„Auch der längste Weg beginnt mit einem ersten Schritt.“ — Laots
Guten Morgen liebe Leserinnen und liebe Leser 🩷 Kennt ihr diese Aufgaben, bei denen man eigentlich ganz genau weiß, dass man sie erledigen müsste, und trotzdem schafft man es irgendwie nicht, überhaupt damit anzufangen?
Je unliebsamer oder größer eine Aufgabe erscheint, desto erstaunlicher wird manchmal unsere Fähigkeit, uns mit vollkommen anderen Dingen zu beschäftigen. Plötzlich müsste dringend die Spülmaschine ausgeräumt, irgendeine Schublade sortiert oder etwas recherchiert werden, von dem wir bis fünf Minuten vorher noch nicht einmal wussten, dass es uns interessiert. 😉
Ich habe gestern über dieses Phänomen nachgedacht, nachdem ich mich kürzlich mit jemandem darüber unterhalten hatte. Es ging darum, wie unzufrieden man mit sich selbst sein kann, wenn man am Ende eines Tages das Gefühl hat, nicht produktiv genug gewesen zu sein. Gleichzeitig kann ausgerechnet dieser Anspruch dazu führen, dass man am Ende tatsächlich weniger schafft. Denn wenn eine Aufgabe riesig erscheint oder wir das Gefühl haben, sie ohnehin nicht vollständig bewältigen zu können, fällt es manchmal leichter, gar nicht erst anzufangen.
Manchmal stehen wir vor all den Dingen, die wir erledigen, verändern oder endlich in Angriff nehmen möchten, und wissen überhaupt nicht, wo wir anfangen sollen. Am liebsten hätten wir acht Arme, um alles gleichzeitig erledigen zu können. Wobei ich mittlerweile jemanden kenne, bei dem selbst acht Arme vermutlich gelegentlich nicht ausreichen würden. 😉
Dabei brauchen wir vielleicht gar nicht mehr Arme. Vielleicht brauchen wir einfach weniger Dinge, die wir gleichzeitig von uns verlangen. In meinem Garten lässt sich das ziemlich gut beobachten.
Wenn ich nach dem Winter zum ersten Mal wieder richtig sehe, was dort alles gemacht werden müsste, kann ich innerhalb weniger Minuten eine beeindruckend lange Liste erstellen. Die Beete müssten vorbereitet, Unkraut entfernt, Pflanzen zurückgeschnitten, das Gewächshaus aufgeräumt, Wege sauber gemacht und irgendwo selbstverständlich auch noch irgendetwas repariert werden. Irgendwas ist schließlich immer.
Wenn ich dann mitten im Garten stehe und alles gleichzeitig anschaue, könnte ich eigentlich auch direkt wieder einen Kaffee machen und mich hinsetzen. Denn der Gedanke, den ganzen Garten in Ordnung bringen zu müssen, macht nicht unbedingt Lust darauf, einen Spaten in die Hand zu nehmen.
Vielleicht ist das Problem manchmal also gar nicht, dass wir zu wenig schaffen. Wir verlangen nur von uns, dass wir an einem einzigen Tag den ganzen Garten umgraben – und wundern uns anschließend darüber, dass wir keine Lust haben, überhaupt anzufangen.
Dabei müsste ich vielleicht gar nicht „den Garten machen“. Ich könnte auch einfach mit einem Beet anfangen. Und wenn dieses eine Beet am Abend schön aussieht, ist der restliche Garten zwar noch lange nicht fertig. Aber da ist plötzlich dieser eine kleine Fleck, der vorher nicht da war.
Am nächsten Tag kommt vielleicht ein zweiter dazu. Irgendwann ist der Weg wieder frei, ein paar Tage später die Hecke geschnitten und irgendwann sitze ich mit meinem Kaffee da, schaue mich um und stelle fest, dass ziemlich viel passiert ist. Nicht, weil ich irgendwann acht Arme bekommen oder an einem einzigen Tag einen beeindruckenden Kraftakt hingelegt habe. Sondern weil aus vielen kleinen Handgriffen irgendwann etwas Großes geworden ist.
Und während ich darüber nachgedacht habe, ist mir aufgefallen, dass mein persönliches Verständnis von Glück eigentlich ganz ähnlich funktioniert.
Glück ist die Summe schöner Momente. Diesen Satz mag ich schon sehr lange. Vielleicht gerade deshalb, weil er das Glück angenehm klein und damit ziemlich erreichbar macht.
Wenn Glück nämlich erst dann entstehen kann, wenn mein Leben perfekt ist, sämtliche Probleme gelöst, alle Ziele erreicht und am besten auch noch alle offenen Fragen beantwortet sind, könnte es unter Umständen eine ziemlich lange Wartezeit werden. 😉 Wenn Glück dagegen aus vielen kleinen Momenten entsteht, sieht die Sache schon ganz anders aus.
Mein gestriger Montag war dafür eigentlich ein ziemlich gutes Beispiel. Der Sommer hatte offenbar beschlossen, uns noch einmal zu zeigen, was er kann, und brachte wunderschönes Wetter mit. Einen Teil des Tages verbrachte ich zunächst wenig spektakulär im Büro beziehungsweise Homeoffice und erledigte all die Dinge, die an einem Montag eben erledigt werden müssen.
Gegen Nachmittag durfte der vernünftige Teil des Tages aber enden. Und dann kam endlich meine beste herzallerliebste Freundin vorbei, die ich eindeutig viel zu lange nicht gesehen hatte. ❤️
Wir saßen zusammen, redeten und lachten, tranken alkoholfreies Gurkenwasser ohne Gurken und aßen einen selbstverständlich nahezu kalorienfreien Kuchen. Ich bin ziemlich sicher, dass Kalorien in Gegenwart der besten Freundin ohnehin ihre Wirkung verlieren. Wissenschaftlich ist das möglicherweise noch nicht abschließend untersucht, aber ich halte meine Theorie für ausgesprochen belastbar. 🤣
Später legten wir noch ein paar Würstchen auf den Grill und hatten einen dieser wunderbar unspektakulären Nachmittage, für die niemand eine Reise planen, Eintrittskarten kaufen oder irgendetwas Besonderes organisieren muss.Es war einfach schön.
Und als meine Freundin irgendwann nach Hause gefahren war, habe ich noch ein bisschen am Computer gearbeitet, meine Pflanzen gegossen und mich irgendwann darüber gefreut, was für ein schöner Montag das gewesen war.
Und dabei wurde mir bewusst, dass eigentlich kein einziger Moment dieses Tages für sich genommen besonders spektakulär gewesen war. Zusammen waren sie trotzdem Glück.
Vielleicht überschätzen wir also nicht nur bei unseren Aufgaben manchmal das Große, sondern auch beim Glück. Wir warten auf besondere Ereignisse, große Veränderungen und diesen einen Moment, der plötzlich alles anders macht, obwohl unser Leben in Wahrheit aus unzähligen kleinen Dingen besteht, die viel leichter zu erreichen sind.
Und vielleicht funktioniert Veränderung sogar genau so.
Wir müssen nicht heute den ganzen Garten in Ordnung bringen. Wir müssen nicht heute schon wissen, wie wir bis ans Ziel kommen. Wir müssen nicht alle Schwierigkeiten lösen, die uns irgendwann möglicherweise begegnen könnten, und wir müssen schon gar nicht jeden Abend mit dem Gefühl ins Bett gehen, möglichst viel geschafft haben zu müssen.
Manchmal reicht es völlig, eine Sache anzufangen. Ein Beet. Eine Mail. Zehn Minuten Bewegung. Ein Gespräch. Eine Entscheidung. Einen kleinen Schritt in eine Richtung, von der wir glauben, dass sie uns guttun könnte.
Und wenn es heute nur dieser eine war, darf das genug sein. Morgen kann schließlich noch einer dazukommen.
Ich glaube, wir wären manchmal wesentlich freundlicher zu uns selbst, wenn wir nicht ständig das Ergebnis mit dem Anfang vergleichen würden. Wer gerade den ersten Quadratmeter Unkraut entfernt hat, sollte schließlich nicht auf die restlichen 300 schauen und denken, dass er nichts geschafft hat. Er könnte sich auch umdrehen und sich über den einen freuen, der schon fertig ist.
Vielleicht braucht man für einen großen Garten also tatsächlich keine acht Arme. Zwei reichen völlig. Sie müssen nur nicht alles gleichzeitig schaffen.
Und vermutlich gilt genau das auch für ein gutes Leben. Es entsteht nicht an einem einzigen perfekten Tag, sondern irgendwo dazwischen – aus einem Kaffee in der Sonne, einem guten Gespräch, einem Wiedersehen nach viel zu langer Zeit, einem nahezu kalorienfreien Stück Kuchen, ein paar Würstchen auf dem Grill und dem Gefühl am Abend, dass dieser ganz normale Montag irgendwie ziemlich schön war.
Große Dinge entstehen manchmal aus ziemlich kleinen Schritten. Und großes Glück aus ziemlich kleinen Momenten.
Und deshalb sollten wir öfter aufhören, auf den ganzen Garten zu schauen. Und uns stattdessen fragen, welche kleine Ecke wir heute schön machen können. Für heute reicht das nämlich vollkommen. ❤️
Ich wünsche euch einen schönen Dienstag 🫶
Kommentar hinzufügen
Kommentare