Alles im grünen Bereich?

Veröffentlicht am 30. Juli 2026 um 07:33

"Die Hoffnung ist das einzige Gut, das allen Menschen gemeinsam ist.“ – Thales von Milet

Guten Morgen, liebe Leserinnen und liebe Leser 💚 Ist bei euch alles im grünen Bereich? Bei mir lautete die Antwort gestern: Jein.

Mein erster Arbeitstag nach drei Wochen Urlaub begann bei Temperaturen, bei denen Petrus offenbar beschlossen hatte, den Sommer noch einmal in die Verlängerung zu schicken. Fast 40 Grad zeigte das Thermometer. Umso dankbarer war ich, dass meine Gartenlaube erstaunlich angenehm blieb und ich meinen Arbeitsplatz nicht gegen einen Platz im Kühlschrank eintauschen musste.

Nach drei Wochen Urlaub hatten sich unzählige E-Mails, Termine und To-dos angesammelt. Den größten Teil meines Arbeitstages verbrachte ich deshalb damit, alles zu lesen, zu sortieren, zu planen und zu organisieren. Nach und nach kehrte wieder Struktur ein, auch wenn der Feierabend dadurch deutlich später begann als ursprünglich geplant.

Um ehrlich zu sein, spielte die Mittagspause gestern überhaupt keine große Rolle. Eigentlich wollte ich nur irgendwann in den Pool springen, mich kurz abkühlen und anschließend weiterarbeiten. Daraus wurde allerdings nichts. Die Mittagspause dauerte gerade einmal fünfzehn Minuten und so verschob ich meinen Poolhüpfer auf den Feierabend.

Während ich mich durch den Nachmittag arbeitete, wanderte mein Blick immer wieder nach draußen. Irgendetwas störte mich. Das Wasser war leicht trüb und sah längst nicht mehr so einladend aus wie noch vor ein paar Tagen.

Aufmerksame Leserinnen und Leser dieses Blogs wissen inzwischen, dass dieser Pool und ich in diesem Sommer eine ganz besondere Beziehung führen. Eine Beziehung mit Höhen, Tiefen, Pflastern, Chemie und gelegentlichen Krisengesprächen.Und gestern wurde ein neues Kapitel aufgeschlagen...

Als der Feierabend schließlich da war – deutlich später als geplant –, hielt ich zunächst ein Teststäbchen ins Wasser. Das Ergebnis: Der Chlorgehalt passte, der pH-Wert dagegen war deutlich zu niedrig. Also begann eine neue Rettungsaktion.😩

Nach erfolgreicher Recherche und mit tatkräftiger Unterstützung von Chatty fand das pH-Plus seinen Weg in meinen Pool. Vorschriftsmäßig dosiert. Gut verteilt. Anschließend hieß es warten. Eine Stunde später dachte ich mir, dass ich wenigstens mit den Füßen ins Wasser steigen könnte. Füße kühlen schließlich auch. Also stieg ich – komplett bekleidet – in den Pool.

Oben lief mir der Schweiß herunter. Unten verwandelte sich das Wasser innerhalb weniger Sekunden von leicht trüb in sattes Grün..Nicht ein bisschen grün, sondern spinatsuppengrün... Offenbar hatten sich am Boden Algen angesiedelt, die ich mit meinem Einstieg einmal ordentlich aufgewirbelt hatte. Innerhalb kürzester Zeit war aus meinem Pool eher ein Biotop geworden.

Ich stieg wieder heraus, duschte mich gründlich ab, legte mich stattdessen in den einzigen Fleck Schatten, den mein Garten zu bieten hatte, und führte ein ernsthaftes Gespräch mit mir selbst. Soll ich den Pool einfach abbauen? Oder bekommt er noch eine Chance? Die Antwort fiel zugunsten des Pools aus. Neues Chlor war schnell besorgt beziehungsweise bestellt und wird heute Morgen direkt zum Einsatz kommen. Mit einer Stoßchlorung bekommt der grüne Kandidat noch eine letzte Gelegenheit, sich wieder in einen Pool und nicht in eine Gemüsesuppe zu verwandeln.

Apropos Gemüse. Grün zog sich gestern wie ein roter Faden durch meinen Tag. Vor einigen Wochen hatte ich voller Vorfreude Kohlrabi gepflanzt. Zumindest war ich fest davon überzeugt. Vor ein paar Tagen wollte ich die erste Knolle ernten. Das Blattwerk war riesig, kräftig und versprach eine ordentliche Ernte. Beim Herausziehen stellte ich allerdings fest: Unter der Erde … nichts. Keine Knolle. Gar nichts. Mein erster Gedanke war natürlich, dass irgendein tierischer Gartenbewohner schneller gewesen sein musste als ich.

Doch auch die anderen Pflanzen sahen genauso aus. Viel Grün. Keine Knollen. Ich beschloss also, zu warten...

Und als vorgestern meine Kollegin zu Besuch war und wir gemeinsam Zucchini ernteten, schaute sie auf mein Beet und sagte ganz selbstverständlich „Du hast aber einen wunderschönen Brokkoli.“ Ich antwortete ebenso selbstverständlich: „Ich habe gar keinen Brokkoli.“ Tja. Doch. Hatte ich.

Meine vermeintlichen Kohlrabi waren inzwischen zu wunderschönen Brokkolipflanzen herangewachsen. Und es gibt dafür eigentlich nur zwei Möglichkeiten. Entweder war der Kohlrabi falsch ausgezeichnet. Oder ich habe Brokkoli gekauft und ihn für Kohlrabi gehalten. Die dritte Möglichkeit, dass ich schlicht vergessen habe, Brokkoli statt Kohlrabi gepflanzt zu haben, schließe ich selbstverständlich kategorisch aus. An dieser Version halte ich eisern fest.

So wurde Grün gestern tatsächlich zur Farbe des Tages. Im Pool stand es für Geduld, Hoffnung und die Zuversicht, dass aus der Spinatsuppe irgendwann wieder glasklares Wasser wird. Im Gemüsebeet wartete dagegen eine kleine Überraschung auf mich. Wochenlang war ich überzeugt gewesen, Kohlrabi gepflanzt zu haben. Der Schein sprach eindeutig dafür. Das Sein erzählte eine ganz andere Geschichte. Unter den großen Blättern steckte kein Kohlrabi, sondern ein wunderschöner Brokkoli.

Da musste ich unweigerlich an meine gestrige Geschichte über Schein und Sein denken. Manchmal täuscht uns der erste Eindruck. Manchmal irren wir uns. Und manchmal stellt sich am Ende heraus, dass das, was wir zunächst für einen Fehler gehalten haben, eigentlich eine ziemlich schöne Überraschung ist. Vielleicht lohnt es sich genau deshalb, nicht immer nur auf den ersten Eindruck zu vertrauen. Denn das wahre Leben versteckt sich manchmal genau dort, wo wir etwas ganz anderes erwartet haben.

Und bevor ich mich für heute verabschiede, möchte ich noch einen kleinen persönlichen Moment mit euch teilen. Gestern war nämlich nicht nur ein grüner Pool-Tag, sondern auch ein ganz besonderer Jahrestag. Vor genau drei Jahren ging „Mein Leben im Kleingarten“ online.

Seitdem durfte ich euch an unzähligen kleinen und großen Momenten teilhaben lassen. An glücklichen Tagen, traurigen Tagen, verrückten Ideen, Reisen, Konzerten, Begegnungen, Gartenprojekten, Erfolgen, Rückschlägen und an all den Gedanken, die mir unterwegs durch den Kopf gegangen sind. Wenn man es gut meint, dann habe ich euch in den vergangenen drei Jahren fast täglich mit auf diese Reise genommen.

Ich muss gestehen, dass ich in den letzten Wochen immer wieder darüber nachgedacht habe, eine längere Pause einzulegen oder vielleicht sogar ganz aufzuhören. Nicht, weil mir das Schreiben keinen Spaß mehr macht – ganz im Gegenteil. Sondern weil ich mich manchmal frage, ob nicht irgendwann alles erzählt ist. Und ob ihr überhaupt noch Interesse daran habt. 

Im Moment kommen die Ideen glücklicherweise immer wieder zurück. Deshalb schreibe ich weiter. Trotzdem beschäftigt mich die Frage, wie lange dieses tägliche Erzählen in dieser Form noch funktionieren kann. Und weil das so ist,  habe ich heute eine kleine Bitte an euch.

Falls ihr unbedingt möchtet, dass „Mein Leben im Kleingarten“ weitergeht, dann schreibt mir doch gerne, warum. Was mögt ihr an meinen Geschichten? Warum lest ihr sie? Was geben sie euch? Und was würdet ihr vermissen?

Vielleicht sind genau eure Antworten am Ende die besten Argumente dafür, weiterzuschreiben. Eines möchte ich euch aber schon heute sagen:

Danke.

Danke, dass ihr mich seit drei Jahren begleitet, mitlest, mitlacht, mitfühlt und meinem kleinen Garten ein Stück eurer Zeit schenkt. Das ist alles andere als selbstverständlich – und dafür bin ich von Herzen dankbar. ❤️

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Kommentare

Regina
Vor einer Stunde

Bitte weiterschreiben.Die Geschichten gehören zum Frühstück dazu. Es würde was fehlen. Es wäre so wenn du keinen Kaffee mehr auf der Lieblingsbank trinken würdest. Ab und zu kann man ja mal auf Kaffee und Geschichten verzichten. Aber es sind halt liebgewordene Rituale geworden.