Das Strahlen...💛

Veröffentlicht am 10. September 2026 um 06:53

Guten Morgen liebe Leserinnen und liebe Leser 🩷 Gestern war einer dieser Tage, an denen eigentlich gar nichts Spektakuläres passiert ist und ich euch trotzdem einiges zu erzählen habe. Wobei die eigentliche Geschichte heute gar nicht von mir stammt. Aber der Reihe nach.

Bevor ich gestern Morgen mit der Arbeit begonnen habe, bin ich erst einmal zum Schritte sammeln aufgebrochen. Der Himmel war ziemlich bewölkt, es war deutlich kühler als in den vergangenen Tagen und obwohl ich einen Pulli anhatte, habe ich unterwegs tatsächlich ein bisschen gefroren. Trotzdem mag ich diese Morgenluft unglaublich gerne und inzwischen frage ich mich wirklich, warum ich meine Spaziergänge so lange vernachlässigt habe.

Gestern war es außerdem wunderbar ruhig. Ich bin während meiner ganzen Runde keiner einzigen Menschenseele begegnet, was ich durchaus genießen kann. Also hatte ich die Landschaft weitgehend für mich allein und konnte einfach laufen, gucken und die Ruhe genießen. Und ganz nebenbei noch mit einem Herzensmenschen telefonieren 🫶

Als ich wieder im Garten ankam, hatte ich mein tägliches Schritteziel schon fast erreicht und konnte mich ziemlich zufrieden an meinen Schreibtisch im Gartenhaus setzen. Mein Kalender sah eigentlich recht freundlich aus und ich hatte mit einem eher entspannten Arbeitstag gerechnet. Ihr kennt das vielleicht: Man schaut morgens auf seine Termine, stellt fest, dass erstaunlich viel Weiß dazwischen ist, und freut sich schon ein bisschen zu früh darüber, endlich all die Dinge erledigen zu können, die sonst liegen bleiben.

Und dann kommt das Leben dazwischen. Es kamen noch einige Dinge dazu, mit denen ich vorher nicht gerechnet hatte, und so wurde aus dem vermeintlich entspannten Mittwoch doch ein etwas längerer Arbeitstag. Ich möchte mich darüber aber überhaupt nicht beschweren, denn es waren durchweg Dinge, die mir Spaß gemacht haben, und das macht bei einem vollen Tag ja einen gewaltigen Unterschied.

Nach Feierabend habe ich noch ein bisschen im Garten gewerkelt, aufgeräumt und meine Pflänzchen gegossen, die erstaunlicherweise auch bei deutlich kühleren Temperaturen einen beachtlichen Durst entwickeln. Außerdem bin ich mit Rosinante zum Müllcontainer gefahren und habe mich zwischendurch mehrfach mit dem Verkauf meines Autos beschäftigt. Über Letzteres möchte ich an dieser Stelle allerdings nicht ausführlicher sprechen. Nicht, weil es dazu nichts zu erzählen gäbe, ganz im Gegenteil. Vermutlich könnte ich inzwischen eine mehrteilige Reihe mit dem Titel „Wie verkaufe ich ein Auto und verliere dabei möglichst nicht den Verstand?“ schreiben. Aber ihr wisst ja: Nicht aufregen. 😉

Den Abend habe ich schließlich gemütlich ausklingen lassen und gedanklich schon ein bisschen angefangen, meinen Koffer zu packen, denn morgen ist Freitag und für mich geht es mal wieder weg. Wohin und was ich dort treibe, erzähle ich euch natürlich noch. Heute möchte ich euch aber von einem Menschen erzählen, den ich vor einiger Zeit auf Umwegen kennenlernen durfte.

Und wie bei vielen Begegnungen in meinem Leben habe ich auch hier das Gefühl, dass es manchmal ziemlich erstaunlich ist, welche Menschen einem genau zu welchem Zeitpunkt über den Weg laufen... Auf Instagram nennt er sich Henning Carlson und er hat in den vergangenen Jahren einiges erlebt und durchgestanden. Seine persönliche Geschichte möchte ich hier gar nicht erzählen, denn es ist seine und nicht meine. Ich durfte ihn allerdings ein kleines Stück seines Weges begleiten und weiß deshalb, dass hinter dem Strahlen, das man heute sieht, ein ziemlich langer Weg liegt.

Umso mehr hat es mich berührt, als er mir vor ein paar Tagen ein Video zukommen ließ, in dem er mitten in der Natur auf einer gemütlichen Couch sitzt, ein Buch in der Hand hält und einen seiner eigenen Texte vorliest. Henning schreibt nämlich mittlerweile regelmäßig Geschichten und macht auch Poetry Slam. Besonders schön finde ich eines seiner Formate, bei dem Menschen ihm einfach drei völlig wahllose Wörter schicken und er daraus eine Geschichte entstehen lässt. Ich habe inzwischen einige seiner Texte gelesen und mag sehr, wie er mit Worten umgeht und wie viel von ihm selbst darin steckt.

Der Text aus diesem Video heißt „Das Strahlen“. Und weil es hier auf meinem Blog seit inzwischen drei Jahren immer wieder um das Glück, um die Suche danach und manchmal eben auch um das Verlieren und Wiederfinden geht, habe ich Henning gefragt, ob ich seinen Text mit euch teilen darf. Denn manchmal ist es viel eindrücklicher, einen Menschen selbst erzählen zu lassen. Also überlasse ich die nächsten Zeilen einfach ihm.

DAS STRAHLEN von Henning Carlson

Strahlen…

Ein fröhliches Lächeln…

Aufmerksam…

Immer das passende Wort…

Charmant…

ein toller Ehemann

 

Unsicher

leer

nicht mehr bei der Sache

nicht mehr bei sich

tapsig

ein „Waschlappen“

 

Immer da

ein offenes Ohr

voller Verständnis

für jeden Spaß zu haben

Nähe im richtigen Moment

Ein toller Papa

 

Abwesend

Abweisend

mutlos/kraftlos

auf Distanz

kaum noch Freude

eine Hülle

 

Motivierend

interessiert

Auf Augenhöhe

Mutig

Ein Schutzschild

Ein toller Chef

 

Belastend

kraftlos

mit sich selbst beschäftigt

Ängstlich

Barriere

Nur noch Maschine

 

ICH WILL:

 

Zurück ins Leben

Zurück zum Ich

Ein langer Weg

 

Vertrauen und Zuversicht

Ehrlichkeit und Freundschaft

 

Unsicherheit

Angst

Zweifel

 

Vertrauen und Zuversicht

Ehrlichkeit und Freundschaft

 

Nicht allein

Der Weg beginnt…

Mut – der erste Schritt

Viele Schritte

Ein Schritt vor, zwei zurück

Dann 2x vor und 1 zurück

 

„Es ist in Ordnung…“

„Es ist Okay…“

 

Vertrauen und Zuversicht

Ehrlichkeit und Freundschaft

Selbstachtung

 

Viele Schritte…

 

ICH KANN:

 

Freude empfinden

Ehrlich strahlen

Weinen und Lachen

Verrückt sein

Verträumt sein

 

Ein langer Weg

viele Wegweiser

 

„Es geht mir gut“

nicht Okay…

„Nein, es geht mir gut“

ich strahle

Ich weiß nicht, wie es euch beim Lesen geht, aber bei mir ist vor allem ein Gedanke hängen geblieben: Wie leicht wir uns vom Strahlen eines Menschen täuschen lassen. Wir sehen jemanden lachen, erleben ihn aufmerksam, fröhlich, hilfsbereit oder stark und schließen daraus ziemlich selbstverständlich, dass es diesem Menschen gut geht. Schließlich sieht er ja auch so aus. Vielleicht kennen wir das sogar von uns selbst.

Ich musste beim Lesen an einen Gedanken denken, der mich in letzter Zeit immer wieder beschäftigt. Wenn wir einem Menschen sagen, dass er immer so fröhlich, stark oder belastbar ist, dann meinen wir das als Kompliment und natürlich ist es auch eines. Gleichzeitig kann daraus ganz unbemerkt ein Auftrag entstehen: Bleib so, sei weiterhin stark, funktioniere, schaffe das und mach dir – oder vielleicht viel eher uns – keine Sorgen. Und irgendwann wird aus einem echten Strahlen vielleicht eines, das wir einfach ziemlich gut gelernt haben.

Deshalb gefällt mir aus Hennings Text ausgerechnet dieses kleine Wort „ehrlich“ so sehr. Ehrlich strahlen. Vielleicht ist das etwas ganz anderes als einfach nur zu lächeln. Vielleicht bedeutet es, dass das, was außen zu sehen ist, irgendwann wieder zu dem passt, was innen zu fühlen ist. Dass man nicht mehr überzeugen muss, dass alles in Ordnung ist, sondern tatsächlich wieder Momente erlebt, in denen es das ist.

Und der Weg dorthin verläuft offenbar genauso wenig gerade wie die meisten anderen Wege im Leben. Henning schreibt von einem Schritt vor und zwei zurück, später von zwei Schritten vor und einem zurück. Wenn man es genau nimmt, ist das eine ziemlich umständliche Art, irgendwo anzukommen. 😉 Aber vielleicht ist genau das Leben. Wir stolpern, gehen zurück, zweifeln, versuchen es noch einmal, treffen unterwegs Menschen, die ein Stück mit uns gehen, finden Wegweiser, übersehen andere und stellen irgendwann fest, dass wir trotz aller Umwege weitergekommen sind.

Deshalb sollten wir bei den Menschen um uns herum ein bisschen weniger darauf achten, ob sie strahlen. Und ein bisschen mehr darauf, ob ihre Augen dabei mitmachen. Und auch wir selbst dürfen uns zugestehen, dass sie das manchmal eben nicht tun. Wir müssen nicht jeden Tag glücklich aussehen, wir müssen nicht immer stark sein und wir müssen schon gar nicht für andere so tun, als wäre alles wunderbar, wenn es das gerade nicht ist.

Manchmal reicht es vielleicht tatsächlich, den nächsten Schritt zu machen. Und irgendwann passiert es dann möglicherweise ganz nebenbei: Wir lachen über irgendeinen Blödsinn, freuen uns über einen wunderschönen Himmel, stehen morgens frierend irgendwo auf einem Feld oder merken plötzlich, dass sich etwas wieder leicht anfühlt. Und dann ist es wieder da. Nicht das Strahlen, von dem wir möchten, dass andere es sehen, sondern das, das wir selbst spüren. Das ehrliche Strahlen.

Ich wünsche Henning sehr, dass er sich genau dieses bewahrt. Und euch und mir wünsche ich das natürlich auch. ❤️

 

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