Von Grenzen und Flügeln 🩷

Veröffentlicht am 11. Juni 2026 um 07:59

Guten Morgen liebe Leserinnen und liebe Leser 🩷 Gestern ist ausnahmsweise nicht viel passiert. Es war ein ganz normaler Tag ohne besondere Vorkommnisse. Ich habe im Garten-Homeoffice gearbeitet, viel telefoniert, Mails geschrieben und mich durch meine Aufgabenliste gearbeitet. Nach Feierabend war ich dann noch kurz einkaufen und ehe ich mich versah, war der Tag auch schon wieder vorbei. Einer dieser Tage also, die leise vorbeiziehen und keine großen Geschichten schreiben.

Trotzdem ist mir gestern etwas aufgefallen, über das ich mit euch reden möchte. Denn meiner Meinung nach hat es mlt Glück zu tun und ist alleine deshalb erzählenswert 😉 Zwischen Rosen, Lavendel und wildem Wein stand ich irgendwann im Garten und musste schmunzeln. Denm wer meinen Garten schon länger kennt, weiß, dass hier alles ziemlich grenzenlos wächst und sich entfalten darf. Besonders der wilde Wein interessiert sich für Grenzen ungefähr so sehr, wie ich mich für Mathematik und Spinnen. Er wächst, rankt, klettert und breitet sich aus, wo immer er eine Gelegenheit findet.

Und während ich ihn so betrachtet habe, musste ich an etwas denken, das mir in Coachings immer wieder begegnet:  Erstaunlich viele Menschen – und besonders viele Frauen – sehen zuerst ihre Grenzen und erst danach ihre Möglichkeiten.
Sie fragen sich, ob sie gut genug sind. Ob sie etwas können, ob sie bereit für etwas sind... ob sie das Recht haben, sichtbar zu werden. Meistens auch, ob andere vielleicht besser oder kompetenter sind.

Und während sie noch darüber nachdenken, wachsen ihre Möglichkeiten unbemerkt längst weiter.  Im Garten ist das anders. Eine Rose steht nicht morgens auf und überlegt, ob ihre Blüte groß genug ist. Der Lavendel vergleicht sich nicht mit den Pfingstrosen. Und der wilde Wein fragt ganz bestimmt niemanden um Erlaubnis, bevor er den nächsten Meter erobert. Pflanzen wachsen einfach. Nicht, weil sie perfekt sind oder eine Erlaubnis dazu bekommen haben, sondern weil es ihre Natur ist.

Manchmal frage ich mich, wie viele Grenzen wir Menschen uns selbst setzen. Wie oft wir uns kleiner machen, als wir eigentlich sind. Wie oft der lauteste Kritiker nicht irgendwo da draußen sitzt, sondern direkt zwischen unseren eigenen Ohren...

Natürlich gibt es äußere Grenzen. Das Leben stellt uns Hindernisse in den Weg, nicht alles ist jederzeit möglich.
Aber viele der Grenzen, an die wir stoßen, stehen gar nicht im Außen. Sie stehen in unserem Kopf. Und manchmal bewachen wir sie sogar selbst.

Dabei habe ich noch nie erlebt, dass ein Mensch gewachsen ist, weil er sich ständig erzählt hat, was alles nicht geht. Wachstum beginnt meistens dort, wo jemand einen kleinen Schritt über die eigene Unsicherheit hinaus wagt. So wie eine Pflanze, die sich ihren Weg durch einen Mauerspalt sucht. Sie weiß vorher nicht, ob sie es schaffen kann - sie wächst einfach. 

Und dann fiel mir das Bild mit dem Vogel und dem Ast ein. Ein Vogel sitzt dort meist ganz entspannt. Nicht, weil er darauf vertraut, dass der Ast niemals brechen wird. Sondern weil er seinen eigenen Flügeln vertraut.

Ich denke, das ist genau der Unterschied. Selbstvertrauen bedeutet nicht, daran zu glauben, dass niemals etwas schiefgeht. Es bedeutet, darauf zu vertrauen, dass man auch dann einen Weg findet, wenn der Ast einmal nachgibt.Und ich denke, dass wir hier vom Garten und seinen Bewohnern lernen können. 

Vielleicht müssen wir nicht immer sofort wissen, ob wir gut genug sind. Vielleicht reicht es manchmal, einfach anzufangen.
Der Rest wächst dann oft von ganz allein.

Oder um es mit den Worten von Eleanor Roosevelt zu sagen:
„Niemand kann dir das Gefühl geben, minderwertig zu sein ohne deine Zustimmung.“ — Eleanor Roosevelt

In diesem Sinne wünsche ich euch heute einen Blick auf all das, was in euch bereits wächst. Vielleicht seid ihr viel weiter, als ihr denkt. Und vielleicht liegt das Glück manchmal genau darin, sich selbst mit denselben freundlichen Augen zu betrachten, mit denen wir eine blühende Rose anschauen. Denn das Glück liegt in den kleinen Dingen. Und beginnt manchmal genau dann, wenn wir aufhören, an unsere Grenzen zu denken und anfangen, unseren Flügeln zu vertrauen.

Und falls ihr heute noch einen Beweis dafür braucht, dass man sich nicht ständig mit anderen vergleichen sollte, dann schaut euch einfach Olga und Oleg an. Olga entspricht weder dem aktuellen Schönheitsideal noch würde sie einen Wettbewerb für elegante Flugmanöver gewinnen. Und trotzdem marschiert sie jeden Tag mit dem Selbstbewusstsein einer Königin durch den Garten.

Ich finde, wir sollten uns ein kleines Stück Olga gönnen: weniger zweifeln, mehr Körner suchen und darauf vertrauen, dass die eigenen Flügel schon tragen. Olga jedenfalls macht sich über ihre Grenzen ganz offensichtlich keine Gedanken. Und genau deshalb scheint sie ziemlich glücklich zu sein. 

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