Von der Freiheit ❤️💚🩷💛

Veröffentlicht am 7. September 2026 um 07:55

„Freiheit bedeutet, dass man nicht unbedingt alles so machen muss wie andere Menschen.“ Astrid Lindgren

Guten Morgen liebe Leserinnen und liebe Leser 🫶 Gestern war ein guter Tag. Und vielleicht ist das einer der Gründe, warum mich etwas, das gestern ebenfalls passiert ist, so nachdenklich und traurig gemacht hat.

Ich war spazieren, dann meinen Eltern, habe Zeit im Garten verbracht, telefoniert, Nachrichten geschrieben, gelacht und irgendwann am Abend festgestellt, dass mir noch ungefähr 3000 Schritte zu meinem Tagesziel fehlten. Also habe ich mich von meiner Liege erhoben – zugegeben mit überschaubarer Begeisterung – und bin losgelaufen.

Der Sonnenuntergang, auf den ich ein bisschen gehofft hatte, war wieder einmal nicht ganz so kooperativ wie geplant. Trotzdem war der Himmel wunderschön. Das Licht lag über den Feldern, irgendwo zwitscherten noch ein paar Vögel, und während ich dort entlanglief, dachte ich, dass Glück manchmal erstaunlich unspektakulär aussieht.

Ein Feld. Ein bisschen Abendsonne. Gesunde Beine, die einen tragen. Menschen, die man liebt und denen man schreiben kann. Die Freiheit, einfach loszugehen...

Freiheit.

Vielleicht denken wir so selten über sie nach, weil sie sich im Alltag gar nicht besonders spektakulär anfühlt. Sie ist einfach da. Wie der Himmel oder wie mein Garten.

Auch dort käme ich normalerweise nicht unbedingt auf die Idee, morgens mit meiner Kaffeetasse dazusitzen und darüber nachzudenken, was für ein großes Glück es ist, dass dort alles Mögliche wachsen darf : Blumen, Gräser, Gemüse, Kräuter und selbstverständlich auch ungefähr 783 Pflanzen, die ich definitiv nicht eingeladen habe.

Manches davon liebe ich, manches dulde ich. Und manches würde ich persönlich wirklich nicht vermissen. Aber ich möchte trotzdem keinen Garten haben, in dem jemand bestimmt, dass künftig nur noch eine einzige Sorte wachsen darf. Selbst dann nicht, wenn es zufällig meine Lieblingsblume wäre.

Denn ein Garten wird nicht dadurch schön, dass alles gleich ist. Sondern dadurch, dass Verschiedenes nebeneinander wachsen kann. Und ich finde, dass es mit einer Gesellschaft gar nicht so anders ist. 

Gestern wurde gewählt. Und das Ergebnis hat mich gelinde gesagt schockiert. 

Dabei bin ich selbst mit vielem, was politisch gerade passiert, überhaupt nicht zufrieden. Im Gegenteil. Ich ärgere mich,  schüttele den Kopf, verstehe es nicht. Ich wünsche mir manches grundlegend anders und bin mit einigen der Menschen, die dieses Land derzeit regieren, alles andere als glücklich. Ich wünsche mir, dass wir wieder besser leben können und dass sich Arbeit am Ende des Monats wirklich auszahlt. Und dass wir friedlich und ohne Angst miteinander leben können. 

Aber vielleicht liegt genau darin etwas, das wir manchmal vergessen: Freiheit bedeutet nicht, dass mir gefällt, was andere entscheiden. Freiheit bedeutet, dass ich widersprechen darf. Dass wir unterschiedlicher Meinung sein können, wählen können, kritisieren dürfen. Dass Menschen verschieden leben, lieben, glauben, denken und sein dürfen. Und gerade als Frau bin ich für diese Freiheit vielleicht noch einmal auf eine besondere Weise dankbar.

Ich kann arbeiten, meinen eigenen Lebensunterhalt verdienen und über mein eigenes Geld bestimmen. Ich kann wählen. Ich kann reisen. Ich kann alleine leben. Ich kann lieben, wen ich möchte – und genauso entscheiden, mit wem ich mein Leben nicht verbringen möchte. Ich kann meine Meinung sagen, laut sein, unbequem sein, widersprechen und meinen eigenen Weg gehen.

Und ja: Ich kann abends alleine meine Schuhe anziehen und einfach loslaufen. Ohne jemanden um Erlaubnis zu fragen. Vieles davon fühlt sich für mich vollkommen selbstverständlich an. Aber das ist es nicht. Es war nicht immer selbstverständlich. Und wenn ich über meinen kleinen Gartenzaun hinaus in die Welt schaue, weiß ich, dass es das auch heute längst nicht für jede Frau ist.

Und je länger ich darüber nachdenke, desto mehr glaube ich: Glück ohne Freiheit ist vermutlich gar nicht möglich.

Man kann vielleicht Sicherheit haben, Versorgung, Gewohnheit ein Dach über dem Kopf. Vielleicht sogar schöne Momente.

Aber wirklich glücklich sein und gleichzeitig nicht darüber bestimmen dürfen, wer man ist, was man denkt, wen man liebt und wie man sein eigenes Leben führen möchte? Ich kann es mir nicht vorstellen.

Und ich glaube, dass Demokratie manchmal ein bisschen ist, wie mein Garten. Sie ist nicht immer ordentlich und macht jede Menge Arbeit. Manches wächst einem über den Kopf, manches geht ein, obwohl man sich große Mühe gegeben hat. Und gelegentlich steht man davor und denkt: Wer zum Teufel hat das denn jetzt hier gepflanzt? Aber die Lösung kann nicht sein, irgendwann nur noch eine Sorte zuzulassen. 

Ich muss nicht mit allem einverstanden sein, was in diesem Land passiert, um dankbar dafür zu sein, dass ich damit nicht einverstanden sein darf. Vielleicht ist sogar genau das Freiheit.

Gestern Abend bin ich weitergelaufen. Aus den fehlenden 3000 Schritten wurden am Ende ein paar zu viele. Und während über dem Feld langsam das Licht verschwand, dachte ich daran, wie selbstverständlich es für mich ist, einfach losgehen zu können. Dorthin, wohin ich möchte. Zu den Menschen, die ich möchte. Mit den Gedanken, die ich möchte.

Freiheit ist- genau wie Glück - manchmal am schwersten zu sehen, solange sie da ist. Man bemerkt den Himmel schließlich auch nicht jeden Tag. Aber wir würden sehr schnell merken, wenn jemand anfangen würde, ihn kleiner zu machen.

Deshalb sitze ich heute Morgen wieder mit meinem Kaffee da, betrachte meine viel zu vielen verschiedenen Pflanzen und freue mich über dieses kleine Durcheinander.. Vielleicht sogar ein bisschen mehr als sonst.

Denn ich muss nicht mit allem zufrieden sein, was in unserem Garten wächst. Aber ich möchte verdammt gut darauf aufpassen, dass er vielfältig bleiben darf. Weil Vielfalt Freiheit braucht. Und weil ich inzwischen glaube, dass Glück ohne Freiheit gar keines sein kann. ❤️

Ich wünsche euch einen schönen Tag und uns allen, dass wir die Freiheit niemals vermissen müssen....

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