Guten Morgen, liebe Leserinnen und liebe Leser, ich habe heute ein kleines Geständnis abzulegen: Ich rege mich noch auf. Ja, so ist es. Und das, obwohl ich mir doch so fest vorgenommen hatte, genau das nicht mehr zu tun. Ich wollte gelassener werden, ruhiger, irgendwie weiser vielleicht. Und eigentlich klappte das in letzter Zeit recht gut. Eigentlich...denn gestern habe ich festgestellt: Ich rege mich immer noch auf. Und – das ist fast noch schlimmer – ich rege mich heute immer noch darüber auf, dass ich mich aufgeregt habe. Nun ja. Offenbar bin ich noch mitten im Training.
Dabei fing der Sonntag eigentlich genau so an, wie ein Sonntag anfangen sollte. Entspannt, sonnig, ein bisschen kühl vielleicht, aber mit dieser ganz eigenen Ruhe. Mein Morgenkaffee auf der Lieblingsbank hat sich angefühlt wie eine kleine Meditation. Ein paar Minuten nur sitzen, schauen, atmen. Danach ein bisschen Unkraut zupfen, so nebenbei und inmitten neuer Maulwurfshügel (über die ich mich vielleicht auch ein bisschen aufgeregt habe)...
Danach habe ich mich fertig gemacht und bin – ganz im Sinne eines echten Familientages – etwas früher als sonst zu meinen Eltern gefahren, weil ich danach noch etwas vorhatte. Es gab ein liebevoll zubereitetes Essen, Gespräche, dieses vertraute Gefühl von Zuhause, das sich nicht erklären lässt, sondern einfach da ist. So wie immer und genau so wie es auch sein soll.
Wieder zurück zu Hause habe ich das Auto abgestellt und mich auf den Weg gemacht – ein kleiner Spaziergang zur Jahresversammlung unseres Kleingartenvereins. Eigentlich auch so ein Termin, der nach Gemeinschaft klingt. Nach Austausch. Nach Miteinander.
Und dann… kam mein Übungsmaterial.
Ich nenne es bewusst so. Freundlich formuliert und so, dass ich ihm noch etwas Positives abgewinnen kann. Irgendwie... Denn wenn es etwas gibt, das mich wirklich, wirklich auf die Palme bringt, dann sind es Menschen, die ungerecht sind. Oder unverschämt. Oder laut. Und gestern hatte ich das Gefühl, all das sei in einer Person vereint gewesen. Vielleicht sogar in mehreren.
Das Phänomen ließ sich ziemlich schnell erkennen und noch schneller zusammenfassen: Möglichst wenig machen. Möglichst viel meckern. Und das Ganze bitte in maximaler Lautstärke.
Es ist faszinierend, wie viel Energie Menschen aufbringen können, um Dinge zu kritisieren, die sie selbst nie versucht haben besser zu machen. Wie selbstverständlich sie bewerten, beurteilen, kommentieren – ohne den leisesten Impuls, selbst einen Beitrag zu leisten. Wie laut sie brüllen und denken, dass das mutig sei...
Und während ich dort saß und mein Puls leise begann, zur Höchstform aufzulaufen, dachte ich: Aha. Da ist es also. Mein Übungsmaterial zum nächsten Kapitel im Thema Gelassenheit...
Denn die Wahrheit ist ja, dass es solche Menschen immer geben wird. In Gärten, in Vereinen, in Büros, im Leben. Und vielleicht ist es gar nicht meine Aufgabe, sie zu verändern. Vielleicht ist es meine Aufgabe, mich nicht mehr von ihnen verändern zu lassen. Ruhig zu bleiben, während sie brüllen...
Der Rückweg hat mir dann gutgetan. Denn ich bin zu Fuß gegangen, habe bewusst langsamer gemacht und plötzlich stand sie da – diese Magnolie. In voller Blüte, als hätte sie von all dem nichts mitbekommen. Oder als hätte sie beschlossen, dass all das einfach nicht wichtig ist. Ich stand da unter unzähligen wunderschönen Blüten, für die der blaue Himmel als Leinwand diente...habe ein Foto für euch gemacht und in diesem Moment gemerkt, wie mein innerer Pegel wieder sinkt. Wie ich wieder ruhiger werde.
Und vielleicht ist genau das der Weg zur Gelassenheit und damit zum Glück: Dass wir uns nicht daran messen, wie laut andere sind, sondern wie still wir danach wieder werden können. Dass wir nicht jede Ungerechtigkeit sofort ausgleichen können und müssen, sondern manchmal einfach weitergehen dürfen. Schritt für Schritt. Richtung Magnolie. Vielleicht muss nicht immer alles schön sein. Vielleicht müssen wir nur lernen, das Schöne wiederzufinden – selbst nach Momenten, die uns aus der Ruhe bringen.
Oder, um es mit den Worten von Theodor Fontane zu sagen:
„Am Mute hängt der Erfolg.“
Und manchmal ist Mut eben nicht laut, sondern leise. Manchmal steht er auf und manchmal geht er einfach weiter. Am Ende bleibt aber immer eine Tatsache: wir können andere Menschen nicht ändern. Nur unsere Reaktion auf ihr Verhalten. Und das bedarf zuweilen jeder Menge Übung. Deshalb war mein Sonntag ein guter Tag. Weil ich üben durfte und weil mein Kuchen, den ich zum Abschluss des Tages gebacken habe, gelungen ist.
Ich nehme ihn später mit zu meiner Freundin, die heute Geburtstag hat. Was gleichzeitig ein sehr guter Grund dafür ist, dass auch heute ein guter Tag wird ❤️
Ich wünsche euch einen entspannten Start in diesen Montag – mit möglichst wenig Meckern und ganz viel Magnolie im Herzen. 🌸
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