„Die Ruhe ist nicht das Gegenteil von Leben. Sie ist der Ort, an dem das Leben wieder Kraft sammelt."
Guten Morgen, liebe Leserinnen und liebe Leser 🩷 Kennt ihr das? Ihr werdet gefragt, wie euer Tag war, und antwortet: „Ach, eigentlich ist gar nichts passiert.“ Genau das hätte ich gestern auch gesagt. Und heute Morgen, mit meinem Kaffee auf der Lieblingsbank, wurde mir klar, dass das eigentlich überhaupt nicht stimmt.
Denn manchmal sind die Tage, an denen scheinbar nichts passiert, genau die, an denen ganz viel passiert. Mein Donnerstag begann (natürlich) mit einem Morgenkaffee im Garten. Die Luft war noch angenehm frisch, die Sonne ließ sich Zeit und ich saß einfach nur da. Ohne Plan, ohne Uhr im Kopf, ohne das Gefühl, gleich das nächste Projekt beginnen zu müssen.
Irgendwann wanderte ich mit einem neuen Hörbuch auf meine Liege. Und genau dort bin ich dann... mehr oder weniger für den Rest des Tages geblieben. Ich habe zugehört, zwischendurch ein bisschen gedöst, den Vögeln gelauscht, die Blumen gegossen, wenn sie nach Wasser riefen, und ansonsten den lieben Gott einen guten Mann sein lassen.
Und allein dieser Satz hätte mich vor ein paar Jahren wahrscheinlich selbst zum Schmunzeln gebracht. Ich und nichts tun? Einfach nur stundenlang herumliegen und das auch noch genießen? Das wäre damals fast unmöglich gewesen und wenn, dann maximal für ein paar Minuten.
Früher war ich überzeugt, jede freie Minute sinnvoll nutzen zu müssen. Wenn irgendwo fünf Minuten Zeit waren, fand ich garantiert noch etwas, das erledigt werden konnte. Hier noch schnell Unkraut zupfen. Dort noch eben aufräumen - Hauptsache beschäftigt. Still sitzen war für mich fast eine kleine Disziplin, die ich nie wirklich beherrscht habe. Entspannen gehörte für mich in die gleiche Kategorie, wie geduldig sein. Und Stille war quasi unerträglich.
Mittlerweile scheint mein Garten mir auch hier etwas beigebracht zu haben. Denn während ich gestern so auf meiner Liege lag, fiel mein Blick immer wieder auf meine Beete, auf die Tomaten im Gewächshaus, auf die Blumen und die Bäume. Und mir wurde klar, dass keiner von ihnen schneller wächst, nur weil ich ununterbrochen um ihn herumwusele. Das Entscheidende passiert oft dort, wo niemand hinsieht. Unter der Erde... in den Wurzeln... ganz leise.
Vielleicht ist das bei uns Menschen gar nicht so anders. Vielleicht brauchen auch wir diese Tage, an denen wir scheinbar nichts leisten. Tage, an denen wir nicht funktionieren müssen. Tage, an denen unsere Seele endlich einmal Gelegenheit bekommt, mit unserem Herzen Schritt zu halten. Tage, die still sind.
Und gestern war es genau diese Stille, die ich gebraucht habe. Früher hätte ich sie wahrscheinlich gar nicht ausgehalten. Ich hätte Musik angemacht, irgendetwas erledigt oder nach der nächsten Ablenkung gesucht. Heute weiß ich, dass Stille viele Sprachen spricht. Manchmal ist sie wohltuend und friedlich. Manchmal ordnet sie Gedanken. Manchmal gibt sie Antworten, ohne ein einziges Wort zu sagen. Und manchmal kann sie auch erstaunlich laut sein...
Ganz untätig war ich natürlich trotzdem nicht. Denn so ein Tag hat ja jede Menge Stunden. Und so habe ich zwischendurch mit lieben Menschen telefoniert, Pläne geschmiedet, gelacht und den Abend bei einem schönen Gespräch im Garten ausklingen lassen. Es war wieder einmal eines dieser Gespräche, bei denen die Zeit plötzlich viel zu schnell vorbei geht. Man spricht über dies und das, über das Leben, über Träume und Pläne – und irgendwann merkt man, dass man gar keine Lösung gesucht hat. Es hat gereicht, einfach miteinander zu reden.
Solche Gespräche sind ein bisschen wie Regen für trockene Erde. Man sieht in diesem Moment vielleicht noch keine Veränderung. Aber sie wirken nach. Genau wie die Stille ein einem wirklich ruhigen Tag ohne besondere Vorkommnisse.
Als ich später mit Coco im Arm den Tag noch einmal Revue passieren ließ, musste ich schmunzeln. Früher hätte ich wahrscheinlich gesagt: „Heute habe ich gar nichts geschafft.“ Heute denke ich: „Heute habe ich genau das geschafft, was nötig war.“ Ich habe meine Akkus aufgeladen. Nicht mit spektakulären Erlebnissen. Nicht mit einer Reise oder einem Konzert. Sondern mit Sonne, einem Hörbuch, guten Gesprächen, ganz viel Ruhe und meinem Garten.
Und wieder einmal wurde mir bewusst, dass ich meinen Ort gefunden habe. Einen Ort, an dem ich nichts beweisen muss. An dem Stille nicht langweilig ist - und trotzdem eine Herausforderung. An dem gute Gespräche genauso wertvoll sind wie Schweigen. Einen Ort, an dem ich genauso glücklich auf einer Gartenliege liegen kann wie mit einer Harke in der Hand.
Vielleicht ist Glück einfach das wunderbare Gefühl, genau dort zu sein, wo man gerade sein möchte. Und vielleicht besteht die Kunst des Lebens gar nicht darin, jede Stille zu durchbrechen – sondern manche einfach auszuhalten. Auch, weil das Gras nunmal nicht schneller wächst, wenn man daran zieht 😉
Ich wünsche euch von Herzen einen wundervollen Freitag.
Eure Kerstin ❤️
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