Guten Morgen liebe Leserinnen und liebe Leser 🩷 Es ist Donnerstagmorgen, draußen ist es noch ziemlich dunkel und mittlerweile auch deutlich kühler geworden. Ich sitze mit meinem Morgenkaffee auf der Lieblingsbank und möchte euch von gestern erzählen.
Gestern war Mittwoch und zwischendurch fühlte er sich tatsächlich fast ein bisschen an, wie mein freier Mittwoch. Der ist mittlerweile seit einem halben Jahr Geschichte, was ich selbst kaum glauben kann...denn meine freien Mittwoche waren toll 🩷
Gestern Nachmittag habe ich mich - wie schon so oft an einem Mittwoch- mit meiner Freundin im Garten getroffen. Wir haben bei strahlendem Sonnenschein gemeinsam das schöne Wetter und die Aussicht genossen. Natürlich gehörte dazu auch ein leckeres Stück Kuchen und später ein leckeres Kaltgetränk. wir haben sehr viel geredet und irgendwann hatten wir genau diese wunderbare Mischung aus Zeit, Sonne und guten Gesprächen, bei der man überhaupt nicht merkt, wie die Stunden vergehen.
Am Abend kam dann noch mein ehemaliger Chef dazu, mit dem mich eine ganz besondere Geschichte verbindet. Die möchte ich euch an dieser Stelle allerdings ersparen. Sonst wird aus der heutigen Geschichte vermutlich noch ein Fortsetzungsroman.😉
Allerdings passte dieser Tag ziemlich gut zu einem Thema, über das ich mir in den vergangenen Tagen aus verschiedenen Gründen viele Gedanken gemacht habe. Und über das ich mit euch "reden" möchte
„Aus den Augen, aus dem Sinn.“
Ich glaube, ihr kennt dieses Phänomen. Und wahrscheinlich habt ihr auch schon erlebt, wie schnell aus einem Menschen, mit dem man vorher sehr viel Zeit verbracht hat, plötzlich jemand wird, von dem man kaum noch etwas hört.
Ich habe vor einiger Zeit schon einmal über den „Zug des Lebens“ geschrieben, über Menschen, die in unser Leben einsteigen, ein Stück mit uns fahren und irgendwann wieder aussteigen. Das gehört zum Leben dazu und ich finde es grundsätzlich auch gar nicht schlimm. Nicht jeder Mensch, der uns eine Zeit lang begleitet, bleibt für immer. Lebenswege verändern sich, manchmal entwickeln wir uns in unterschiedliche Richtungen und manchmal gibt es dafür nicht einmal einen besonderen Grund.
Erstaunlich finde ich trotzdem, wie schnell es gelegentlich geht... Ich erinnere mich an Abschiede mit Tränen, Umarmungen und dem festen Versprechen, dass man sich auf gar keinen Fall aus den Augen verlieren wird. Natürlich bleibt man in Kontakt. Natürlich sieht man sich regelmäßig. Natürlich ändert sich nichts, nur weil man sich nicht mehr jeden Tag begegnet. Und manchmal hält dieses „Natürlich“ ungefähr so lange, bis die Tränen getrocknet sind.
Ich meine das gar nicht vorwurfsvoll und glaube auch nicht, dass dahinter in den meisten Fällen eine böse Absicht steckt. Das Leben geht weiter, der Alltag übernimmt wieder das Kommando, andere Menschen rücken näher und das, was vorher ganz selbstverständlich passiert ist, müsste plötzlich bewusst gepflegt werden.
Und genau dann zeigt sich für mich, was eine Verbindung wirklich wert ist...
Solange wir uns jeden Tag sehen, müssen wir schließlich überhaupt nichts dafür tun, miteinander in Kontakt zu bleiben. Wir begegnen uns automatisch, reden miteinander, trinken vielleicht einen Kaffee, erzählen uns von unserem Tag und nehmen ganz selbstverständlich am Leben des anderen teil. Erst wenn diese Selbstverständlichkeit wegfällt, merkt man, ob auf beiden Seiten überhaupt der Wunsch besteht, daran etwas festzuhalten.
Und manchmal tut diese Erkenntnis eben auch ein bisschen weh. Vor allem dann, wenn man merkt, dass man offenbar nicht nur aus dem Blickfeld, sondern tatsächlich auch aus dem Leben eines anderen verschwunden ist. Wenn Menschen, mit denen man lange Zeit eng zusammengearbeitet, viel erlebt, gelacht, geredet und vielleicht auch schwierige Zeiten geteilt hat, plötzlich kaum noch Interesse zeigen, nur weil man nicht mehr jeden Tag vor ihrer Nase sitzt.
Dann frage zumindest ich mich schon, welche Bedeutung diese Verbindung eigentlich hatte. Ob ich als Mensch wichtig war oder einfach sehr selbstverständlich zum jeweiligen Alltag gehört habe - oder gar einfach nur nützlich war... Und manchmal macht mich die Antwort, die ich mir darauf gebe, durchaus traurig.
Gleichzeitig weiß ich auch, dass nicht jede Verbindung für die Ewigkeit gemacht ist und dass eine gemeinsame Zeit nicht weniger wertvoll wird, nur weil sie irgendwann endet. Menschen dürfen aus meinem Leben verschwinden und ich darf genauso aus dem Leben anderer verschwinden. Das ist völlig in Ordnung.
Was ich allerdings inzwischen ziemlich sicher weiß: „Aus den Augen, aus dem Sinn“ ist kein Automatismus. Wenn Menschen sich wirklich nicht aus den Augen verlieren wollen, dann tun sie es auch nicht.
Dafür muss man sich weder jeden Tag schreiben noch ständig sehen. Es können Wochen oder Monate vergehen. Aber irgendwann greift einer zum Telefon, schreibt eine Nachricht oder fragt einfach: „Wann sehen wir uns eigentlich mal wieder?“ Nicht, weil er etwas braucht. Nicht, weil es irgendeinen Anlass gibt. Sondern weil er den anderen Menschen sehen möchte.
Gestern saßen zwei wunderbare Beispiele dafür mit mir im Garten. Zwei Menschen, die längst nicht mehr selbstverständlich zu meinem täglichen Leben gehören und trotzdem nie wirklich daraus verschwunden sind. Unsere Lebensumstände haben sich verändert, unsere Wege verlaufen heute anders und wir sehen uns wesentlich seltener als früher. Trotzdem war da gestern dieses vertraute Gefühl, miteinander reden und lachen zu können und sich füreinander zu interessieren.
Und genau darin liegt für mich inzwischen der Unterschied. Ich möchte niemanden in meinem Leben festhalten müssen. Ich möchte auch niemandem hinterherlaufen und regelmäßig daran erinnern, dass es mich noch gibt. Ich schaue lieber darauf, wer von ganz allein bleibt. Wer sich meldet, obwohl er nichts braucht. Wer wissen möchte, wie es mir geht. Wer irgendwann wieder neben mir auf der Lieblingsbank sitzt und mit mir redet, obwohl unser Alltag längst nicht mehr derselbe ist.
Dass manche Menschen aus den Augen und damit tatsächlich irgendwann aus dem Sinn geraten, gehört wohl zum Leben. Umso schöner sind diejenigen, bei denen das nicht passiert.
Und während ich jetzt meinen Morgenkaffee trinke und euch davon erzähle, freue ich mich schon auf den späten Nachmittag. Denn dann treffe ich ein weiteres sehr schönes Beispiel dafür. Einen Menschen, den ich nicht ständig sehe. Aber ganz offensichtlich auch nicht aus dem Sinn verloren habe.
Ich freue mich auf das Wiedersehen und die gemeinsame Zeit 🩷 Vorher aber wartet noch ein vollgepackter Terminkalender auf mich. Und dem werde ich mich jetzt widmen... ich wünsche euch einen schönen Tag 🫶
Kommentar hinzufügen
Kommentare