„Wer schön sein will, muss leiden.“ – deutsches Sprichwort
Guten Morgen liebe Leserinnen und liebe Leser ❤️Da bin ich wieder und wie angekündigt habe ich einiges zu berichten... Das Wochenende habe ich in Essen beim Sportfest verbracht. Wer nun allerdings darauf gewartet hat, dass ich euch von meinen sportlichen Höchstleistungen berichte, den muss ich leider enttäuschen.
Zumindest fast. Denn ich hatte ja bereits erwähnt. dass mein persönlicher sportlicher Ehrgeiz sich eher in Grenzen halten und ich mich stattdessen aufs Aufhübschen konzentrieren würde. Ich kann schon einmal vorwegnehmen: Diesen Plan habe ich äußerst gewissenhaft umgesetzt und ganz nebenbei noch einige andere Disziplinen absolviert, die meiner Meinung nach dringend olympisch werden sollten.
Seit einigen Jahren gibt es nämlich eine kleine Tradition. Zum Sportfest treffe ich mich mit einer lieben Kollegin und inzwischen Freundin aus Augsburg. Wir teilen uns ein Doppelzimmer und haben eine hervorragend funktionierende Aufgabenverteilung entwickelt: Ich kümmere mich um das Hotel, sie um Tickets und Anmeldung.
Das funktioniert normalerweise ausgesprochen gut und hat auch dieses Jahr bei uns beiden funktioniert. Bei zwei weiteren Kolleginnen, die sich unserer Hotelwahl anschließen wollten, allerdings nur bedingt, denn sie schafften es tatsächlich, ein Hotel mit gleichem Namen zu buchen, das sich leider ungefähr vier Kilometer von unserem entfernt befand. Man könnte sagen: knapp daneben ist auch vorbei. Nach kurzer Verwirrung und spontaner Umbuchung waren schließlich aber alle dort untergebracht, wo sie hingehörten.
Ich war am Freitag extra früh losgefahren und schaffte es Dank 712 Baustellen trotzdem, gerade so pünktlich zum Kultur-Event anzukommen, mit dem das Wochenende eröffnet wurde. Dort wartete direkt meine erste sportliche Herausforderung auf mich: Gemeinsam mit vier Kollegen aus unserer Abteilung durfte ich mich am Empfang als eine Mischung aus Türsteherin, Kassiererin und freundlichem Begrüßungskomitee betätigen.
Vom gemeinsamen Singen bekam ich deshalb nicht allzu viel mit, dafür sah ich jede Menge Menschen an mir vorbeiziehen, von denen ich einige im Laufe des Wochenendes erstaunlicherweise nie wieder finden sollte. Es waren nämlich unglaublich viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer da und obwohl ich mich im Vorfeld mit gefühlt der halben Republik verabredet hatte, gab es tatsächlich Menschen, die nachweislich zwei Tage lang auf derselben Veranstaltung waren wie ich und denen ich trotzdem nicht begegnet bin.
Nach dem Einchecken und einer kleinen Stärkung beim Mongolen machten wir uns schließlich mit großer Erwartung und – sehr vorausschauend – Wechselschuhen auf den Weg zur ersten Party. Die Location war schon für sich ein Erlebnis: ein alter Kult-Club, ein bisschen morbide, stellenweise ohne Dach und mit Pflanzen, die sich irgendwie mit der Inneneinrichtung verbunden hatten. Das war ein bisschen spooky, ein bisschen gruselig und gleichzeitig ziemlich großartig.
Und dort wurde dann getanzt - sehr viel getanzt. Und meine schicken Schuhe hielten erwartungsgemäß deutlich kürzer durch, als ich. Weshalb irgendwann die mitgebrachten Flipflops ihren großen Auftritt bekamen. Ich finde, dass Wechselschuhe kein Zeichen mangelnder Eleganz sind, sondern eines zunehmender Lebenserfahrung. Der Abend war jedenfalls großartig, viel zu schnell vorbei und die Nacht anschließend entschieden zu kurz.
Nach einem schnellen Frühstück wartete am Samstag schließlich unsere Königsdisziplin auf uns: Aufhübschen. Und wir haben dabei übrigens festgestellt, dass die dafür benötigte Zeit überhaupt nichts mit dem Alter zu tun hat. Wer Kosmetik und Haarpflege wirklich ernst nimmt, braucht eben seine Zeit. Und wir nehmen solche Dinge bekanntlich ausgesprochen ernst.
Deshalb verbrachten wir zunächst gute zwei Stunden bei Douglas, wo uns die wunderbare Lisa mit viel Geduld die Gesichter verschönerte. Böse Zungen könnten an dieser Stelle von Restaurierungsarbeiten sprechen, aber zum Glück kommen böse Zungen in diesem Blog nicht zu Wort. Das Ergebnis konnte sich dann wirklich sehen lassen.
Gegen 14 Uhr waren wir also bereits vollständig abendtauglich geschminkt und machten uns anschließend auf den Weg zum Friseur. Wobei „Friseur“ unserem nächsten Programmpunkt eigentlich nicht gerecht wird. Wir waren bei einem Künstler, der uns nacheinander Hochsteckfrisuren zauberte, von denen wir vorher nicht einmal wussten, dass unsere Haare dazu überhaupt in der Lage sind.
Nachdem wir beim letzten Mal in Stuttgart bereits unglaubliches Glück mit unserer Friseurin samt Mama hatten und mit beiden bis heute Kontakt haben, waren unsere Erwartungen diesmal vorsichtshalber nicht besonders hoch. Umso begeisterter waren wir vom Ergebnis. Auch wenn ich kurzzeitig das Gefühl hatte, dass mein Gesicht nicht mehr ganz so beweglich war, wie vor der Hochsteckfrisur. Aber das musste so und sah zumindest sehr gut aus.
Make-up saß also, Haare saßen auch... Fehlten nur noch die Klamotten. Und damit kommen wir zu einer Sportart, für die ich definitiv nicht geschaffen bin: Shapewear...
Die Idee dahinter ist ja eigentlich ganz reizend. Man steckt alles, was der liebe Gott und die Wechseljahre großzügig rund um die Körpermitte verteilt haben, in ein kleines Stück hochfunktionellen Stoff und sieht anschließend aus, als hätte man all das gar nicht. Soweit die Theorie.
In der Praxis beginnt das Problem bereits beim Anziehen. Ich weiß nicht, wer entschieden hat, dass ein Kleidungsstück, in das ein erwachsener Mensch hineinpassen soll, im ungetragenen Zustand ungefähr die Größe einer Kindersocke haben darf. Vermutlich derselbe Mensch, der behauptet, man könne darin problemlos atmen, sitzen, essen und einen ganzen Abend verbringen.
Ich hatte vorsorglich gleich zwei Varianten dabei und kann heute sagen: Es lag nicht am Modell. Es lag an der grundsätzlichen Unvereinbarkeit von Shapewear und mir. Während ich versuchte, Variante Nummer eins irgendwie über meinen Körper zu verteilen, absolvierte ich vermutlich mehr Sport als beim gesamten Sportfest. Es wurde gezogen, gezerrt, gehüpft, die Luft angehalten und zwischendurch kurz überlegt, ob man für solche Fälle eigentlich die Feuerwehr oder direkt den Rettungsdienst verständigt.
Als das Ding schließlich dort angekommen war, wo es laut Hersteller hingehörte, war das Ergebnis tatsächlich beeindruckend. Allerdings vermutlich nur deshalb, weil sämtliche inneren Organe inzwischen Richtung Brustkorb umgezogen waren. Atmen wurde überschätzt, Sitzen erschien mir ambitioniert und spätestens bei der Vorstellung, später noch etwas essen oder trinken zu wollen, musste ich einsehen, dass Schönheit vielleicht tatsächlich Schmerzen kennt, ich persönlich aber eine klare Grenze habe.
Also raus aus Variante eins und rein in Variante zwei. Zumindest war das der Plan. Einige Verrenkungen und einen weiteren kleinen Kampf später stand fest, dass auch diese Beziehung keine Zukunft haben würde. Ich weiß nicht, ob ihr schon einmal versucht habt, euch aus Shapewear wieder herauszuschälen, während Make-up und Hochsteckfrisur unbedingt unversehrt bleiben sollen. Ich kann euch aber versichern: In diesem Moment lernt man Demut.
Am Ende rettete mich meine Freundin (die Shapewear definitiv beherrscht) mit einem Höschen aus ihrem persönlichen Bestand. Und plötzlich konnte ich wieder atmen, sitzen und mich sogar bewegen, ohne dabei Angst um meine inneren Organe haben zu müssen. Vielleicht war die Silhouette anschließend nicht mehr ganz so optimiert, wie die Shapewear-Industrie sich das vorgestellt hatte, dafür standen meine Überlebenschancen für den Abend wieder ausgesprochen gut. Und ganz nebenbei kam mir die Erkenntnis, dass ein bisschen weniger Perfektion manchmal ziemlich befreiend sein kann – im wahrsten Sinne des Wortes.
Deshalb möchte ich hier und heute eine verbindliche Verfügung für die Zukunft hinterlassen: Sollte ich jemals wieder behaupten, Shapewear sei bestimmt eine gute Idee, erinnert mich bitte an Essen. Und falls Erinnern nicht reicht, dürft ihr zu drastischeren Maßnahmen greifen. Hauptsache, ich kaufe das Zeug nicht noch einmal.
Nachdem auch diese Krise bewältigt war, konnte es dann endlich losgehen und es wurde ein wunderschöner Abend mit schicken Kleidern, erneut sehr viel Tanzen, selbstverständlich wieder Wechselschuhen, diversen Fotoshootings – schließlich musste sich der Aufwand des Tages auch dokumentarisch lohnen – und vor allem unglaublich vielen schönen Begegnungen.
Und genau das ist vermutlich das, was mir von diesem Wochenende am meisten bleiben wird. Ich habe Menschen wiedergesehen, die ich lange nicht getroffen hatte, andere zum ersten Mal persönlich kennengelernt, unglaublich viel gelacht und irgendwann festgestellt, wie viele tolle Kolleginnen und Kollegen ich inzwischen näher kennenlernen durfte. In anderen Kreisen nennt man so etwas vermutlich Netzwerken. Für mich fühlte es sich überhaupt nicht danach an. Es waren einfach Begegnungen mit Menschen, auf die ich mich gefreut hatte und mit denen ich gerne Zeit verbracht habe.
Irgendwann am frühen Sonntagmorgen war dann auch der zweite Abend vorbei. Einige wenige Stunden später saßen wir schon wieder beim Frühstück und kurz darauf machte ich mich auf den Heimweg. Seltsamerweise führte weder das Frühstück noch die Autofahrt dazu, dass ich mich anschließend wesentlich fitter fühlte. Woran das gelegen haben könnte, wird vermutlich für immer eines der großen ungelösten Rätsel der Menschheit bleiben.
Heute ist Montag, eine neue Woche beginnt und während ihr diese Zeilen lest, schwelge ich vermutlich immer noch ein bisschen in den Erinnerungen an ein Wochenende, für das ich mich offiziell zu einem Sportfest angemeldet und erstaunlich wenig Sport gemacht habe.
Wobei – wenn Tanzen, kilometerlanges Laufen in schicken Schuhen, Flipflop-Wechsel unter erschwerten Bedingungen und der Kampf mit Shapewear nicht zählen, weiß ich auch nicht, was die Leute eigentlich von mir wollen. 😁 Außerdem habe ich meine persönliche Schritte-Challenge an allen Tagen gewonnen 😉 Und natürlich haben wir uns schon fürs nächste Sportfest angemeldet: never change a running System ❤️
Habt einen wunderschönen Montag und kommt gut in die neue Woche. 🌸
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