Guten Morgen liebe Leserinnen und liebe Leser 🌸 Hier sitze ich wieder auf der Lieblingsbank... Und wenn ich mich hier so umschaue, könnte ich glatt vergessen, dass wir inzwischen September haben. Die Sonne kommt langsam um die Ecke, die Vögelchen zwitschern und mit Weste ist es angenehm warm. Und auch gestern hatte ich nicht den Eindruck, dass der Herbst bereits mit gepackten Koffern vor meinem Gartentor steht.
Nachdem ich mich am Montag noch gefragt hatte, wo eigentlich dieser August geblieben ist und warum der Sommer gefühlt immer genau dann Fahrt aufnimmt, wenn die ersten Menschen anfangen, Kürbisse vor ihre Haustüren zu stellen, hat sich der September gestern von seiner allerbesten Seite gezeigt.
Mein Tag selbst war dabei gar nicht besonders spektakulär. Ich habe im Homeoffice gearbeitet und währenddessen natürlich immer wieder sehnsüchtig nach draußen geschaut. Denn wie wir alle wissen, scheint die Sonne grundsätzlich ein kleines bisschen schöner, wenn man gerade arbeiten muss.
Irgendwann war aber auch dieser Arbeitstag geschafft und weil man bei diesem Wetter unmöglich einfach nach Hause gehen kann, habe ich anschließend das getan, was vermutlich jeder vernünftige Mensch Anfang September macht: Ich habe erst einmal ein paar Blümchen gekauft.
Gut, möglicherweise ist das auch einfach das, was ich zu beinahe jeder Jahreszeit mache, aber darüber müssen wir an dieser Stelle nicht weiter reden.
Mit den neuen Bewohnerinnen im Gepäck ging es zurück in den Garten und dort habe ich mich tatsächlich noch ein bisschen nützlich gemacht. Ich habe den Weg entlang meines Gartens vom Unkraut befreit, ein paar Pflanzen einen dringend notwendigen Haarschnitt verpasst und hier und da ein bisschen aufgeräumt. Nichts Spektakuläres also, sondern einfach diese kleinen Arbeiten, bei denen man hinterher durch den Garten läuft, zufrieden guckt und sich einbildet, dass jetzt alles ganz anders aussieht. Tut es vermutlich nicht. Aber ich sehe den Unterschied und das reicht schließlich. 😁
Vor allem aber habe ich das wunderschöne Wetter genossen. Denn bei aller Liebe zum Garten und zu den Dingen, die dort immer noch erledigt werden könnten – und glaubt mir, diese Liste besitzt offenbar die Fähigkeit zur selbstständigen Fortpflanzung – muss man manchmal auch einfach aufhören, sich hinsetzen, schauen und sich darüber freuen, dass die Sonne warm ist, die Blumen blühen und dieser erste Septembertag sich überhaupt nicht nach Abschied angefühlt hat.
Und während ich mich gestern so durch meinen Garten gewerkelt habe, wusste ich noch gar nicht, dass der 1. September Welttag des Briefeschreibens ist. Das habe ich erst später entdeckt und fand es irgendwie schade. Denn wann bekommt man schon einmal ganz offiziell einen Grund geliefert, einen Brief zu schreiben? Andererseits ist es dafür ja aber nie zu spät.
Und weil ich im Moment eigentlich niemandem einen Brief schreiben muss, gibt es jemanden, der gestern ganz neu bei uns eingezogen ist und dem ich durchaus ein paar Dinge zu sagen hätte. Also, liebe Leserinnen und Leser, entschuldigt mich für einen kleinen Moment. Ich muss da kurz etwas klären.
Lieber September,
wir kennen uns ja nun schon eine ganze Weile und ich möchte gleich zu Beginn etwas klarstellen: Nur weil du jetzt da bist, musst du hier nicht sofort auf Herbst machen.
Der August und ich hatten ohnehin das kleine Problem, dass wir uns gerade erst so richtig aneinander gewöhnt hatten, als er vorgestern schon wieder seine Sachen gepackt hat. Gefühlt hatte der Sommer schließlich gerade erst angefangen und deshalb wäre es ausgesprochen nett von dir, wenn du dich mit Nebel, kalten Füßen, Dauerregen und fallenden Blättern noch ein bisschen zurückhalten könntest.
Dein erster Tag war jedenfalls schon mal ziemlich überzeugend. Sonne, Wärme, Blümchen und ein langer Nachmittag im Garten – so darfst du von mir aus gerne weitermachen.
Vielleicht mag ich dich genau deshalb eigentlich ganz gerne. Du bist so ein Monat dazwischen. Noch nicht richtig Herbst und gleichzeitig nicht mehr ganz Sommer. Morgens erinnerst du einen manchmal schon daran, dass die warme Jahreszeit nicht ewig dauert, und ein paar Stunden später sitzt man wieder in der Sonne und fragt sich, wo eigentlich die Sonnencreme geblieben ist.
Und vielleicht ist genau dieses Dazwischen gar nicht so schlecht. Man muss schließlich nicht immer sofort wissen, was als Nächstes kommt. Manchmal darf etwas auch einfach noch ein bisschen bleiben, obwohl man längst weiß, dass es irgendwann gehen wird.
Also, lieber September, wir machen das folgendermaßen: Du lässt die Sonne noch ein bisschen scheinen, ich gieße dafür weiterhin meine Blumen. Du schenkst mir noch ein paar warme Abende auf meiner Lieblingsbank und ich verspreche, nicht bei jedem gelben Blatt hysterisch „Herbst!“ zu rufen.
Und wenn zwischendurch tatsächlich einmal Regen nötig ist, können wir darüber reden. Schließlich wissen meine treuen Leserinnen und Leser inzwischen, dass ich dafür im Zweifelsfall einfach nur ankündigen muss, den Rasen mähen zu wollen. Ich glaube, damit könnten wir beide ganz gut leben.
Und falls gestern also dein Bewerbungsschreiben für die kommenden vier Wochen war, lieber September: Du bist eingestellt.
So damit wäre das geklärt. Ob sich der September an unsere Vereinbarung hält, werden wir sehen. Erfahrungsgemäß haben Monate schließlich ihren eigenen Kopf und interessieren sich ausgesprochen wenig dafür, was ich mit ihnen vereinbare. Für heute Morgen sieht es allerdings gar nicht schlecht aus.
Und deshalb werde ich jetzt meinen Kaffee austrinken, noch ein bisschen auf meiner Lieblingsbank sitzen und diesen wunderbaren Zustand genießen, in dem der Kalender behauptet, es sei September, während mein Garten offensichtlich beschlossen hat, davon vorerst nichts wissen zu wollen.
Ich finde, damit können wir es alle noch eine Weile aushalten. ☀️🌸
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