„Man muss den Mut haben, unvollkommen zu sein. Wer perfekt sein will, hat keine Zeit fürs Glück.“ – Janosch
Guten Morgen liebe Leserinnen und liebe Leser 🩷 Eigentlich hatte ich mich ja für den Rest der Woche bereits von euch verabschiedet. Zu viele Termine, zu wenig Zeit zum Schreiben und überhaupt. Und ich hatte auch wirklich vor, mich daran zu halten. Hat ja hervorragend funktioniert. 🤣
Aber in den vergangenen Tagen ist tatsächlich einiges passiert, das ich euch unmöglich vorenthalten kann. Unter anderem habe ich mich offenbar zu einer attraktiven Arbeitgeberin entwickelt. Aber der Reihe nach.
Zunächst war ich ja beruflich im Ruhrpott unterwegs und habe mich dort gemeinsam mit einem lieben Kollegen intensiv mit den Themen Teamkultur, Zusammenhalt und Zusammenarbeit beschäftigt. Es war anstrengend, stellenweise ziemlich lustig und hat unglaublich viel Spaß gemacht. Ich mag solche Workshops einfach gerne. Und wenn man dann noch einen Kollegen an seiner Seite hat, mit dem die Zusammenarbeit so viel Freude macht, umso besser.
Weniger erfreulich war allerdings meine anschließende Heimreise. Ich hatte nämlich die ausgesprochen hervorragende Idee, Verwaltungskosten zu sparen und mich nach einem langen Arbeitstag mitten in die Rushhour zu begeben. Gemeinsam mit vermutlich der halben Bevölkerung Nordrhein-Westfalens...
Immerhin war der Zusammenhalt auf der Autobahn beeindruckend. Wir standen über weite Strecken ausgesprochen geschlossen zusammen. 🤣 Irgendwann, deutlich später als geplant, kam ich dann endlich zu Hause an. Völlig erledigt, todmüde und eigentlich nur noch an meinem Bett interessiert.
Und dann? Konnte ich nicht schlafen. Ist ja klar. Wenn man sich stundenlang nichts sehnlicher wünscht, als endlich ins Bett zu fallen, kann man schließlich nicht erwarten, darin auch tatsächlich schlafen zu können. Wäre vermutlich zu einfach gewesen.
Immerhin verlief mein Donnerstag deutlich entspannter. Den habe ich nämlich im Garten verbracht und von dort aus gearbeitet. Ein bisschen Homeoffice zwischen meinen Pflanzen, den gefiederten Mitbewohnern und all den anderen Gestalten, die sich im Soutyhof inzwischen ausgesprochen heimisch fühlen.
Zwischendurch gab es natürlich den einen oder anderen Kaffee und gelegentlich einen Blick aus dem Fenster. Ich glaube ja inzwischen, dass meine tierischen Gartenbewohner eine ziemlich genaue Vorstellung davon haben, wann ich wo zu sein habe. Und vermutlich wundern sie sich gelegentlich, warum ich mich nicht ausschließlich um ihre Bedürfnisse kümmere. Aber gut. Man kann es schließlich nicht jedem recht machen.
Und dann habe ich am Donnerstag in mein E-Mail-Postfach geschaut. Nicht in mein berufliches, sondern in das meiner Kleingarten-Homepage. Dort entdeckte ich eine Nachricht, die offenbar schon seit einigen Tagen ungelesen vor sich hin schlummerte.
Betreff: Ausbildung als Florist / Gärtner.
Wie bitte? 🤣 Tatsächlich hatte mir ein freundlicher Herr eine richtige Bewerbung geschickt. Mit Anschreiben und Unterlagen im Anhang! Er berichtete von seiner Begeisterung für Pflanzen, seiner Erfahrung mit einem großen Garten und seinem Wunsch, den Beruf des Gärtners oder Floristen zu erlernen. Und dann las ich Folgendes:
„Ich bin sehr motiviert, fleißig und bereit, mehr als neun Stunden täglich sowie auch am Wochenende zu arbeiten.“
Also da musste ich erst einmal kurz innehalten und kam natürlich in die Versuchung, die Bewerbung anzunehmen 😉Mehr als neun Stunden täglich? Auch am Wochenende? Freiwillig? Ich selbst bin gelegentlich schon nach einer Stunde Unkrautjäten der Meinung, dass ich für heute wirklich genug geleistet habe. 🤣 Aber es kam noch besser.
„Mein größter Wunsch ist es, bei Ihnen meine Karriere aufzubauen.“
Bei mir! Ich habe kurz überlegt, ob ich möglicherweise versehentlich eine Gärtnerei gegründet habe, ohne etwas davon mitzubekommen.
Immerhin hätte ich dann endlich jemanden, der sich um die Dinge kümmert, die ich seit Wochen erfolgreich vor mir herschiebe. Den restlichen Schuppen aufräumen zum Beispiel. Oder die vielen anderen kleinen Baustellen, die in meinem Garten auf wundersame Weise niemals weniger werden.
Andererseits müsste ich dann vermutlich auch ein Gehalt bezahlen. Und so begeistert, wie ich von meinem Garten bin, wirft er bisher eher überschaubare Gewinne ab. Um genau zu sein, überhaupt keine. Es sei denn, man rechnet ein paar Tomaten, gelegentliche Zucchini und jede Menge frische Luft als wirtschaftlichen Erfolg.
Ich stelle mir gerade vor, wie ich meinem neuen Mitarbeiter morgens seine Aufgaben erkläre, während ich selbst gemütlich mit einer Tasse Kaffee auf meiner Lieblingsbank sitze. Wobei ich vermutlich spätestens nach zehn Minuten ein schlechtes Gewissen bekäme und mithelfen würde. Ihr kennt mich ja. 😉
Natürlich habe ich keine Gärtnerei, keinen Blumenladen und schon gar keinen Ausbildungsbetrieb. Ich betreibe lediglich einen Kleingarten und schreibe darüber, was mir dort und im restlichen Leben so alles passiert.
Trotzdem fand ich die Bewerbung irgendwie schön. Da schreibt ein Mensch mit so viel Begeisterung über Pflanzen und seinen Berufswunsch und bittet mich, ihm eine Chance zu geben. Ich wünsche ihm jedenfalls sehr, dass er einen passenden Ausbildungsplatz findet. Auch wenn ich befürchte, dass er bei mir beruflich nicht besonders weit kommen würde. Höchstens bis zum Geräteschuppen. 🤣
Gestern ging es dann übrigens direkt mit der Gartenarbeit weiter. Denn nachdem es am Morgen tatsächlich zum ersten Mal gefroren hatte, war nun endgültig höchste Zeit, meine frostempfindlichen Pflänzchen in Sicherheit zu bringen.
Also habe ich nach Feierabend sämtliche Kübel und Töpfe eingesammelt und ins Gewächshaus geschleppt. Und ich sage euch, das war vielleicht eine Aktion!
Draußen war es bitterkalt, während ich zwischen Oleander, Olivenbäumen und diversen anderen grünen Kandidaten irgendwann ordentlich ins Schwitzen kam. Offenbar braucht man für ein kostenloses Fitnessprogramm weder ein Fitnessstudio noch besonders warme Temperaturen. Ein Kleingarten reicht völlig aus. Zumindest, wenn man keine Angestellten hat 😉
Jedenfalls haben meine Pflänzchen jetzt alle ein geschütztes Plätzchen im Gewächshaus gefunden. Und ich habe Rücken. Man muss eben Prioritäten setzen. 🤣
Aber damit war mein Freitag noch nicht ganz vorbei. Denn es stand auch noch eine Aufgabe auf dem Programm, die ich persönlich ungefähr so gerne erledige wie eine Wurzelbehandlung ohne Betäubung. Ihr könnt es euch vielleicht schon denken und erinnert euch an meine persönliche Horrorstory in 3 Akten? Genau...
Die Wasseruhr! Treue Leserinnen und Leser erinnern sich vielleicht an meinen Schacht des Todes. Dieses ausgesprochen einladende Erdloch, in das ich gelegentlich hineinschauen muss, um ein Foto der Wasseruhr zu machen. Und glaubt mir, ich würde wirklich vieles lieber tun.
Ich habe ja grundsätzlich nichts gegen die Natur. Solange sie dort bleibt, wo ich sie gerne hätte. Aber in diesem Schacht könnte sich meiner Vorstellung nach eine komplette, bisher unentdeckte Tierwelt angesiedelt haben. Und ich verspüre wirklich keinerlei Bedürfnis, deren Bekanntschaft zu machen.
Umso glücklicher war ich, dass sich gestern mal wieder ein barmherziger Samariter gefunden hat. Mein lieber Gartennachbar ist nämlich tatsächlich in diesen Schacht geklettert und hat das notwendige Foto gemacht. Einfach so!
Während ich vermutlich schon beim bloßen Gedanken an die Aktion sämtliche bekannten und unbekannten Spinnenarten vor meinem inneren Auge vorbeiziehen sah, hat er sich um das Problem gekümmert. Ich kann euch gar nicht sagen, wie sehr ich mich darüber gefreut habe.
Und damit war mein Freitag dann auch tatsächlich gerettet. Die Pflanzen im Gewächshaus, die Wasseruhr fotografiert und ich selbst noch immer außerhalb des Schachtes. Besser hätte es kaum laufen können. 🤣
Als ich später darüber nachgedacht habe, musste ich übrigens wieder über meine Bewerbung schmunzeln..Da beschäftige ich mich beruflich mit Teamarbeit und Zusammenhalt, bekomme plötzlich eine Bewerbung für mein eigenes Gartenteam und habe dann auch noch einen Nachbarn, der freiwillig die Aufgaben übernimmt, vor denen ich mich am liebsten drücken würde.
Vielleicht sollte ich demnächst wirklich einmal eine kleine Teamsitzung im Soutyhof einberufen. Mit Olga, Oleg und den übrigen Gartenbewohnern. Wobei ich befürchte, dass die Tagesordnung ausschließlich aus Futter, Futter und noch mehr Futter bestehen würde. Und dass ich anschließend wieder diejenige wäre, die sämtliche Aufgaben erledigen darf. Also bleibt vorerst alles beim Alten.
Ich bin weiterhin Gartenbesitzerin, Hobbygärtnerin, Geschichtenerzählerin und gelegentlich auch diejenige, die sich darüber wundert, was man im Kleingarten so alles erlebt. Nur Personalchefin werde ich wohl nicht mehr. Zumindest nicht im Soutyhof.
Wobei ich für die Position des Schachtbeauftragten inzwischen immerhin einen ausgesprochen geeigneten Kandidaten gefunden habe. 🤣
Ich wünsche euch ein wunderschönes Wochenende, möglichst wenig Rücken und vor allem Menschen an eurer Seite, die euch gelegentlich auch mal unangenehme Aufgaben abnehmen. Und falls ihr euch jetzt fragt, ob ich meine angekündigte Schreibpause damit endgültig beendet habe ... Keine Ahnung. Wir werden sehen. 🤣
Habt es schön und passt gut auf euch auf. 🩷
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