Guten Morgen liebe Leserinnen und liebe Leser. Heute melde ich mich nach einer ungeplanten Schreibpause zurück. Nicht, weil nichts passiert wäre. Ganz im Gegenteil. Gestern ist etwas passiert, das mir schlicht die Worte genommen hat.
Wer meinen Blog regelmäßig liest, weiß, dass ich meistens auch an schwierigen Tagen etwas Schönes finde, über das ich schreiben kann. Gestern Morgen konnte ich das nicht. Ich war nämlich sehr traurig.
Der Grund dafür hatte einen Namen: Hairbert.
Vor ein paar Tagen tauchte der kleine Maulwurf ja in meinem Garten auf. Jung, neugierig und offensichtlich auf Entdeckungstour. Er flitzte unter dem Tisch hindurch, sorgte für Begeisterung und hatte innerhalb kürzester Zeit einen festen Platz in meinem Herzen erobert. Natürlich bekam er - wie all meine Gartenmitbewohner auch einen Namen. Aus einem Maulwurf wurde Hairbert.
Gestern Morgen saß ich wie so oft mit meinem Morgenkaffee auf der Lieblingsbank und ich hatte bereits angefangen, den Blogbeitrag über Hairberts Überstunden zu schreiben. Eigentlich wollte ich davon erzählen, wie er am Vorabend noch unter dem Tisch herumgewuselt war, wie er neugierig seine Umgebung erkundet hatte und wie ein kleiner Maulwurf innerhalb kürzester Zeit die Herzen seiner menschlichen Gartenmitbewohnerin erobern konnte.
Während ich schrieb, fiel mein Blick durch die Stuhlbeine unter den Sonnenschirm. Dort lag etwas Dunkles auf dem Boden. Im ersten Moment habe ich mir nichts dabei gedacht. Vielleicht ein Blatt, ein Stück Erde oder irgendein Gegenstand, den ich am Vortag übersehen hatte. Doch schon Sekunden später stand ich auf, ging näher hin und musste feststellen, dass dort Hairbert lag. Tot.
Ich stand da und wollte es eigentlich gar nicht glauben. Abends war er noch munter durch den Garten gewuselt. Gestern hatte ich noch Fotos gemacht und mich darüber gefreut, dass er offenbar beschlossen hatte, meinen Garten zu seinem Revier zu erklären.
Und plötzlich saß ich nicht mehr vor einem Blogbeitrag über einen neugierigen kleinen Maulwurf. Sondern vor der Aufgabe, Abschied zu nehmen. Was mir ja bekanntlich generell schwer fällt und gestern ganz besonders...
Vielleicht hat mich sein Tod auch deshalb so getroffen, weil ich zutiefst davon überzeugt bin, dass jedes Lebewesen wichtig ist. Ob Mensch, Katze, Amsel, Biene oder eben ein kleiner Maulwurf.
Ich weiß, dass die Natur ihre eigenen Regeln hat und dass Leben und Tod untrennbar zusammengehören. Was ich jedoch nur schwer verstehen kann, ist, dass manche Lebewesen sterben müssen, weil sie als störend empfunden werden. Gerade in Kleingärten erlebe ich immer wieder, wie schnell Tiere zu einem Problem erklärt werden, wenn sie Löcher graben, Pflanzen anfressen, summen, krabbeln oder einfach nicht in das gewünschte Bild passen.
Für mich gehört all das Leben jedoch zum Garten dazu. Nicht nur die Rosen, die blühen. Nicht nur die Gurken, die geerntet werden. Sondern auch die Tiere, die hier wohnen, Nahrung suchen, ihre Jungen großziehen oder einfach ihren Platz in dieser Welt haben Ein Garten ist für mich kein Ort, an dem nur das existieren darf, was mir gefällt. Er ist ein Ort des Zusammenlebens.
Vielleicht war Hairbert genau deshalb mehr als nur ein kleiner Maulwurf. Er war ein Lebewesen mit seinem ganz eigenen Platz in dieser Welt. Und auch wenn sein Weg viel zu kurz war, war er wichtig.
Ich habe Hairbert unter dem Pflaumenbaum beerdigt. Genau dort, wo wir ihn zum ersten Mal gesehen haben. Für sein Grab habe ich die Erde verwendet, die er selbst ausgebuddelt hatte. Irgendwie erschien mir das richtig. Als würde er ein kleines Stück seines Zuhauses mit auf den letzten Weg bekommen.
Zu ihm ins Grab legte ich eine rosa Kosmee und eine Rosenblüte aus dem Garten. Danach habe ich die Stelle mit einem kleinen Herz markiert.
Während ich dort stand, wurde mir bewusst, wie schnell einem ein Lebewesen ans Herz wachsen kann. Vor wenigen Tagen kannte ich Hairbert noch nicht. Nun gibt es einen kleinen Platz in meinem Garten, an dem ich bestimmt noch sehr oft stehen bleiben werde.
Das Bild seines kleinen Grabes werde ich wohl nicht vergessen. Hairbert, gebettet in die Erde, die sein Zuhause war, umgeben von Blumen aus genau dem Garten, durch den er so neugierig gewuselt ist. Es war traurig. Und gleichzeitig friedlich.
Ein Garten besteht nicht nur aus Pflanzen, Wegen und Beeten. Er besteht aus Erinnerungen. Aus Begegnungen. Aus Geschichten. Manche dauern Jahre. Manche nur wenige Tage. Und trotzdem hinterlassen sie Spuren. Hairbert hat das geschafft.
Heute, wenn ich am Pflaumenbaum vorbeigehe, steht dort ein kleines Herz. Für die meisten Besucher wird es einfach eine Dekoration sein. Ich werde wissen, warum es dort steht. Und ich werde vermutlich noch lange an den kleinen Kerl denken, der für einen kurzen Moment beschlossen hat, Teil meines Gartenglücks zu werden.
Heute ist die Traurigkeit noch da. Aber zwischen Rosen, Johannisbeeren, Gurkenpflanzen und dem alten Pflaumenbaum liegt nun auch die Erinnerung an einen kleinen Maulwurf namens Hairbert.
Und vielleicht ist genau das die andere Seite des Glücks. Wer sich von Herzen über die kleinen Begegnungen des Lebens freuen kann, spürt auch ihren Verlust. Trotzdem würde ich keine einzige dieser Begegnungen missen wollen.
Mach's gut, kleiner Gartenfreund 💚
Und euch, liebe Leserinnen und liebe Leser wünsche ich trotz dieser traurigen Geschichte einen guten Dienstag. Morgen erzähle ich euch dann, wie es dazu kam, dass mein Montag am Ende doch noch schön wurde. Bis morgen 🫶
Kommentar hinzufügen
Kommentare