Beschäftigungstherapie...

Veröffentlicht am 3. September 2026 um 07:11

„Geduld ist nicht die Fähigkeit zu warten, sondern die Fähigkeit, beim Warten gut gelaunt zu bleiben.“ – Joyce Meyer

Guten Morgen liebe Leserinnen und liebe Leser 🩷 Auch gestern war wieder ein wunderschöner, warmer und sonniger Tag. Und so langsam versöhnt mich der September ein bisschen damit, dass der Sommer sich unaufhaltsam seinem Ende nähert.

Damit ich das Wetter bestmöglich ausnutzen konnte, habe ich relativ früh Feierabend gemacht. Anschließend zog es mich natürlich nach draußen. Da hatte ich nämlich einiges zu tun...

Und auch wenn ich darauf überhaupt keine Lust hatte, wollte ich mir die Ecke hinter meinem Gartenhaus vornehmen. Die hatte ich (wie eigentlich immer) in letzter Zeit ein wenig vernachlässigt. Das wiederum hatten einige Pflanzen offensichtlich als offizielle Genehmigung verstanden, sich dort ungehindert auszubreiten. Allen voran natürlich das Efeu. Und dann gibt es dort noch dieses andere Gewächs...

Ich habe keine Ahnung, wie es heißt, und inzwischen möchte ich es eigentlich auch gar nicht mehr wissen. Ich weiß nur, dass es rankt, wächst, alles umschlingt, was sich ihm in den Weg stellt. Und dass es innerhalb kürzester Zeit Strecken zurücklegt, für die andere Pflanzen vermutlich ein halbes Leben brauchen. Es ist mir ausgesprochen unsympathisch.

Also zog ich gestern in den Kampf - selbstverständlich nicht unvorbereitet. Ausgestattet mit langen, dicken Handschuhen und einem Kopfschutz machte ich mich an die Arbeit. Denn wer mich kennt, weiß natürlich, dass meine größte Gefahr bei solchen Gartenarbeiten keineswegs Dornen, Brennnesseln oder herunterfallende Äste sind. Meine Gefahr hat acht Beine.

Und wenn ich mich in Bereiche meines Gartens begebe, in denen ich längere Zeit nicht war und in denen sich über meinem Kopf Hecken, Äste und Ranken befinden, gehe ich grundsätzlich davon aus, dass dort mindestens eine Spinne sitzt, die seit Wochen nichts anderes tut, als auf mich zu warten. Man kann schließlich nie vorsichtig genug sein.

So kämpfte ich mich also durch das Gestrüpp, zog, schnitt und zerrte, befreite Pflanzen von Pflanzen und stellte dabei einmal mehr fest, dass manches ausgesprochen hartnäckig sein kann, wenn es sich erst einmal irgendwo festgesetzt hat.

Irgendwann hatte ich aber gewonnen. Zumindest erkläre ich mich hiermit offiziell zur Siegerin, bis ich vermutlich in drei Tagen hinter mein Gartenhaus schaue und feststelle, dass dieses Zeug längst einen Gegenangriff gestartet hat...

Danach waren meine Rosen am Rosenbogen an der Reihe. Und wie ich heute Morgen festgestellt habe, war mein Timing dafür geradezu perfekt, denn heute ist tatsächlich der Tag des Wolkenkratzers. Offenbar wussten meine Rosen das schon gestern. Anders lässt sich jedenfalls kaum erklären, warum sie inzwischen derart ambitioniert in Richtung Himmel wachsen. Mein Rosenbogen scheint ihnen für ihre persönlichen Ziele längst nicht mehr auszureichen und ich vermute, dass sie entweder an einem eigenen Wolkenkratzer arbeiten oder direkt die Weltherrschaft anstreben.

Also habe ich auch dort ein wenig eingegriffen und die größten Ambitionen zurückgeschnitten. Manchmal muss man eben Grenzen setzen. Auch Rosen. Irgendwann war dann aber genug gearbeitet. Ich kehrte noch alles zusammen, räumte ein bisschen auf und setzte mich anschließend in die Sonne. Später wechselte ich auf die Liege, machte Musik an und genoss diesen wunderschönen zweiten September.

Und natürlich dachte ich auch nach. Denn sobald meine Hände nichts mehr zu tun haben, nutzt mein Kopf seine Chance ja grundsätzlich schamlos aus. Und so habe ich gestern, aus gegebenem Anlass, mal wieder ein bisschen über das Warten nachgedacht. Warten ist nämlich eigentlich eine ziemlich merkwürdige Beschäftigung. Man tut nichts und ist trotzdem beschäftigt.

Vielleicht mag ich es deshalb nicht besonders. Ich gehöre eher zu den Menschen, die gerne etwas tun, wenn ihnen etwas nicht gefällt. Im Garten ist das wunderbar einfach. Was zu viel wird, schneidet man zurück. Was irgendwo wächst, wo es nicht hingehört, zieht man raus. Was auf dem Boden herumliegt, kehrt man zusammen, und wenn die Rosen größenwahnsinnig werden, nimmt man ihnen vorübergehend die Weltherrschaft aus der Hand. Am Ende sieht man, was man getan hat. Das gefällt mir.

Das Leben funktioniert bedauerlicherweise nicht immer nach diesem Prinzip. Es gibt Dinge, bei denen nützt weder Ziehen noch Zerren, weder Gartenschere noch Arbeitshandschuh und vermutlich nicht einmal mein ausgesprochen beeindruckender Kopfschutz. Man kann sie nicht beschleunigen, nicht zurechtschneiden und manchmal nicht einmal erkennen, ob überhaupt etwas passiert. Und genau das auszuhalten, finde ich schwierig.

Vielleicht verwechseln wir Warten deshalb manchmal mit Stillstand. Dabei ist es möglicherweise gar keiner. Nur weil wir gerade nicht sehen können, dass sich etwas bewegt, heißt das schließlich nicht zwangsläufig, dass nichts in Bewegung ist. Und selbst wenn es so wäre, dreht sich der Rest der Welt ja trotzdem weiter. Das wurde mir gestern auf meiner Liege ziemlich bewusst.

Die Sonne schien, Axl und Campino sangen für mich, die Vögel waren unterwegs, meine Rosen waren zumindest vorübergehend entmachtet und hinter meinem Haus lag ein beeindruckender Haufen Grünzeug als sichtbarer Beweis dafür, dass ich an diesem Nachmittag durchaus etwas zustande gebracht hatte.

Mein Leben hatte also keineswegs angehalten. Nur mein Kopf hatte offenbar zwischendurch vergessen, ihm Bescheid zu sagen. Vielleicht ist das die eigentliche Kunst beim Warten: nicht herauszufinden, wie man es schneller hinter sich bringt, sondern ihm nicht mehr Raum zu geben, als es verdient. Denn manche Dinge brauchen ihre Zeit. Manche erledigen sich vielleicht sogar von selbst. Und bei manchen stellt man irgendwann fest, dass man längst weitergegangen ist, während man noch dachte, man würde warten.

Keine Ahnung, welche Variante mir am besten gefällt. Vermutlich die mit der Gartenschere. Aber die steht leider nicht immer zur Auswahl. Also übe ich mich weiter in Geduld und erinnere mich an das Zitat vom Anfang: Im Warten selbst bin ich inzwischen durchaus geübt. An dem Teil mit dem gut gelaunt bleiben arbeite ich noch.

Wobei ich gestern, alles in allem, gar nicht so schlecht darin war. Schließlich lag ich am Ende in der Sonne, hörte Musik und hatte einen entspannten Tag. Vielleicht war meine Beschäftigungstherapie also erfolgreicher, als gedacht. Und während ich jetzt darüber nachdenke, finde ich, dass das vielleicht gar keine schlechte Erkenntnis für diesen Donnerstag ist.

Wir können nicht alles beeinflussen, nicht alles beschleunigen und schon gar nicht alles kontrollieren. Was wir allerdings beeinflussen können, ist, wie viel Platz wir den Dingen geben, auf die wir gerade keinen Einfluss haben. Und vielleicht sollten wir uns viel öfter daran erinnern, dass unser Leben währenddessen einfach weitergeht.

Meine Rosen dürfen am heutigen Tag des Wolkenkratzers jedenfalls meinetwegen wieder ein kleines Stückchen Richtung Himmel wachsen. Nur mit der Weltherrschaft wird es nichts. Da habe ich schließlich auch noch ein Wörtchen mitzureden...

Und ich ... werde jetzt einen Spaziergang machen. Das habe ich viel zu lange nicht mehr getan. Habt einen wunderschönen Donnerstag, genießt die Sonne wenn ihr könnt, und vielleicht braucht der eine oder die andere von euch heute ja ebenfalls ein bisschen Beschäftigungstherapie. Ich kann Gartenarbeit empfehlen. Sie löst zwar nicht jedes Problem, aber hinterher sieht es wenigstens ordentlicher aus.

Liebe Grüße ❤️

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