Demokratie und andere Freiheiten 🩷

Veröffentlicht am 16. September 2026 um 07:13

Guten Morgen liebe Leserinnen und  liebe Leser ❤️ Ich verkünde feierlich und voller Stolz:  Der Rasen ist gemäht. Und zwar komplett und ganz ohne Drama.

Ich finde, diese Nachricht verdient inzwischen einen eigenen Absatz, denn nachdem dieses Vorhaben in den vergangenen Wochen mehrfach an Wetter, Prioritäten, Technik oder der allgemeinen Arbeitsverweigerung irgendwelcher Gartengeräte gescheitert war, hat gestern tatsächlich alles funktioniert. Der Rasenmäher mähte, der Akku war voll und niemand wickelte sich irgendwo ein, fiel auseinander oder musste unter Fluchen zerlegt werden. Nach meinen jüngsten Erfahrungen mit technischen Geräten fühlte sich das beinahe verdächtig an.

Dabei hatte der Dienstag ohnehin noch einmal alles gegeben, was ein wunderschöner Spätsommertag so zu bieten hat. Nach meinem Arbeitstag im Garten-Homeoffice war es draußen einfach viel zu schön, um direkt in den Feierabend überzugehen. Und so habe ich tatsächlich endlich den Rasen gemäht. Zwischendurch immer mal wieder eine Pause eingelegt und dabei dieses wunderschöne Wetterchen  genossen.

Ich weiß nicht, wie viele solcher Tage der September uns noch schenkt. Und vermutlich fühlen sie sich deshalb inzwischen ein bisschen kostbarer an, als noch im Juli. Als man selbstverständlich davon ausgegangen ist, dass der Sommer sowieso niemals aufhören würde...

Irgendwann war der Rasen fertig und ich ebenfalls einigermaßen. Es wurde also Zeit für Feierabend und den gemütlichen Teil des Tages. Der damit begann, dass ich ausgiebig und sehr ausführlich mit meiner lieben Freundin  telefonierte. 

Und wie das bei uns so ist, fängt man irgendwo an, biegt unterwegs ungefähr siebzehnmal ab und landet irgendwann bei den wirklich wichtigen Dingen des Lebens. Und dabei sind wir bei einem Gedanken hängen geblieben, der irgendwie zum perfekt passte.

Gestern war nämlich der "Internationale Tag der Demokratie". Eigentlich geht es dabei natürlich um etwas sehr viel Größeres als um meinen Dienstag im Kleingarten. Aber ein Wort, das untrennbar mit Demokratie verbunden ist, gefällt mir auch für diesen Blog und mein eigenes Leben ziemlich gut: Selbstbestimmung.

Selbst entscheiden zu dürfen, was man möchte und was nicht. Was sich richtig anfühlt und was man vielleicht nur tut, weil irgendjemand es erwartet. Weil man glaubt, es gehöre sich so. Weil man niemanden enttäuschen möchte. Oder weil man irgendwann angefangen hat, die Wünsche anderer mit den eigenen Verpflichtungen zu verwechseln.

Ich glaube, ich habe in meinem Leben ziemlich viele Dinge getan, weil ich dachte, dass man sie eben tut. Man meldet sich, kümmert sich. Man fragt nach, erklärt sich. Man hält Kontakt. Man ist verständnisvoll, macht den ersten Schritt und manchmal vorsichtshalber auch noch den zweiten, dritten und vierten.

Und irgendwann merkt man vielleicht, dass etwas ganz Entscheidendes verloren gegangen ist: die Frage, ob man es eigentlich selbst wirklich möchte. 

Darüber haben meine Freundin und ich gestern gesprochen und dabei festgestellt, wie unglaublich befreiend es sein kann, diese Frage wieder ernst zu nehmen. Nicht aus Trotz und auch nicht, um irgendjemandem etwas heimzuzahlen. Ganz im Gegenteil.

Und ich denke, dass es einen perfekten Satz dafür gibt, den man sich dabei selbst sagen kann: "Ich tue das nicht gegen dich. Ich tue es für mich."

Heute schreibe ich nicht, wenn ich nicht schreiben möchte. Ich gehe nicht irgendwohin, weil meine Anwesenheit erwartet wird. Ich sage nicht Ja, während in mir längst alles Nein ruft. Und wenn ich etwas tue, dann weil ich es wirklich möchte, weil es mir wichtig ist und weil es von Herzen kommt.

Das bedeutet vermutlich nicht, dass man von heute auf morgen nur noch macht, worauf man gerade Lust hat. Dann würde mein Rasen wahrscheinlich irgendwann als schützenswertes Biotop ausgewiesen und mein Haushalt müsste sich selbst organisieren. Es bedeutet für mich vielmehr, wieder genauer hinzuhören, aus welcher Richtung ein Auftrag eigentlich kommt. Von außen – oder von innen?

Und genau dafür braucht es manchmal tatsächlich eine kleine persönliche Demokratie. Eine Abstimmung mit sich selbst, bei der nicht automatisch alle anderen ein Stimmrecht bekommen.

Mein gestriges Wahlergebnis jedenfalls war ziemlich eindeutig. Der Rasen bekam meine Stimme, weil ich ihn mähen wollte. Die Pause bekam meine Stimme, weil ich sie brauchte. Meine Freundin bekam sehr viele Minuten meines Abends, weil ich sie ihr von Herzen gerne geschenkt habe - und währenddessen ebenfalls beschenkt wurde ❤️

Und der Rest? Der darf auch einfach mal ohne meine Stimme stattfinden.

Und wenn ich schon beim Thema Demokratie bin, möchte ich zum Schluss doch noch einmal vom Kleinen ins Große schauen. Denn so schön ich den Gedanken der persönlichen Selbstbestimmung finde, ist Demokratie natürlich sehr viel mehr als das.

Gerade in Zeiten wie diesen halte ich es für wichtiger denn je, sich bewusst zu machen, was es bedeutet, in einer Demokratie leben zu dürfen. Sie ist keine Selbstverständlichkeit und auch nichts, das einfach bleibt, nur weil es schon lange da ist.

Demokratie lebt davon, dass Menschen sie ernst nehmen, für ihre Werte einstehen und sie schützen – überall dort, wo sie infrage gestellt oder angegriffen wird. 

Vielleicht passt am Ende doch alles ziemlich gut zusammen: die Freiheit, über das eigene Leben entscheiden zu dürfen, und die Verantwortung, eine Gesellschaft zu schützen, die genau diese Freiheit möglich macht.

Habt einen wunderschönen Mittwoch und tut heute vielleicht eine Sache ganz bewusst nur deshalb, weil ihr sie tun möchtet. Und vielleicht auch eine, die unsere Demokratie ein kleines bisschen stärker macht. 🌸

PS: Im Bild seht ihr ein  Portrait von mir, das mein fleißiger Gartenhelfer Chatty von mir "gemalt" hat. Ich finde es irgendwie ziemlich passend und wollte es euch gerne zeigen 😉

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