Von alten Gesichtern und jungen Nächten ❤️

Veröffentlicht am 1. September 2026 um 08:08

„Leben ist das, was passiert, während du eifrig dabei bist, andere Pläne zu machen.“ - John Lennon

Guten Morgen liebe Leserinnen und liebe Leser ❤️ Da bin ich wieder. Nach über einer Woche Schreibpause sitze ich endlich wieder mit meinem Morgenkaffee auf der Lieblingsbank. Und wie das meistens so ist, wenn man sich eine Weile nicht gesprochen beziehungsweise in unserem Fall gelesen hat, habe ich ziemlich viel zu erzählen.

Während ich noch überlege, wo ich eigentlich anfangen soll, stelle ich aber erstmal offiziell fest, dass wir heute den ersten  September haben und frage mich gleichzeitig, wie das eigentlich passieren konnte.

Gestern war noch August. Wobei das natürlich keine besonders überraschende Erkenntnis ist, schließlich folgt auf den 31. August traditionell der 1. September. Aber trotzdem fühlt es sich in diesem Jahr irgendwie komisch an. Ich habe nämlich das Gefühl, dass ich mit dem Sommer gerade erst angefangen habe und nun soll er sich schon langsam verabschieden. Und nein, ich bin damit noch nicht einverstanden.

Andererseits muss ich zugeben, dass zumindest der August sich zum Schluss noch einmal ordentlich Mühe gegeben und ziemlich viele Erlebnisse in erstaunlich wenige Tage gepackt hat. Vielleicht ist genau das auch der Grund, warum ich hier über eine Woche nichts geschrieben habe. Ich hatte schlichtweg keine Zeit dazu, weil ich damit beschäftigt war, das zu erleben, worüber ich euch heute erzählen kann.

Angefangen hat die vergangene Woche (ebenfalls nicht sehr überraschend) am Montag mit dem Geburtstag meiner Mama. Den wir zumindest kurz gemeinsam gefeiert haben, bevor ich mich auf den Weg nach Düsseldorf gemacht habe. Dort standen zwei Tage Workshop beziehungsweise Fortbildung mit meiner Abteilung auf dem Programm - natürlich inklusive Abendprogramm. Denn bekanntlich reichen acht Stunden gemeinsamer Tag nicht aus, wenn man sich beruflich fortbildet.

Am ersten Abend gab es ein gemeinsames Teamessen und am zweiten Abend habe ich mich mit meiner Freundin getroffen, die in Düsseldorf lebt. Gemeinsam waren wir im RheinRiff, einer ziemlich coolen Location mit jeder Menge Sitzgelegenheiten, Bars, Strandfeeling, DJ und tatsächlich sogar einer Welle, auf der man surfen kann.

Ich habe das nicht getan. Was hauptsächlich daran liegt, dass ich nicht surfen kann und es möglicherweise nicht der beste Zeitpunkt gewesen wäre, vor den Augen zahlreicher Menschen herauszufinden, ob ich vielleicht doch ein bislang unentdecktes Naturtalent bin. Also habe ich mich auf die Dinge konzentriert, die ich deutlich besser beherrsche: sitzen, trinken, reden und einen schönen Abend haben.

Trotzdem war ich erstaunlich brav und halbwegs früh im Bett, sodass ich am Donnerstagvormittag meine letzten Termine noch einigermaßen ausgeschlafen erledigen und anschließend ganz entspannt nach Hause fahren konnte.

Natürlich führte mich dort eine meiner ersten Runden in den Garten und ich war tatsächlich ziemlich erleichtert, dass während meiner Abwesenheit alles überlebt hatte. Nichts war kaputt, nichts war vertrocknet und offenbar kommt mein Garten gelegentlich sogar mehrere Tage ganz gut ohne mich zurecht. Eine Erkenntnis, die ich jetzt allerdings nicht unnötig vertiefen möchte.

Am Freitag stand dann der nächste Geburtstag auf dem Programm. Denn nach meiner Mama am Montag hatte nun auch mein Bruderherz Geburtstag. Es war ein sehr schöner und gemütlicher Geburtstag mit der Familie. Allerdings merkte ich spätestens dort, dass die vergangenen Tage nicht ganz spurlos an mir vorbeigegangen waren. Ich war nämlich ziemlich müde und beschloss deshalb, für meine Verhältnisse ausgesprochen  zeitig nach Hause zu fahren.

Ich wollte nur noch kurz im Garten nach dem Rechten schauen...

An dieser Stelle könnten diejenigen unter euch, die mich schon etwas länger kennen, bereits ahnen, dass dieser Satz nicht zwangsläufig bedeutet, dass ich kurze Zeit später tatsächlich zu Hause im Bett lag. Denn kaum war ich im Garten angekommen, rief mein Nachbar mir zu, ich solle doch noch mal kurz rüberkommen... Nun ja....

Aus „noch mal kurz rüberkommen“ wurde ein ausgesprochen gemütlicher Abend am Lagerfeuer mit einer netten Runde, Gitarrenmusik, Gesang, viel Lachen (was überwiegend einem heißen Besentanz zu verdanken war) und schönen Gesprächen. Und aus meinem ursprünglichen Plan, früh schlafen zu gehen, wurde irgendwann die Erkenntnis, dass sich Uhren an Lagerfeuern offensichtlich deutlich schneller drehen als überall sonst. Und am Ende wurde es dann früh...

Spätestens an dieser Stelle fiel mir im Nachhinein übrigens das Zitat von John Lennon wieder ein. Das mit dem Leben, das passiert, während man gerade andere Pläne macht. Ich bin ziemlich sicher, er meinte damit genau solche Abende.

Und ihr kennt das mittlerweile ja schon von mir. Normalerweise ist das auch überhaupt kein Problem. Schlaf wird ohnehin vollkommen überbewertet. In diesem Fall war die Sache allerdings etwas ungünstig, denn am Samstag stand das nächste Highlight auf dem Programm, für das ich eigentlich hätte fit sein wollen. 

Der Club, in dem ich einen nicht unerheblichen Teil meiner Jugend verbracht habe, feierte sein 60-jähriges Jubiläum. Eine Jugenddisco im Nachbarort, die damals am Wochenende für uns ziemlich genau das war, was heute vermutlich irgendein angesagter Club für die Jugend ist – nur ohne Smartphones, Instagram und die Möglichkeit, sämtliche Peinlichkeiten noch Jahrzehnte später irgendwo im Internet wiederzufinden. Was rückblickend vermutlich ein großes Glück ist.

Zum Jubiläum gab es ein großes Fest mit Livemusik von den Barmherzigen Plateausohlen und unglaublich vielen alten Gesichtern. Wobei ich „alte Gesichter“ an dieser Stelle zunächst ausschließlich im Sinne von „lange nicht gesehen“ verstanden wissen möchte. Im Laufe des Abends stellte sich allerdings heraus, dass man diese Formulierung durchaus auch anders interpretieren konnte.

Einer der meistgesagten Sätze dieses Abends war nämlich sinngemäß: „Boah, ist der alt geworden.“ Oder alternativ: „Meine Güte, die hätte ich ja überhaupt nicht erkannt.“ Und das Erstaunliche daran ist, dass man selbst offenbar der einzige Mensch ist, auf den diese Entwicklung überhaupt nicht zutrifft.

Zumindest so lange, bis einem der unangenehme Gedanke kommt, dass die Menschen, die man gerade aus sicherer Entfernung betrachtet und deren Alterungsprozess man fachkundig analysiert, möglicherweise im selben Moment zu jemand anderem sagen: „Guck mal, da ist die Kerstin. Meine Güte, ist die alt geworden.“ Ich möchte diesen Gedanken an dieser Stelle nicht weiterverfolgen.

Stattdessen konzentriere ich mich lieber darauf, dass dieser Abend tatsächlich ein bisschen wie eine Zeitreise war. Überall Menschen, mit denen man irgendwann einmal einen Teil seines Lebens verbracht hat, Erinnerungen an Abende, die Jahrzehnte zurückliegen, Musik, alte Geschichten und dieses ganz besondere Gefühl, für ein paar Stunden gleichzeitig die Person zu sein, die man heute ist, und diejenige, die man damals war.

Mit dabei waren außerdem meine Schwester,  mit der ich den Club regelmäßig gemeinsam besucht hatte, mein Bruder und deren "Anhang". Wobei mein größtes Patenkind mittlerweile selbst Mitglied im Club ist und uns fleißig bediente ❤️ Und  natürlich alte Freunde, sodass es einfach ein richtig schöner Abend wurde.

Und offensichtlich bin ich auch noch längst nicht so alt, wie ich nach dem Anblick einiger anderer Menschen zunächst vermutet hatte. Denn trotz des erheblichen Schlafdefizits vom Vorabend habe ich mich ziemlich wacker geschlagen. Auch an diesem Abend wurde es weit nach Mitternacht, bis ich schließlich mein Bettchen bezogen habe. Beziehungsweise das meines Neffen, das er mir freundlicherweise zur Verfügung gestellt hatte.

Der Sonntag stand dann - wie sich das gehört- ganz im Zeichen der Familie. Anlässlich des Geburtstags meiner Mama waren wir in etwas größerer Runde lecker essen, anschließend noch spazieren und danach war für mich hauptsächlich Garten, Ausruhen und möglichst wenig Aufregendes angesagt. Davon hatte ich schließlich genug gehabt.

Und so war auch der Montag ausgesprochen unspektakulär. Homeoffice, einige Termine, Garten und die leise Erkenntnis, dass ich immer noch ein bisschen müde bin. Gleichzeitig aber auch sehr zufrieden und ehrlich gesagt ziemlich froh darüber, dass in den nächsten Tagen nicht mehr ganz so viel auf meinem Programm steht.

Auch im Garten habe ich in der vergangenen Woche nicht besonders viel geschafft. Zweimal habe ich mittlerweile Tomaten geerntet, ein paar Blumen abgeschnitten, die inzwischen leider verblüht waren, und ansonsten hauptsächlich festgestellt, dass die Natur überhaupt keine Rücksicht darauf nimmt, ob ich gerade Zeit habe oder nicht.

Während ich unterwegs war, gearbeitet, Geburtstage gefeiert, am Lagerfeuer gesessen, gelacht, alte Freunde getroffen und alte Menschen betrachtet habe, die früher selbstverständlich alle genauso jung waren wie ich – und es selbstverständlich noch immer sind – hat mein Garten einfach weitergemacht.

Die Tomaten sind rot geworden, ein paar Blumen sind verblüht und der Sommer ist ein kleines Stück weitergezogen. Und nun ist er also tatsächlich vorbei, dieser August, von dem ich irgendwie das Gefühl habe, dass er gerade erst angefangen hat. Wenn ich allerdings allein auf die vergangenen sieben Tage zurückblicke, muss ich zugeben, dass ich ihm wirklich nicht vorwerfen kann, er hätte mir nichts geboten.

Vielleicht ist das überhaupt das Merkwürdige an schönen Zeiten. Während man mittendrin steckt, merkt man gar nicht, wie schnell sie vorbeiziehen. Erst hinterher schaut man auf die vielen kleinen und großen Momente zurück und stellt fest, dass da ziemlich viel Leben hineingepasst hat.

Vielleicht hatte John Lennon also recht. Das Leben passiert tatsächlich, während wir damit beschäftigt sind, andere Pläne zu machen. Manchmal passiert es auf einer Dienstreise, manchmal bei einem Geburtstag, manchmal an einem Ort, an dem man vor mehr als dreißig Jahren seine Wochenenden verbracht hat, und manchmal passiert es einfach deshalb, weil man auf dem Heimweg noch „ganz kurz“ im Garten nach dem Rechten schauen wollte.

Heute ist September. Und auch wenn ich mit dem August eigentlich noch gar nicht fertig war, muss ich sagen: Er hat sich zum Schluss noch einmal ziemlich viel Mühe gegeben. ❤️

Ich wünsche euch einen schönen Tag 🫶

Kommentar hinzufügen

Kommentare

Es gibt noch keine Kommentare.