Wirres Wachstum...

Veröffentlicht am 21. Juli 2026 um 08:54

„Alles, was wachsen soll, braucht Zeit. Pflanzen. Träume. Und manchmal auch wir selbst.“

Guten Morgen, liebe Leserinnen und liebe Leser 😁 Hier sitze ich wieder mit meinem Morgenkaffee auf der Lieblingsbank. Es ist noch kühl und der Garten schlummert noch ganz ruhig.  Nur ein paar Vögel unterhalten sich bereits angeregt, während ich mich frage, worüber ich heute eigentlich schreiben soll. Denn wenn ich ehrlich bin, ist gestern gar nichts Weltbewegendes passiert. Es war ein ziemlich normaler und sehr entspannter Urlaubstag im Garten. 

Und genau den hatte ich nach den aufregenden letzten Wochen mal gebraucht. Deshalb habe ich ihn auch sehr genossen und zwischendurch immer mal wieder auf meiner Liege im Schatten gedöst. Am Vormittag habe ich noch ein bisschen im Garten gewerkelt. Hier etwas aufgeräumt, dort ein paar Kleinigkeiten erledigt. Es gibt ja diese Tage, an denen man nie wirklich fertig wird und trotzdem am Abend das Gefühl hat, etwas geschafft zu haben. Im Garten reicht dafür manchmal schon eine aufgeräumte Ecke oder ein frisch gefegter Weg.

Am Nachmittag bekam ich dann ganz spontan Besuch.
Eine liebe Freundin schaute vorbei. Eine Frau, die mich tatsächlich schon als Baby gewickelt hat. Jedes Mal, wenn ich das erzähle, muss ich selbst ein bisschen lachen. Es macht einem nämlich ziemlich deutlich, wie lange Menschen einen manchmal schon durchs Leben begleiten.

Wir setzten uns unter den Pavillon, tranken gemütlich Kaffee und machten das, was Frauen bekanntlich besonders gut können: wir redeten. Nicht nur über das Wetter oder darüber, wie gut der Kaffee schmeckt. Sondern über das Leben. Über Dinge, die gerade schön sind - und auch über die,  die es nicht sind. Über Pläne. Über Wünsche. Über Entscheidungen. Über Menschen. Über all das, was uns beschäftigt.

Und wie so oft passierte etwas, das ich sehr mag. Aus einem ganz normalen Gespräch wurde plötzlich eines, das zum Nachdenken anregt. Irgendwann stellten wir beide fest, dass fast alles im Leben bei uns selbst beginnt. Unsere Zufriedenheit, Unser Mut, unsere Entscheidungen, unser Glück.

Natürlich gibt es Dinge, auf die wir keinen Einfluss haben. Das Leben hält sich schließlich nur selten an unsere Pläne. Aber wie wir damit umgehen, was wir daraus machen und welchen Weg wir anschließend einschlagen – das liegt erstaunlich oft in unserer eigenen Hand. Oder wie heißt es so schön: "Jeder ist seines Glückes Schmied" 

Ich mag solche Gespräche. Nicht, weil sie alle Probleme lösen, sondern weil man danach oft mit einem klareren Blick auf die eigenen Gedanken schaut. Weil es irgendwie hilfreich ist, seine eigenen Gedanken einmal ausgesprochen zu hören...

Nachdem meine Freundin wieder nach Hause gefahren war, zog es mich noch einmal ins Gewächshaus. Meine Tomaten entwickeln in diesem Jahr nämlich einen echten Größenwahn. Statt kräftig in die Breite zu wachsen, schießen sie fast ausschließlich nach oben. Dünn, lang und ausgesprochen ehrgeizig. Außerdem konnte ich bisher leider nur zwei reife Tomaten ernten...Ehrlich gesagt hatte ich mir das etwas anders vorgestellt.

Also stand ich zwischen den Pflanzen und band eine Tomate nach der anderen vorsichtig an der Decke des Gewächshauses fest. Dabei musste ich unwillkürlich an unser Gespräch denken.
Auch die Tomaten wachsen nicht so, wie ich es geplant hatte.
Aber sie wachsen. Vielleicht brauchen sie einfach etwas länger. Vielleicht entwickeln sie sich anders, als ich es erwartet habe. Und deshalb brauchen sie etwas Unterstützung. Damit sie nicht umknicken und die Früchte sich entwickeln können. 

Vielleicht hängen in ein paar Wochen trotzdem jede Menge rote Tomaten an diesen langen, etwas dünnen Trieben. Zumindest hoffe ich das sehr und habe alles dafür getan.

Eigentlich ist das im Leben doch ganz ähnlich. Wir haben oft sehr genaue Vorstellungen davon, wie etwas sein sollte. Wie Menschen sich entwickeln. Wie Beziehungen verlaufen. Wie Träume wahr werden. Und manchmal nimmt das Leben einfach einen anderen Weg. Das heißt aber noch lange nicht, dass daraus nichts Gutes entstehen kann.

Vielleicht muss man manchmal einfach aufhören, ständig zu schauen, wie etwas wächst, und stattdessen darauf vertrauen, dass es wächst.  Ich werde das bei meinen Tomaten jetzt jedenfalls tun. Und wer weiß? Vielleicht lachen sie am Ende über meine Zweifel – während ich mit einer Schüssel voller Tomaten im Garten sitze. Das würde ich ihnen durchaus zutrauen. 

Vielleicht wollt ihr mir ja die Daumen drücken?  Ich wünsche euch jetzt einen wunderschönen Tag. Und falls bei euch gerade auch etwas nicht ganz so wächst, wie ihr es euch vorgestellt habt, dann gebt ihm vielleicht einfach noch ein bisschen Zeit.
Manches braucht eben nicht den perfekten Plan. Sondern nur Geduld und vielleicht eine Stütze 😉

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