"Es ist nie zu spät, so zu sein, wie man gerne gewesen wäre."- George Eliot
Guten Morgen, liebe Leserinnen und liebe Leser. Auf diese Geschichte musstet ihr etwas länger warten und deshalb gebe ich mir heute auch ganz besonders viel Mühe beim Schreiben.😉 Und möchte euch vorab mitteilen, dass ich dieser Tage einen Beschluss gefasst habe. Nämlich den, dass ich alt genug bin, um gelb zu tragen. Wie es dazu kam, erkläre ich euch später.
Zuerst aber möchte ich von den letzten Tagen erzählen, die ganz besondere Tage waren. Und die mir auch wenig Zeit gelassen haben, meine Gedanken zu sortieren oder aufzuschreiben. Den Dienstag habe ich überwiegend im Büro verbrach, war dann schnell einkaufen, um danach einen Kuchen zu backen. Einen Geburtstagskuchen für meinen Neffen, der am Mittwoch tatsächlich schon 18 wurde. Wie ihr bereits wisst, gehört Kuchen backen nicht zu meinen Kernkompetenzen. Ich habe zwar über die Jahre schon einige Male geübt, aber trotzdem ist es immer wieder ein größeres Projekt und leider geht auch meistens irgendetwas schief...
Dieses Mal hat es - zu meiner großen Freude - reibungslos funktioniert und mein Kuchen war um halb zehn fertig. Allerdings konnte ich dann trotzdem nicht ins Bett gehen, denn ich hatte noch verschiedene Dinge vor. Zum Beispiel Fotos gucken von früher und aus den 18 Jahren, die ich mit meinem ersten Patenkind bisher verbringen durfte... und weil das für mich zu Geburtstagen von Patenkindern dazu gehört, habe ich danach jede Menge dieser Fotos zusammengepackt, um einen Film daraus zu gestalten.
Wer schon einmal mit solchen Apps gearbeitet hat, weiß: Geduld ist dabei eine sehr hilfreiche Eigenschaft. Werbung, Musik, kleine technische Hürden – alles dabei. Und trotzdem: Am Ende hat es geklappt und ganz nebenbei hatte ich auch die Wartezeit bis Mitternacht überbrückt. Um Punkt 0:00 Uhr ging das Video raus an mein endlich volljähriges Patenkind.
Und in genau diesem Moment blieb ein Gedanke hängen...Alt genug.
Mit 18 ist man alt genug für so vieles. Alt genug, eigene Entscheidungen zu treffen. Alt genug, Verantwortung zu übernehmen. Alt genug, den eigenen Weg zu gehen. Mit 18 darf man Auto fahren, wählen und muss grundsätzlich nicht mehr um Erlaubnis bitten. Das Leben liegt quasi als Buch voller leerer Seiten vor einem und man hat Pläne, Träume, Ideen und Ziele. Man fiebert auf den Tag der Volljährigkeit hin, zählt die Tage. Und dann… wird man 18 und jeden Tag ein bisschen älter, trifft Entscheidungen, probiert sich aus, macht Fehler, fängt nochmal an.
Und irgendwie passiert währenddessen etwas Merkwürdiges. Man ist immer noch alt genug – und gleichzeitig fängt man an, sich selbst wieder einzuschränken. Man überlegt mehr. Zweifelt mehr. Fragt sich: „Was denken die anderen?“ „Ist das vernünftig?“ „Macht man das so?“ Und fast unbemerkt verliert man ein Stück von dieser Selbstverständlichkeit, die man mit 18 noch hatte. Die Träume und Wünsche, die man einmal hatte, werden vom Alltag, von Verpflichtungen und von der Vernunft in ihre Schranken verwiesen und verschwinden zuweilen hinter Terminkalendern, Meetings und anderen Dingen, die vermeintlich wichtiger sind.
Man ist alt genug, selbst zu entscheiden und... entscheidet viel zu häufig nicht FÜR SICH und für die anderen. Manchmal aus Angst, manchmal aus Bequemlichkeit, manchmal auch unbewusst. Und dann... wacht man vielleicht irgendwann morgens auf und fragt sich, ob das alles richtig ist. Ob es das Leben ist, das man sich erträumt hatte, als man damals darauf hin gefiebert hat, endlich 18 zu werden und entscheiden zu dürfen.
Man ist zwar alt genug, alles zu tun, was einen glücklich machen würde. Und gleichzeitig offensichtlich noch nicht alt genug dafür, es einfach zu tun. Oder vielleicht doch?
Darüber habe ich in den letzten Tagen nachgedacht und mir ist aufgefallen, dass ich mir im Unterschied zu früher heute weniger Gedanken darüber mache, was andere von mir denken oder erwarten. Und dass ich gleichzeitig immernoch zu häufig hadere, zweifle und auch über mein Äußeres nachdenke...
Wie sehe ich aus? Kommen Falten? Habe ich einen grauen Ansatz? Ist vielleicht das ein oder andere Pölsterchen hinzugekommen? Diese Fragen verhindern an irgendeiner Stelle, dass man genau die Dinge tut, die man tun dürfte, weil man ja volljährig ist. Genau darüber habe ich auch mit einer lieben Kollegin gesprochen. Die hat dieses Thema gerade für sich entdeckt und sich die Frage gestellt, wo sie eigentlich in ihrem eigenen Leben stattfindet...Welche Dinge sie gegen ihren Willen tut, um anderen eine Freude zu machen oder um gemocht zu werden? Und ob sie nicht mittlerweile zu alt dafür ist, etwas daran zu ändern. Ich denke nicht!
Und zufällig habe ich zeitgleich ein wunderbares Hörbuch entdeckt. Es heißt passenderweise "Alt genug", ist von Ildiko von Kürthy - die irgendwann auch mal das Buch "Mondscheintarif" geschrieben und mlr damit ein paar Abende meiner Jugend versüßt hat. Das Buch ist wirklich richtig toll und hat mich fasziniert und inspiriert. Denn es handelt von persönlichen Weg der Autorin zum Glück 💚 Und der ist vielleicht nicht ganz so gestaltet, wie man es im ersten Moment erwarten würde...
Denn Frau von Kürthy ist stolz darauf, genauso alt zu sein, wie sie ist und betrachtet ihr Alter als Geschenk. Sie sagt Dinge wie, "Ich bin alt genug, um mir keine Gedanken darüber zu machen, was andere Leute von mir denken."... "Ich bin endlich alt genug, um roten Lippenstift zu tragen... alt genug, um in irgendeiner Weise das zu tun, was ich immer schon mal tun wollte und was ich aus irgendwelchen bisher Gründen nicht getan habe."
Und ihr Weg zum Glück lässt sich wie folgt zusammenfassen:
1. Du musst niemandem mehr gefallen – außer dir selbst.
Irgendwann kommt dieser Punkt, an dem man merkt:
Die Energie, es allen recht zu machen, ist einfach zu kostbar.
Und plötzlich wird es leichter. Ehrlicher. Freier.
2. Es ist nie zu spät für ein anderes Leben – nur zu früh, um aufzugeben. Nicht alles muss bleiben, wie es ist. Man darf sich umentscheiden, neu anfangen, Dinge anders machen.
Und manchmal beginnt genau da etwas richtig Gutes.
3. Glück ist oft viel leiser, als wir denken. Es steckt nicht in den großen Momenten, sondern in den kleinen: ein ruhiger Morgen, ein gutes Gespräch, ein Gefühl von „bei sich sein“.
Wenn man das Buch gelesen (oder wie ich gehört) hat -- bleibt eine sehr schöne Erkenntnis: „Alt genug zu sein bedeutet nicht, dass alles vorbei ist – sondern dass endlich das beginnen darf, was wirklich zu mir gehört."
Das hat mich sehr zum Nachdenken angeregt. Vor allem in Kombination mit den vielen Gedanken, die ich mir dieser Tage gemacht habe. Wahrscheinlich macht man sich die automatisch, wenn ein eben noch minikleines Baby plötzlich 18 wird. Während man selbst mit großen Schritten auf die 50 zugeht... und so habe ich beschlossen, dass ich alt genug bin, um gelb zu tragen.
Was ja zugegebenermaßen eine relativ große Signalwirkung hat und halt auch in irgendeiner Weise "Hallo hier bin ich " ruft. Da ich im Moment mit mir selbst nur bedingt zufrieden bin, ist das wohl etwas überraschend. Trotzdem - oder vielleicht gerade deshalb - habe ich also beschlossen, gelb zu tragen. Einfach nur, weil ich die Farbe mag und sie mich auch an grauen Tagen an den Sonnenschein erinnert. Und weil es mir am Ende irgendwie doch ziemlich egal ist, was andere von mir denken.
Und ich habe festgestellt, dass das ein sehr befreiender Zustand ist. Dass es schön sein kann, einfach zu tun, worauf man Lust hat. Dass es schön sein kann, nicht zu überlegen, sondern einfach zu machen. Zum Beispiel einen Alleinurlaub zu buchen (der übrigens in 28 Tagen beginnt). Weil ich auch endlich alt genug bin, alleine in den Urlaub zu fahren.
Und damit kommen wir zum Mittwoch, der ein ganz besonderer war. Ein Tag, an dem einer meiner Herzensmenschen volljährig wurde. Man könnte auch sagen, dass sich mein persönliches Wunder bereits zum 18. Mal gejährt hat. Eine Tatsache, die mich unendlich dankbar und glücklich macht. Und ich wünsche diesem wunderbaren und einzigartigen jungen Mann von Herzen, dass er sich all das bewahren kann, was er in sich trägt. Und dass er nicht nur alt genug dafür ist, seinen Weg zu gehen... sondern es auch tun wird 💚
Mein Donnerstag war vollkommen unspektakulär, hatte dafür aber spektakulär tolles Wetter zu bieten ☀️ Und war auch der Tag, an dem die letzten Pflanzen endlich aus ihrem Winterquartier befreit wurden. Was gleichzeitig die perfekte Überleitung zum heutigen Tag darstellt. Dem offiziellen kalendarischen Frühlingsbeginn 🌸🩷
Den habe ich gerade bei leichtem Frost mit einem Morgenkaffee auf der Lieblingsbank zelebriert und wünsche euch einen wunderschönen Freitag 🩷
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