Guten Morgen liebe Leserinnen und liebe Leser 💚 Da bin ich wieder und möchte kurz erwähnen, dass ich die letzten Tage nicht untätig war - im Gegenteil. Und wenn ihr diesen Text fertig gelesen habt, dann hoffe ich auf ein kleines Lob 😉 Denn das habe ich für mein Empfinden wirklich verdient. Ich habe mich nämlich meinem Garten-Entgegner gestellt und... gewonnen. Zumindest für den Moment.
Wie ihr bereits wisst, bin ich nicht besonders zimperlich und dafür bekannt, mich auch größeren Garten-Herausforderungen zu stellen. Und eigentlich gibt es dabei nur sehr wenige Arbeiten, die ich wirklich nicht gerne mache...Ich mähe gerne Rasen - was tatsächlich sogar zu meinen liebsten Gartentätigkeiten gehört. Ich schneide gerne Hecken, pflanze Blumen, fülle Hochbeete, gieße Pflanzen und freue mich über jede Gurke und jede Möglichkeit, meinen Garten zu verschönern. Selbst Unkraut jäten gehört meistens noch zu den Dingen, die ich gerne erledige. Es hat schließlich etwas sehr Befriedigendes, wenn man am Ende des Tages sieht, was man geschafft hat.
Aber dann gibt es diese wenigen Projekte, die ich nicht einfach aufschiebe... diese Projekte, vor denen ich mich regelrecht fürchte. Die Rückseite meiner Laube gehörte (auch) in diesem Jahr eindeutig dazu... Seit Wochen wusste ich, dass ich dort dringend ran muss. Jedes Mal, wenn ich vorbeiging, warf ich einen kurzen Blick hinüber und dachte: „Nicht heute.“ Und währenddessen wurden die Brennnesseln höher, der Wildwuchs dichter und die Obstbäume verschwanden immer mehr hinter einer grünen Wand, die mit jedem Tag bedrohlicher wirkte.
Und um ehrlich zu sein, habe ich die Ecke nicht ignoriert - ich habe mich vor ihr gefürchtet. Nicht nur wegen der Gartenbegehung, die irgendwann ansteht. Sondern auch, weil ich ganz genau wusste, was mich dort erwartet. Und leider nicht genau, WER mich dort alles erwartet. Und deshalb war ich froh, dass ich noch einige andere Dinge zu erledigen hatte. Trotzdem war klar, dass ich da irgendwann ran muss...
Am Donnerstag habe ich dann den ersten Angriff gestartet. Bei Regen...natürlich bei Regen. Schließlich wäre es ja langweilig gewesen, wenn das Wetter mich dabei unterstützt hätte. Also zog ich los und erklärte zunächst dem wilden Wein, dass seine Vorstellungen von Wachstum und meine Vorstellungen von Gartenpflege leider nicht miteinander vereinbar sind. Eine Arbeit, die definitiv nicht vergnügungssteuerpflichtig war und ziemlich schweißtreibend. Doch so wurde zumindest der Durchgang zur wilden Ecke wieder frei und ich konnte einen vorsichtigen Blick wagen...
Danach habe ich den Anblick schnell wieder verdrängt und mich damit abgelenkt, den Hauptweg vom Unkraut zu befreien. Was ebenfalls sehr anstrengend war und durch den Regen nicht besser wurde... Nachdem es dann aber erledigt war, habe ich noch überall ein bisschen gezupft, geschnitten und geräumt. Schließlich hatte ich einen zusätzlichen freien Tag, den es zu nutzen galt.
Als ich am Abend fertig war, nass bis auf die Knochen und dezent erschöpft, hatte ich allerdings eine wichtige Erkenntnis gewonnen: Ich bin offenbar noch ein kleines bisschen wilder als mein wilder Wein. Und genau mit diesem Gedanken bin ich dann gestern Morgen aufgewacht. Ich war also wild entschlossen, mich meinen Garten-Dämonen zu stellen.
Zunächst stand allerdings etwas deutlich Angenehmeres auf dem Programm. Ich war einkaufen, habe einen Salat vorbereitet und anschließend fast den kompletten Rasen gemäht. Pünktlich zur Mittagszeit verschaffte mir meine Schwester mit ihrem Besuch eine Pause 💚 Und wir beschlossen spontan, Pizza essen zu gehen. Was wir dann auch zu meiner großen Freude gemacht haben. Eine dieser kleinen Auszeiten, die gar nichts Besonderes sein müssen, um schön zu sein. Wir haben gegessen, geplaudert und einfach Zeit miteinander verbracht.
Und vielleicht brauchte ich genau diese Pause für das, was danach folgte. Denn zurück im Garten warteten keine weiteren Aufgaben auf mich. Nur mein persönlicher Endgegner. Also krempelte ich im doppelten Sinne die Ärmel hoch, zog die langen Handschuhe über und verwandelte mich in eine Mischung aus Gärtnerin, Imkerin und Spezialkommando zur Brennnesselbekämpfung... Falls mich jemand beobachtet hat, dürfte der Anblick durchaus unterhaltsam gewesen sein. Für mich gab es allerdings wenig zu lachen...
Als ich schließlich vor der Rückseite der Laube stand, wusste ich wieder ganz genau, warum ich mich wochenlang davor gedrückt hatte. Denn es war noch schlimmer als in meiner Erinnerung. Hinter der Laubeb und zwischen den seitlichen Obstbäumen wuchs wirklich alles, was wachsen konnte. An manchen Stellen war ich mir nicht sicher, ob dort Brennnesseln und andere undefinierbare Pflanzen standen oder bereits ausgewachsene Bäume. Aber diesmal gab es kein Zurück mehr.
Also begann ich... Wurzel für Wurzel... Brennnessel für Brennnessel... Meter für Meter. Bewaffnet mit meiner Heckenschere, dem Freischneider und dem Mut der Verzweiflung. Und je mehr ich entfernte, desto mehr verschwand nicht nur das Unkraut, sondern auch die Angst vor dieser Aufgabe. Plötzlich waren die Baumstämme wieder sichtbar. Dann tauchten die Wege auf. Und irgendwann stand ich mitten in einer Ecke meines Gartens, die ich wochenlang nur noch als Problem betrachtet hatte. Dabei ist sie eigentlich wunderschön.
Die Birnenbäume tragen reichlich Früchte. Das Licht fällt zwischen den Ästen hindurch. Und statt eines undurchdringlichen Dschungels sehe ich wieder einen Teil meines Gartens, den ich sehr mag. Mein Rücken bewertet den Tag übrigens etwas anders. Er vertritt aktuell die Auffassung, dass solche Projekte grundsätzlich von mindestens drei Personen und einem kleinen Bagger durchgeführt werden sollten.
Ich dagegen war am Abend einfach nur zufrieden. Nicht, weil alles perfekt geworden wäre - sondern weil ich etwas geschafft habe, vor dem ich lange Respekt hatte. Oder um ehrlich zu sein: Vor dem ich mich ein kleines bisschen gefürchtet habe. Und manchmal liegt genau darin das Glück. Nicht darin, dass etwas leicht ist. Sondern darin, dass man feststellt, stärker zu sein als der eigene Endgegner. Selbst wenn dieser Endgegner aus Brennnesseln, Wurzeln und wildem Wein besteht.
„Mut ist nicht die Abwesenheit von Angst, sondern die Erkenntnis, dass etwas anderes wichtiger ist als die Angst.“– Ambrose Redmoon
Jetzt genieße ich meinen Sieg über das Chaos, meinen Morgenkaffee und die Aussicht auf einen weitestgehend arbeitsfreien Samstag. Und damit das so bleibt, habe ich mir sicherheitshalber Besuch eingeladen 😉
Ich wünsche euch einen schönen Tag und den Mut, euch vielleicht auch einer Aufgabe zu stellen, die ihr schon viel zu lange vor euch herschiebt 💚
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