Von Scherben und Glück...

Veröffentlicht am 20. Juli 2026 um 08:04

„Glück ist manchmal nur ein anderer Blick auf dieselbe Geschichte.“ 

Guten Morgen, liebe Leserinnen und liebe Leser 🩷 Ich sitze mit meinem Morgenkaffee auf der Lieblingsbank und genieße die Ruhe nach einem ganz besonderen Wochenende. Vor mir liegt mein Garten. Aufgeräumt, friedlich - kaum zu glauben, dass hier am Freitag und Samstag gleich zweimal  ordentlich Geburtstag gefeiert wurde.

Gestern habe ich den größten Teil des Tages damit verbracht, genau dieses Bild wieder herzustellen. Natürlich habe ich zwischendurch meine Eltern besucht und diese gemütliche Auszeit sehr genossen. Nachdem ich morgens schon diverse Körbe an schmutzigem Geschirr nach Hause geschleppt und unzählige leere Flaschen beseitigt hatte, ging es am Nachmittag fröhlich weiter...

Tische abbauen, Stühle wegräumen, Deko wieder aufstellen fegen und alles wieder an seinen Platz stellen.  Ich mag solche Sonntage. Sie holen einen nach besonderen Tagen ganz sanft wieder im Alltag ab und außerdem habe ich das Bedürfnis, dass mein Garten schön aussieht. Deshalb habe ich richtig Gas gegeben. Dabei ist mir allerdings etwas passiert, worüber ich mich richtig geärgert habe und das mich traurig gemacht hat. 

Nicht zum ersten Mal an diesem Wochenende landete etwas aus Glas oder Porzellan auf dem Boden.Nachdem am Freitag schon ein Glas zu Bruch gegangen war, fiel mir gestern ausgerechnet meine wunderschöne Tasse mit dem kleinen Prinzen aus der Hand. Und diesmal konnte ich über die Scherben überhaupt nicht lachen... 😞

Vielleicht kennt ihr das. Manche Dinge haben keinen großen materiellen Wert und bedeuten einem trotzdem unglaublich viel. Weil sie einen über Jahre begleiten. Weil sie Erinnerungen in sich tragen. Oder einfach, weil sie eine Bedeutung haben und dazugehören. 

Während ich die Scherben zusammenkehrte, überlegte ich, ob ich sie vielleicht wieder zusammenkleben könnte. Doch das erschien mir aussichtslos und so warf ich sie schweren Herzens in die große Mülltüte. 

Als ich mir dann eine kurze Pause gönnte und am Handy scrollte, erschien plötzlich ein Beitrag zu einem skurrilen Feiertag. Am 18. Juli wird in den USA der "Toss Away the Could Haves and Should Haves Day" gefeiert.  Ein ziemlich sperriger Name für einen Feiertag. Und ehrlich gesagt dachte ich zuerst auch, es ginge einfach darum, alte Dinge wegzuwerfen und das passte natürlich perfekt zu meinen Scherben...Tatsächlich steckt aber viel mehr dahinter.

Es geht um all die Sätze, die mit „Hätte ich doch …“, „Ich hätte sollen …“ oder „Was wäre gewesen, wenn …?“ beginnen. Um vertane Chancen, denen wir hinterhertrauern. Um Entscheidungen, die wir nicht mehr ändern können. Um Menschen, die einen anderen Weg eingeschlagen haben. Und um die Erkenntnis, dass keiner von uns die Vergangenheit umschreiben kann.

Ich musste gestern lange darüber nachdenken. Wie oft halten wir an genau solchen Gedanken fest? Nicht, weil sie uns guttun, sondern weil wir glauben, wir müssten sie irgendwann noch zu Ende denken. Dabei haben sie oft gar keine Zukunft mehr. Sie halten uns nur davon ab, die Gegenwart wirklich wahrzunehmen. Vielleicht bedeutet Loslassen deshalb gar nicht, etwas aufzugeben.

Vielleicht bedeutet Loslassen einfach, anzuerkennen, was wirklich ist. Die Dinge zu sehen, wie sie sind. Und nicht so, wie sie vielleicht sein könnten. Vielleicht bedeutet es, Frieden mit dem zu schließen, was war, damit wir offen bleiben für das, was noch kommt. Und vielleicht sind manche vermeintlich vertanen Chancen gar nicht vertan. Manchmal brauchen sie nur eine andere Richtung, um sich am Ende doch noch als Glück herauszustellen.

Genau das hat mir dieses Wochenende gezeigt. Vorgestern durfte ich nämlich meinen Geburtstag einfach noch einmal feiern. Nachdem Petrus am Freitag mit Regen, Gewitter und jeder Menge Chaos alles durcheinandergewirbelt hatte, schien ihn am Samstag wohl das schlechte Gewissen gepackt zu haben. Anders kann ich mir diesen traumhaften Sommertag jedenfalls nicht erklären.

Zusammen mit "neuen und alten" Gästen saß ich stundenlang unter dem neuen Pavillon. Wir haben gelacht, erzählt und all die leckeren Sachen gegessen, die vom Freitag übrig geblieben waren. Wobei... ich glaube, ich hätte locker noch die halbe Kleingartenanlage mitversorgen können. Ein bisschen ist tatsächlich immer noch übrig. Und genau das machte diesen Tag so besonders. Kein großer Plan, keine Hektik. Einfach Zeit. Für Gespräche. Für gemeinsames Lachen. Für all die kleinen Momente, die man nicht planen kann.

Im Nachhinein bin ich dem Regen vom Freitag sogar dankbar. Denn ohne ihn hätte ich diesen zweiten Geburtstag nie erlebt. Nie diese entspannte Atmosphäre. Nie das Gefühl, dass manchmal gerade das Ungeplante die schönsten Erinnerungen schafft. Vielleicht war das gar keine vertane Chance. Vielleicht war es einfach nur eine Chance, die anders aussah, als ich sie erwartet hatte.

Während ich jetzt meinen Morgenkaffee austrinke, schweift mein Blick noch einmal durch den Garten. Die Tische sind weggeräumt. Die leeren Gläser und Teller verschwunden. Die Scherben längst entsorgt.

Geblieben sind zwei wunderschöne Geburtstage, viele herzliche Begegnungen, ganz viel Lachen. Und eine Erkenntnis, die ich gerne mit in diese neue Woche nehme. Wir können die Vergangenheit nicht ändern. Aber wir können entscheiden, wie viel Platz wir ihr in unserer Gegenwart noch geben.

Vielleicht ist genau das die eigentliche Botschaft des Toss Away Day. Nicht die kaputten Dinge wegzuwerfen. Sondern den Gedanken an das, was keine Zukunft mehr hat. An das ewige „Hätte ich doch …“. An das lähmende „Was wäre gewesen, wenn …?“ Denn das Leben wartet nicht in der Vergangenheit auf uns. Es wartet heute.

Mit meinem Morgenkaffee auf der Lieblingsbank, mit einem aufgeräumten Garten, mit zwei wunderschönen Geburtstagen im Herzen. Und mit der leisen Gewissheit, dass manches erst im Nachhinein genau richtig wird. ❤️

Ich wünsche euch einen guten Start in die neue Woche ☀️ 

Kommentar hinzufügen

Kommentare

Es gibt noch keine Kommentare.