„Egal, was andere dir erzählen – Worte und Ideen können die Welt verändern.“ – Robin Williams als John Keating in „Der Club der toten Dichter“
Guten Morgen, liebe Leserinnen und liebe Leser ❤️ Gestern hatte ein Mensch Geburtstag, den ich leider nie kennenlernen durfte und der mich trotzdem schon viele Jahre begleitet. Robin Williams. Oder besser gesagt: Er hätte gestern Geburtstag gehabt.
Es gibt Schauspieler, deren Filme man gerne schaut. Und es gibt Menschen, die mit ihren Rollen etwas in uns hinterlassen. Für mich gehörte Robin Williams genau zu diesen Menschen. Natürlich habe ich über "Mrs. Doubtfire" gelacht, mich in "Jumanji" mitreißen lassen und "Good Will Hunting" geliebt. Doch kein Film hat mich so nachhaltig geprägt wie „Der Club der toten Dichter“
Ich weiß gar nicht mehr, wie alt ich war, als ich ihn zum ersten Mal gesehen habe und auch nicht, wie oft ich ihn schon gesehen habe. Aber ich weiß noch ganz genau, was er mit mir gemacht hat. Er hat mich berührt und zum Nachdenken gebracht. Nicht über Schule und nicht über Gedichte. Sondern über das Leben.
Robin Williams spielt darin den Lehrer John Keating. Einen Lehrer, der seinen Schülern nicht einfach Literatur beibringen wollte. Er wollte ihnen zeigen, dass Gedichte nicht geschrieben wurden, damit wir sie analysieren und benoten. Sie wurden geschrieben, weil Menschen fühlen, lieben, hoffen, scheitern und träumen. Und weil das Leben viel zu kostbar ist, um es nur zu verwalten.
Eine Szene hat sich tief in mein Gedächtnis eingebrannt. John Keating fordert seine Schüler auf, auf ihre Tische zu steigen. Und dafür hatte er einen guten Grund. Er wollte ihnen zeigen, wie sich von dort oben plötzlich der Blick verändert. Die Klasse ist dieselbe, die Menschen sind dieselben. Und doch sieht alles ein wenig anders aus.
Wie oft vergessen wir im Alltag genau das? Wie oft glauben wir, unsere Sicht sei die einzig richtige? Dabei braucht es manchmal nur einen kleinen Perspektivwechsel, um plötzlich das Glück zu entdecken, das die ganze Zeit schon da war.
Im Garten passiert mir das immer wieder. Da fluche ich über Schnecken, und wenig später entdecke ich den ersten Marienkäfer. Ich ärgere mich über einen Regentag und freue mich kurz darauf über einen Regenbogen. Ich sehe Arbeit – und merke plötzlich, dass zwischen Tomaten, Gurken, Sonnenblumen und summenden Bienen eigentlich pures Leben wächst.
Vielleicht ist Glück tatsächlich oft nur ein anderer Blick auf dieselbe Geschichte. Der wohl berühmteste Satz des Films lautet: "Carpe diem. Nutze den Tag." Zwei Worte, die wir unzählige Male gelesen haben. Auf Kalendern, Postkarten und auf Tassen. Und trotzdem vergessen wir ihre eigentliche Bedeutung so oft.
Denn Carpe diem bedeutet für mich gar nicht, jeden Tag etwas Außergewöhnliches erleben zu müssen. Es bedeutet nicht, ständig auf Reisen zu sein oder von einem Abenteuer ins nächste zu springen. Es bedeutet vielmehr, den heutigen Tag nicht achtlos vorbeiziehen zu lassen. Den Morgenkaffee wirklich zu genießen. Den Sonnenuntergang nicht nur nebenbei wahrzunehmen. Einem Menschen zu sagen, dass man ihn lieb hat. Ein Gespräch nicht auf morgen zu verschieben. Oder einfach einmal tief durchzuatmen und zu denken: Genau dieser Moment ist gerade mein Leben.
John Keating zitiert im Film den amerikanischen Dichter Walt Whitman. Seine Worte gehören für mich zu den schönsten des ganzen Films: „Dass die mächtige Welt weitergeht und du deinen Vers dazu beitragen kannst.“
Ich bekomme jedes Mal eine Gänsehaut, wenn ich diesen Satz höre. Denn was für ein tröstlicher Gedanke ist das eigentlich? Wir müssen keine Helden sein, wir müssen nicht berühmt werden und wir müssen auch nicht die Welt retten. Aber wir dürfen unseren ganz persönlichen Vers schreiben.
Manchmal besteht dieser Vers aus einem mutigen Schritt. Manchmal aus einem freundlichen Wort. Manchmal aus einer Umarmung. Oder aus einer Blume, die wir pflanzen, obwohl wir wissen, dass sie Zeit braucht, bis sie blüht.
Vielleicht schreibe ich meinen Vers jeden Morgen ein kleines bisschen hier. Mit meinen Geschichten, meinem Garten, mit all den Gedanken, die ich mit euch teilen darf. Und vielleicht schreibt ihr euren Vers an einem ganz anderen Ort. In eurer Familie. In eurem Beruf. Mit einem offenen Ohr. Mit einem Lächeln. Oder mit einer kleinen Geste, die für einen anderen Menschen viel größer ist, als ihr jemals erfahren werdet.
Je älter ich werde, desto mehr glaube ich, dass Glück genau daraus entsteht. Nicht aus den großen Momenten allein. Sondern aus den vielen kleinen Versen, die wir Tag für Tag schreiben. Aus einem Sonnenaufgang am Meer, einem langen Gespräch unter dem Pavillon, einem Konzert, das Gänsehaut macht. Aus einer Tomate, die nach Wochen endlich reif wird, aus einer Freundschaft, aus Liebe, aus Erinnerungen... Und aus der Entscheidung, den heutigen Tag nicht einfach vorbeiziehen zu lassen.
Robin Williams ist viel zu früh gegangen. Umso dankbarer bin ich, dass seine Filme geblieben sind. Sie erinnern mich daran, dass das Leben endlich ist. Dass wir nie wissen, wie viele Sommer, Sonnenaufgänge oder Gespräche uns noch geschenkt werden. Und dass wir deshalb nicht darauf warten sollten, irgendwann zu leben. Denn irgendwann steht in keinem Kalender - Heute schon.
Gestern stand auch im Kalender und war ein Tag "dazwischen". Ich habe ihn mehr oder weniger komplett im Garten verbracht. Auf der Lieblingsbank, meiner Liege, im Gewächshaus und bei meinen Hochbeeten. Zwischen ganz viel "Nichts tun" habe ich reichlich ernten dürfen: Rote Beete, Fenchel, Zitronengurken und Erbsen, die ich aus Samen gezogen habe, die ich aus Cornwall mitgebracht hatte 💚
Heute werde ich den Tag nutzen, um mit meinem ältesten Patenkind auf Tour zu gehen. Wir schauen uns mal das Nachbar-Bundesland etwas genauer an und werden ganz bestimmt sehr lecker speisen. Ich freue mich darauf und werde auch diesen Tag ganz sicher nutzen und genießen.
In diesem Sinne wünsche ich euch einen wundervollen Tag. Und denkt daran: Die Welt schreibt ihre Geschichte weiter. Die einzige Frage ist: Welchen Vers möchtet ihr heute hinzufügen?
„Du hast nur einen kleinen Funken Verrücktheit. Den darfst du nicht verlieren.“ – Robin Williams
Bis morgen ❤️
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