Gleichzeitig ...

Veröffentlicht am 29. Juli 2026 um 07:31

„Das Leben besteht nicht aus entweder oder. Oft ist das größte Wunder, dass beides gleichzeitig wahr sein kann.“

Guten Morgen, liebe Leserinnen und liebe Leser 🩷 Kann man gleichzeitig traurig und glücklich sein?

Vor einiger Zeit hat eine liebe Freundin genau diesen Satz zu mir gesagt. Im ersten Moment fand ich ihn irgendwie widersprüchlich - im zweiten unglaublich wahr. Und gestern hat mir das Leben wieder einmal bewiesen, wie recht sie damit hatte.

Mein letzter Urlaubstag begann so, wie ich es am liebsten mag - und wie ihr es vermutlich erwartet habt: mit meinem Morgenkaffee auf der Lieblingsbank. Danach folgte die inzwischen obligatorische Gießrunde – mittlerweile sogar durch zwei Gärten – bevor ich mir noch eine kleine Auszeit auf der Liege gönnte. Es war einer dieser ruhigen Sommermorgen, an denen man glaubt, der Tag würde nie zu ende gehen. 

Und gleichzeitig lag mir etwas im Magen, das ich nicht so richtig verdrängen konnte... Mittags stand eine Beerdigung an. Ich kannte die Verstorbene nicht. Aber ich kenne einen Menschen, der nun mit diesem Verlust leben muss. Und manchmal geht man nicht zu einer Beerdigung, weil man Abschied von einem Menschen nimmt, sondern weil man einem anderen zeigen möchte, dass er in seiner Trauer nicht allein ist.

Bevor ich losfuhr, bin ich noch einmal durch meinen Garten gegangen und habe einen großen, bunten Blumenstrauß gepflückt. Ich fand den Gedanken schön, dass ein bisschen Leben und Farbe einen Ort begleiten, an dem gerade so viel Abschied ist..

Die Andacht war würdevoll. Die Musik ebenso. Und irgendwann erklang „Nur zu Besuch“ von den Toten Hosen. Was euch vermutlich inzwischen ebenfalls bekannt vorkommen wird... Es gibt Lieder, die immer traurig sein werden. Dieses gehört für mich definitiv dazu. Und an manchen Tagen trifft es einen noch ein kleines bisschen tiefer als sonst. Gestern war so ein Tag. 

Auf dem Rückweg habe ich noch einen kleinen Umweg gemacht und meine Oma besucht. Oder zumindest den Ort, an dem sie ihre letzte Ruhe gefunden hat. Ich mache das nicht oft. Aber manchmal fühlt es sich einfach richtig an. Mit einem entsprechend schweren Herzen fuhr ich danach wieder nach Hause. Und genau dort begann das Prinzip der Gleichzeitigkeit.

Schon lange vor dem Beerdigungstermin war ich mit einer lieben Kollegin verabredet, die ich schon viel zu lange nicht mehr gesehen hatte. Fast hätte ich gedacht, die Stimmung würde gar nicht dazu passen. Tat sie aber. Denn manchmal ist das Leben eben klüger als wir.

Wir saßen im Garten, tranken – natürlich – Gurkenwasser aus stilvollen rosa Gläsern, unterhielten uns über Gott und die Welt und gingen anschließend noch eine kleine Runde durch den Garten. Dabei durft ich zwei meiner Zucchini ein neues Zuhause schenken und die erste Tomatenrispe ernten.  Ihr könnt euch vermutlich vorstellen, dass ich mein Gärtnerglück kaum fassen konnte.

Irgendwann kamen wir auf ein Thema, das mich sehr berührt hat. Auf das späte Glück. Oder vielleicht besser gesagt: auf das zweite Glück. Auf Menschen, die irgendwann aufgehört hatten, damit zu rechnen, und denen das Leben plötzlich doch noch eine wunderbare Überraschung geschenkt hat.

Ich freue mich grundsätzlich über das Glück anderer Menschen. Aber manchmal freue ich mich ganz besonders. Und genau das war gestern so ein Moment. Er hat mir auch Hoffnung gemacht. Hoffnung darauf, dass das Leben keinen festen Zeitplan hat. Dass manches eben nicht mit dreißig passiert - oder mit vierzig. Sondern genau dann, wenn man vielleicht schon gar nicht mehr damit gerechnet hat.

Und während ich später aufräumte und noch ein bisschen Musik hörte, dachte ich, dass dieser Tag mir ein paar wichtige Botschaften vermittelt hat:

Dass Trauer und Freude sich gar nicht ausschließen. Dass man mit schwerem Herzen lachen kann. Dass man jemanden vermissen und trotzdem einen wunderschönen Nachmittag erleben darf. Dass das Leben selten entweder oder ist - sondern ganz oft gleichzeitig.

Vielleicht ist das sogar eines der größten Geheimnisse des Lebens. Dass wir gar nicht lernen müssen, uns zwischen zwei Gefühlen zu entscheiden. Dass wir traurig sein dürfen und trotzdem lachen. Abschied nehmen und gleichzeitig voller Hoffnung nach vorne schauen. Dankbar zurückblicken und neugierig auf das sein, was kommt. Vielleicht ist Glück manchmal gar nicht die Abwesenheit von Traurigkeit – sondern die Erkenntnis, dass beides nebeneinander Platz haben darf.

Gestern endete nicht nur ein Tag voller Gegensätze. Gestern endete auch mein Urlaub. Ein Urlaub, für den ich unglaublich dankbar bin. Für all die Begegnungen, die kleinen Abenteuer, die Sonnenaufgänge, Gespräche, Gartenmomente und Erinnerungen, die ich mitnehmen darf. Während ich gleichzeitig ein paar traurige Stunden hatte - vielleicht sogar ein paar mehr....

Und heute beginnt wieder der Alltag.

Ob ihr es glaubt oder nicht: Nachdem sich gestern Abend doch ein kleiner Abschiedsschmerz bemerkbar gemacht hat, freue ich mich inzwischen tatsächlich darauf, wieder zu arbeiten. Und werde auch gleich damit anfangen. 

Vielleicht hüpfe ich in der Mittagspause einmal kurz in den Pool. Bei den angekündigten Temperaturen wäre das vermutlich keine schlechte Idee. Und was das Wetter angeht …Petrus hat meinen Urlaub erstaunlich gut begleitet. Meine Nachbarin meinte allerdings neulich augenzwinkernd, Petrus würde meinen Blog vermutlich mitlesen. Seitdem halte ich mich mit Kommentaren zum Wetter lieber etwas zurück.

Man muss sein Glück schließlich nicht herausfordern.

Ich wünsche euch einen wunderschönen Mittwoch.

Passt gut auf euch auf. ❤️

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