Mein Freund der Baum... 💚

Veröffentlicht am 15. März 2026 um 09:39

Guten Morgen liebe Leserinnen und liebe Leser, gestern ist einer meiner Bäume gestorben. Oder besser gesagt, habe ich gestern festgestellt, dass er zumindest dabei war, zu sterben und habe entsprechend gehandelt... und während ich hier mit meinem Morgenkaffee auf der Lieblingsbank sitze und die Sonne genieße, bin ich immernoch sehr traurig darüber. Aber... es gibt auch Hoffnung auf ein kleines Happyend. Warum? Das erzähle ich euch später. 

Zuerst möchte ich euch von meinem Freitag erzählen, der kalt, nass und äußerst unspektakulär war. Einer dieser Tage, über die man eigentlich keine Geschichte schreiben möchte. Und der trotzdem seine Momente hatte. Zumindest, wenn man genau hinschaut und unbedingt etwas Schönes in einem Tag finden möchte. In meinem Fall waren das ein paar Telefonate mit lieben Menschen, der ein oder andere Kaffee auf der Lieblingsbank und... diverse Kuscheleinheiten mit Coco und ein entspanntes Vollbad am Abend. Ach und dazwischen eine weitere Etappe in meiner inzwischen fast schon epischen Internetgeschichte im Garten...

Dieses Mal scheint tatsächlich die Hardware aufgegeben zu haben. Nachdem das Netz schon länger seine kleinen Spielchen mit mir treibt, hat nun offenbar auch der Router beschlossen, dass er genug hat. Also habe ich mich irgendwann damit abgefunden, dass er wohl in den wohlverdienten Ruhestand gehen darf und ein neuer Router einziehen wird.

Manchmal muss man Dinge einfach loslassen – selbst wenn sie nur aus Kabeln bestehen. Vor allem dann, wenn sie Nerven kosten und graue Haare kosten. 

Der Samstag begann dagegen ganz friedlich. Ich habe ausgeschlafen, mir einen Morgenkaffee gemacht und ihn auf der Lieblingsbank im Garten getrunken - trotz Kälte und Nieselregen. Denn diese ersten Minuten am Morgen gehören zu meinen liebsten im Garten. Wenn noch alles ruhig ist und der Tag sich noch nicht entschieden hat, was er mit uns vorhat.

Später kam ein Bekannter vorbei, um sich meinen armen Birnbaum anzuschauen, der irgendwie nicht mehr gesund aussah und verdächtig wackelte... lch hatte da so einen Verdacht... Ihr erinnert euch vielleicht: die Wühlmäuse – oder wie ich sie nenne – diese kleinen Arschgeigen, die schon viel Schaden angerichtet und diverse Pflanzen getötet hatten...Nun, leider sieht es so aus, als hätten sie tatsächlich ein weiteres Opfer zu verantworten. Und in diesem Fall haben sie wirklich ganze Arbeit geleistet.

Der Baum hatte bereits einige tote Äste, sah mehr als krank aus und wackelte inzwischen so sehr, dass wir handeln mussten. Er war nämlich gleichzeitig sehr hoch und schwer und hätte dem nächsten Sturm sicher nicht standgehalten. Und so habe ich eine Entscheidung getroffen, die nötig war und die mich trotzdem sehr sehr traurig gemacht hat... ich bat meinen fleißigen Helfer, die Krone komplett zu entfernen und den Baum so stark einzukürzen, dassver keine Gefahr mehr darstellt. Während wir dort standen und er entschlossen sägte, hatte ich ehrlich gesagt einen dicken Kloß im Hals. Und in meinem Kopf erklang ständig die Melodie von "Mein Freund der Baum ist tot"...

Ich war wirklich richtig doll traurig und jeder Schnitt tat mir in der Seele weh. Denn das war ja nicht irgendein Baum. Es war mein Baum. Der mich über mehrere Jahre begleitet und mich mit seinem Anblick erfreut hat  Ein Baum, der mir Schatten gespendet und viele leckere Birnen geschenkt hatte. Er stand da und gehörte einfach dazu.

Nach einer Weile Sägen und schneiden waren dann irgendwann nur noch ein Teil des Stamms und ein paar einzelne Zweige übrig und dieser Anblick war für mich so ziemlich der traurigste, den ich im Garten jemals hatte. Gleich nach dem der Heckenpflanze, die ebenfalls Opfer der Wühler geworden war. Dort durfte danach ja meine rostige Tür ihren Platz finden. Und gestern habe ich beschlossen, dass auch  Baum irgendwie weiterleben muss. Wenn auch anders, als ursprünglich gedacht. 

Also bin ich kurzerhand in den Baumarkt gefahren – das Gartencenter hatte schon geschlossen – und habe nach etwas Schönem gesucht, das aus dieser traurigen Stelle im Garten wieder einen lebendigen Ort machen darf. Und (natürlich) bin ich fündig geworden...

Mit nach Hause kamen ein wunderschöner Blauregen und eine Lavendelpflanze. Beide habe ich gleich neben dem gekürzten Stamm eingepflanzt. Vielleicht wächst der Blauregen eines Tages an ihm empor und verwandelt den alten Birnbaum in eine Art grünes Gerüst voller rosafarbener Blüten... und der Lavendel sorgt dafür, dass die Bienchen und Insekten den Ort ein wenig beleben. 

Aber die Geschichte ist hier noch nicht zu Ende... denn wenn man einmal anfängt, Pflanzen anzuschauen … ihr kennt das ja. Ich ging durch die bunten Gänge im Außenbereich des Baumarktes und...Da stand sie. Die Magnolie...

Seit Jahren wünsche ich mir eine. Und vorne im Garten klafft ohnehin schon länger eine große Lücke, weil dort ein kleiner Apfelbaum den Wühlmäusen zum Opfer gefallen ist. Also habe ich mir diesen kleinen Traum endlich erfüllt und diese Magnolie mitgenommen – mit wunderschönen dicken Blütenknospen... Und weil gestern offenbar heute der Tag der neuen Bäume war, durfte auch noch ein kleines Aprikosenbäumchen mit nach Hause. Für die Stelle im Garten, die immerschon nach einem neuen Bäumchen gerufen hatte.

Nachdem ich alles irgendwie in meinem kleinen Flitzer verstaut hatte, ging es dann zurück in den Garten, wo ich mich mit Gummistiefeln, Handschuhen und Spaten bewaffnete, um diverse Pflanzlöcher auszuheben. Was übrigens eher eine kleine archäologische Ausgrabung zu sein schien. Aber irgendwann standen dann alle Bäumchen da, wo sie hingehörten. Genau an dem Platz, an dem früher einmal andere Bäumchen standen. Der Kreislauf des Lebens... und irgendwie traurig schön. 

Und während ich mich über meine neuen Gartenbewohner freute, lagen die Überreste des Birnbaums daneben. Ein bisschen traurig sah er aus. Aber dann kam mir noch eine andere Idee. Ich schnitt ein paar der Äste ab und stellte sie in eine Vase. Zusammen mit ein paar Tulpen und anderem "Schnitgut". Ein schöner und tröstlicher Anblick. Und ich h hoffe sehr, dass sie dort aufblühen werden. Und dass sie mich noch ein bisschen daran erinnern, was für ein wunderschöner Birnbaum das einmal war...

Als ich gerade fertig war mit meinem Tagewerk und nochmal die eingepflanzte Magnolie bewunderte, wurde der Himmel plötzlich sehr dunkel irgendwo donnerte es. Und gleich danach... fing es plötzlich an zu hageln. Wirklich. Punktgenau.

Ich musste lachen und habe kurz zum Himmel geschaut. Manchmal hat Petrus offenbar einen ganz eigenen Humor.

Aber wisst ihr was?

Trotz des verlorenen Baumes war dieser Tag am Ende gar nicht traurig. Denn im Garten – und vielleicht auch im Leben – geht es gar nicht darum, dass immer alles bleibt. Manchmal geht etwas zu Ende, damit etwas Neues entstehen kann. Der alte Birnbaum steht noch da. Vielleicht wird er bald ein Klettergerüst für Blauregen. Und seine Zweige blühen vielleicht noch einmal auf meinem Gartentisch. Und genau darin liegt vielleicht dieses kleine Gartengeheimnis.

Das Glück wächst oft genau dort weiter, wo man gerade dachte, dass etwas verloren gegangen ist.

Oder wie Antoine de Saint-Exupéry einmal schrieb:

„Die Zukunft soll man nicht voraussehen wollen, sondern möglich machen.“

Und manchmal beginnt genau das mit einem Spaten, einem neuen Bäumchen – und einer Portion Hoffnung.

Jetzt werde ich meinen Rosen zu neuer Hoffnung verhelfen und wünsche euch einen wunderschönen Sonntag 🩷

 

Kommentar hinzufügen

Kommentare

Es gibt noch keine Kommentare.