„Alt ist man dann, wenn man an der Vergangenheit mehr Freude hat als an der Zukunft.“ — John Knittel
Guten Morgen liebe Leserinnen und liebe Leser ❤️ Ich muss leider leicht zitternd feststellen, dass der Herbst offenbar beschlossen hat, nicht mehr nur vorsichtig anzuklopfen. Es ist ziemlich kühl geworden und langsam hilft auch konsequentes Ignorieren nicht mehr. Ich könnte natürlich weiterhin behaupten, dass wir Spätsommer haben, aber meine kalten Füße vertreten dazu inzwischen eine deutlich andere Meinung...
Gestern war Donnerstag und ich hatte einen ziemlich vollen Terminplan im Garten-Homeoffice. Einer der Termine lag mir besonders am Herzen. Denn es ging um etwas, das ich sehr spannend finde: generationenübergreifende Zusammenarbeit. Und damit meine ich nicht nur die Zusammenarbeit lm Büro - sondern alle Lebensbereiche.
Denn wenn Erfahrung und Lebenserfahrung auf neue Ideen, Neugier und den Mut treffen, Dinge anders zu machen, entsteht im besten Fall eine ziemlich unschlagbare Mischung. Und nachdem wir darüber gesprochen haben, welche Besonderheiten sich ergeben, wenn mehrere Generationen zusammentreffen, musste ich irgendwann an meinen Garten denken.
Als ich ihn damals übernommen habe, war ich nämlich noch jung. Zumindest gärtnerisch betrachtet. Ich hatte jede Menge Begeisterung, viele Ideen und ungefähr genauso viele Dinge, von denen ich überhaupt keine Ahnung hatte. Und um mich herum waren Menschen, die schon seit vielen Jahren gärtnerten und ziemlich genau wussten, wann man was schneidet, pflanzt, sät, erntet oder besser einfach in Ruhe lässt.
Ich war damals sehr dankbar für diese Menschen. Für ihre Tipps, ihre Erfahrungen und dafür, dass ich jederzeit jemanden fragen konnte. Zugegeben, manche Ratschläge bekam ich auch, ohne vorher eine Frage gestellt zu haben. Das gehört vermutlich zur Grundausstattung eines Kleingartenvereins und wird automatisch mit der Parzelle übergeben. 😁 Trotzdem habe ich unglaublich viel davon mitgenommen.
Und gleichzeitig habe ich natürlich nicht alles genauso gemacht, wie man es mir empfohlen hat. Ich habe ausprobiert, verändert, Fehler gemacht, Pflanzen an Stellen gesetzt, an denen sie angeblich niemals funktionieren konnten, und manchmal festgestellt, dass die alten Hasen recht hatten. Manchmal aber eben auch nicht.
Genau darin liegt für mich der eigentliche Wert von generationenübergreifender Zusammenarbeit. Es geht nicht darum, dass die einen wissen, wie es geht, und die anderen gefälligst zuhören sollen. Genauso wenig geht es darum, alles Alte über Bord zu werfen, nur weil man eine neue Idee hat. Es geht darum, voneinander zu lernen.
Erfahrung darf Neugier treffen. Bewährtes darf hinterfragt werden. Neues darf ausprobiert werden. Und wer schon ein paar Runden mehr gedreht hat, kann manchmal vor einem Schlagloch warnen, in das man nicht unbedingt selbst hineinfallen muss.
Im Garten funktioniert das seit Generationen genau so. Wissen wird weitergegeben, verändert, ergänzt und manchmal auch liebevoll ignoriert. Und am Ende wächst trotzdem etwas daraus. Für meinem Garten kann ich heute feststellen: es ist sehr viel gewachsen - sogar jede Menge Deko 😉
Nach meinem Arbeitstag ging es dann raus aus dem Garten-Homeoffice und rein in die Stadt. Ich habe mich mit meiner lieben Kollegin getroffen, die mittlerweile längst auch eine liebe Freundin geworden ist. Wir haben sehr leckeres alkoholfreies Gurkenwasser mit Ingwer getrunken, was für mich schon fast die herbstliche Weiterentwicklung meines Sommergetränks ist, einen leckeren Salat gegessen, ganz viel gequatscht und einfach eine richtig schöne Zeit miteinander verbracht.
Anschließend fuhr ich zurück in den Garten, wo ich den Donnerstag ganz gemütlich habe ausklingen lassen.
Und während ich jetzt hier mit meinem Morgenkaffee sitze, denke ich, dass wir uns dieses Prinzip aus dem Garten ruhig häufiger abschauen könnten. Nicht nur im Arbeitsleben. Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen, unterschiedlichen Blickwinkeln und unterschiedlichen Ideen müssen nicht gegeneinander antreten. Sie können sich ergänzen.
Die jungen Hüpfer müssen dabei nicht alles neu erfinden und die alten Hasen nicht alles verteidigen, nur weil es schon immer so gemacht wurde. Und irgendwo dazwischen wächst dann möglicherweise etwas ziemlich Gutes.
In diesem Sinne wünsche ich euch einen wunderschönen Freitag. Und falls euch heute jemand einen ungefragten Ratschlag gibt: Hört ihn euch wenigstens kurz an. Ihr müsst ihn ja nicht einpflanzen. 😉
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