Schweiß und Tränen 💚

Veröffentlicht am 30. Mai 2026 um 08:38

Guten Morgen liebe Leserinnen und liebe Leser 🩷 Gestern war Freitag und wenn ihr meinen Armen, meinen Schultern und insbesondere meinem Rücken die Frage stellen würdet, wie der Tag so war, bekämt ihr vermutlich eine Antwort, die nicht ganz jugendfrei wäre...

Dabei fing alles eigentlich ganz harmlos an. Ein weiterer Sommertag im Mai. Ich habe im Garten-Homeoffice gearbeitet, den Blick immer wieder nach draußen schweifen lassen und zwischendurch ernsthaft darüber nachgedacht, den Ventilator aufzustellen. Das habe ich dann aber doch nicht getan - man braucht ja schließlich noch einen Joker. 

Und statt nach Feierabend in den Pool zu hüpfen, der mich verführerisch anlächelte, bin ich in mein neues Auto gestiegen. Denn ich hatte eine Mission. Und zwar eine wichtige Mission. Aufmerksame Leser wissen  schon, dass ich den Garten meines Onkels verschönern wollte. Und den größten Teil hatten mein Neffe und ich ja bereits vor einigen Wochen erledigt. Übrig geblieben waren noch zwei Säcke Erde und ein kleines Stück Beet. Zumindest dachte ich, dass es klein wäre...

Drei Stunden, nachdem ich mit meiner Pflanzenausbeute bei meinem Onkel angekommen war, wusste ich es besser. Dieses kleine Stück Beet war nämlich eine wahre Herausforderung und äußerst widerspenstig... während des Grabens wusste man nie, was als Nächstes auftauchen würde Steine... noch mehr Steine... gefühlt hundert Steine. Dazu faustdicke Wurzeln von sehr ehrgeizigem Efeu, der offenbar beschlossen hatte, sich dort dauerhaft niederzulassen. Und dann waren da noch die Schnecken...viele Schnecken... sehr viele Schnecken.

Bestimmt sechzig Häuschenschnecken, die ich alle sorgfältig eingesammelt und umgesiedelt habe, damit ihnen nichts passiert. Vermutlich gibt es jetzt irgendwo im Garten meines Onkels eine kleine Schneckensiedlung, deren Bewohner sich fragen, warum sie plötzlich in einer besseren Wohnlage leben.

Währenddessen kämpften mein Onkel und ich uns durch das  Beet beziehungsweise das Dickicht. Irgendwann ließ er die Jalousie herunter, damit wenigstens ein bisschen Schatten entstand. Das half zwar nicht gegen die Wurzeln, aber zumindest gegen einen Sonnenstich. Auch wenn ich mir wohl einen kleinen Sonnenbrand zugezogen habe 🤣 Wir machten unbeirrt weiter. Hackten, schnitten, buddelten, während der Schweiß in Strömen rann..

Als die Sonne langsam freundlicher wurde, hatten wir es tatsächlich geschafft. Die Erde war gelockert, das Unkraut entfernt, die Wurzeln besiegt und die neuen Pflanzen konnten einziehen.

Danach haben wir uns beide davor gesetzt und unser Werk betrachtet. Mit einem zufriedenen Grinsen im Gesicht. Nicht nur, weil es jetzt schöner aussah und die Mission beendet war.  Sondern weil es einfach ein gutes Gefühl ist, gemeinsam etwas geschafft zu haben. Selbst dann, wenn man dafür gefühlt einen halben Steinbruch ausgraben musste.

Zur Belohnung fragte mein Onkel mich, ob ich einen Aperitif möchte.  Er grinste. „Gin Tonic?“ Ich habe natürlich zugestimmt - rein aus Höflichkeit versteht sich. Anschließend gab es Tortellini und einen leckeren Rucolasalat, den er extra für mich zubereitet hatte. Ich genoss das Essen und die Gesellschaft. Aber irgendwann war es dann schon relativ spät und auf meiner Liste stand noch ein letzter Punkt. Blumen gießen.

Also zog ich mit dem Gartenschlauch durch den Garten, während die Sonne langsam unterging und dieses besondere Abendlicht entstand, das alles ein bisschen schöner aussehen lässt. Dabei hörte ich Musik. Genauer gesagt das neue Album der Toten Hosen. Und jetzt wird es vielleicht ein bisschen sentimental.

Die Hosen begleiten mich, seit ich ungefähr zwölf Jahre alt bin - also eigentlich fast während meines gesamten Lebens. Ich war auf unzähligen Konzerten, kenne wahrscheinlich mehr Liedtexte als vernünftige Menschen für gesund halten würden und habe mir allein für dieses Jahr gleich dreimal Tickets gegönnt. Man gönnt sich ja sonst nichts 😉

Während ich also meine Blumen goss, lief Lied für Lied und plötzlich wurde mir bewusst, dass das wirklich das letzte Studioalbum dieser Band sein soll. Und dann standen da auf einmal Tränen in meinen Augen. Keine dramatischen, sondern eher diese Sorte Tränen, die auftaucht, wenn Erinnerungen plötzlich ungefragt um die Ecke kommen. Musik kann das ja besonders gut. Man hört ein Lied und ist keine Sekunde mehr im Hier und Jetzt, sondern plötzlich wieder viele Jahre jünger.

Bei mir ist das zum Beispiel mit „Alles aus Liebe“ so. Wenn ich dieses Lied höre, bin ich sofort wieder in meinem Heimatdorf. Sommer. Ein warmer Abend. Meine Schwester und ich irgendwo unterwegs. Und dann dieser Regenguss, der eigentlich alles hätte vermiesen sollen. Hat er aber nicht. Stattdessen haben wir gelacht und waren glücklich. Ohne Schirm. Ohne Plan. Ohne uns Gedanken darüber zu machen, dass solche Momente irgendwann einmal Erinnerungen sein würden. Heute weiß ich, dass sie genau das geworden sind.

Vielleicht sind es genau diese Augenblicke, die das Leben später so wertvoll machen. Nicht die großen Ereignisse, die man lange plant. Sondern die Sommerabende, die niemand fotografiert hat. Das gemeinsame Lachen im Regen. Die Augenblicke, die völlig unspektakulär beginnen und sich irgendwann heimlich einen festen Platz im Herzen sichern.

Und während ich gestern Abend zwischen Rosen, Hochbeeten und Gartenschlauch stand, kamen genau solche Erinnerungen zurück. Nicht nur Erinnerungen an die Hosen, sondern an viele Menschen, viele Jahre und viele schöne Momente. Momente, die ich im Herzen trage und nie vergessen werde. Erinnerungen an "Tage wie diese"...Und deshalb waren die Tränen gestern eigentlich gar keine traurigen Tränen - es waren eher Tränen der Dankbarkeit.

Nächstes Jahr werde ich beim letzten offiziellen Konzert der Hosen in Düsseldorf dabei sein. In ihrer Heimatstadt.. mit Logenplatz, Spezialprogramm und ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit auch mit Taschentüchern. Ich freue mich heute schon darauf. Und auf alles, was vorher noch kommt. 

Heute steht allerdings zunächst wieder die nächste Mission Gießen an. Es ist weiterhin viel zu trocken und meine Pflanzen haben Durst. Anschließend besuche ich meine Schwester beim Schulfest ihrer Schule und dann schaue ich mal, was der Tag noch so mit sich bringt. Definitiv wird Kofferpacken dabei sein...

Denn morgen geht es nach Düsseldorf. Ich treffe dort meine Freundin, habe mir ein schönes Hotel im Medienhafen gegönnt und starte von dort aus in eine kleine Dienstreise. Deshalb verabschiede ich mich heute schon für ein paar Tage von euch.

Passt gut auf euch auf, genießt die kleinen und großen Momente des Sommers und sammelt ein paar Erinnerungen, von denen ihr vielleicht heute noch gar nicht wisst, wie wertvoll sie irgendwann einmal sein werden.

„Glück ist nicht die Summe großer Freuden, sondern die Summe kleiner Augenblicke, die uns berühren.“ – Unbekannt

Liebe Grüße und bis bald

Eure Kerstin 🌸

PS: Das Album ist richtig gut geworden und ich empfehle euch ausdrücklich, mal reinzuhören 🥰

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