht muss man das auch gar nicht immer sofort wissen. Manchmal reicht es vielleicht, erst einmal darauf zu vertrauen, dass aus einer leeren Stelle irgendwann wieder etwas Schönes werden kann. Und manchmal vielleicht sogar aus etwas, von dem man eine Zeit lang dachte, es sei längst gekippt.
Ich wünsche euch einen schönen Sonntagabend und einen guten Start in die neue Woche ❤️
Kommentar hinzufügen
Kommentare