Die Regenmacherin ...

Veröffentlicht am 19. August 2026 um 07:30

„Ohne Regen würde nichts wachsen. Lerne, die Stürme deines Lebens anzunehmen.“ – Paulo Coelho 

Guten Morgen liebe Leserinnen und liebe Leser 💚 Ich sitze heute Morgen schon ziemlich früh mit meinem Kaffee auf der Lieblingsbank und schaue in einen Garten, der heute tatsächlich ein bisschen anders aussieht als noch gestern Morgen. Alles wirkt frischer, grüner und irgendwie erholt. Denn gestern ist etwas passiert, worauf vermutlich nicht nur mein Garten schon ziemlich lange gewartet hat: Es hat geregnet.

Und damit meine ich nicht die ungefähr sieben Tropfen, die in den vergangenen Wochen gelegentlich vom Himmel gefallen sind und bei denen man sich anschließend gefragt hat, ob man eine Fatamorgana gesehen hat. Es hat endlich einmal richtig und vor allem länger geregnet...

Ich habe irgendwann nach Feierabend mit meinem Käffchen auf der Lieblingsbank gesessen, dem Regen zugeschaut und mich tatsächlich sehr darüber gefreut. Denn nach den heißen und trockenen vergangenen Wochen hatte der Garten das wirklich dringend nötig. Und die Menschen vermutlich auch... Gleichzeitig hat mich dieser Regen aber auch ein bisschen traurig gemacht. Wobei der Regen selbst dafür natürlich überhaupt nichts konnte und der Grund eher in meinen persönlichen Umständen der letzten Tage zu suchen ist. Trotzdem passte er irgendwie zu meiner Stimmung.

Vielleicht kennt ihr das auch, dass Regen etwas mit einem macht. Während an einem sonnigen Tag immer irgendetwas zu tun ist und man durch die Gegend läuft, hier noch etwas schneidet, dort noch etwas gießt und zwischendurch feststellt, dass man eigentlich schon vor einer Stunde etwas ganz anderes machen wollte, sitzt man bei Regen einfach mal da und schaut zu. Zumindest mache ich das gerne, und gestern hatte ich dabei ziemlich viel Zeit zum Nachdenken.

Dabei ist mir aufgefallen, dass Regen eigentlich ein ganz schönes Bild für manche Phasen im Leben ist. Wir hätten verständlicherweise gerne möglichst viele sonnige Tage und könnten auf die grauen vermutlich ziemlich gut verzichten. Aber wenn ich mir meinen Garten heute Morgen anschaue, dann weiß ich auch, dass genau diese Regentage manchmal notwendig sind. Die Erde braucht sie, die Pflanzen brauchen sie und vielleicht brauchen wir Menschen sie manchmal ebenfalls, auch wenn wir das in dem Moment nicht unbedingt so sehen.

Man kann schließlich nicht immer nur wachsen, blühen und dabei möglichst hübsch aussehen. Manchmal muss man sich vielleicht auch einfach irgendwo hinsetzen, ein bisschen traurig sein und darauf vertrauen, dass irgendwann wieder die Sonne scheint. Und meistens tut sie das ja auch.

Bevor das hier allerdings zu nachdenklich wird, möchte ich an dieser Stelle noch etwas sehr Wichtiges klarstellen: für den gestrigen Regen bin vermutlich ich verantwortlich - habe ihn quasi gemacht.  Und ihr könnt mich ab sofort buchen.

Ich hatte nämlich gestern den festen Plan, nach Feierabend endlich einmal wieder meinen Rasen zu mähen. Und diejenigen von euch, die meinen Garten in diesem Jahr etwas genauer verfolgt haben, wissen, dass ich sehr gerne mähe. Und vielleicht auch, dass es dieses Jahr nicht häufig passiert ist. Was zum einen daran lag, dass ich ziemlich viel unterwegs war, zum anderen aber auch daran, dass es über lange Zeit so heiß und trocken war, dass ich meinem Rasen nicht auch noch mit einem Rasenmäher zu Leibe rücken wollte. Außerdem habe ich grundsätzlich ein relativ entspanntes Verhältnis zu Grashalmen, die nicht alle exakt dieselbe Länge haben.

Gestern sollte es aber tatsächlich so weit sein. Ich hatte Feierabend, der Rasenmäher stand gedanklich quasi schon bereit und ich wollte vorher wirklich nur noch ganz kurz ein Käffchen auf meiner Lieblingsbank trinken, weil man nach einem Arbeitstag schließlich nicht vollkommen unvorbereitet in körperliche Betätigung starten sollte. Und dann wurde es plötzlich sehr grau, etwas windig und... fing es an zu regnen.

Was soll ich sagen? Ich war natürlich zutiefst enttäuscht, dass ich nun ausgerechnet gestern leider, leider keinen Rasen mähen konnte, habe mein Schicksal aber tapfer angenommen. Was bedeutet, dass ich einfach auf meiner Bank sitzen geblieben bin und dem Regen zugeschaut habe. Man muss schließlich  wissen, wann man verloren hat.

Falls es bei euch also demnächst dringend regnen müsste, meldet euch einfach bei mir. Ich komme vorbei, stelle mich mit einem Rasenmäher in euren Garten und kündige möglichst glaubwürdig an, dass ich direkt nach meinem Kaffee anfange. Wenn meine bisherigen Erfahrungen stimmen, dürfte sich das Problem innerhalb kürzester Zeit erledigt haben.

Viel mehr ist gestern tatsächlich auch nicht passiert. Irgendwann wurde aus dem Käffchen ein ziemlich ruhiger Abend, ich war für meine Verhältnisse erstaunlich früh im Bett und habe dafür richtig gut geschlafen. Und nun sitze ich heute Morgen schon wieder hier auf meiner Lieblingsbank. Es ist noch angenehm ruhig, mein Morgenkaffee steht neben mir und vor mir liegt ein Garten, dem man ansieht, wie gut ihm dieser Regen getan hat.

Vielleicht ist das auch der Gedanke, den ich aus diesem ziemlich unspektakulären Dienstag mitnehme. Dass Regen eben nicht nur grau und manchmal ein bisschen traurig ist, sondern dass er gleichzeitig dafür sorgt, dass etwas wieder Kraft bekommt und weiterwachsen kann. Und dass man manche Regentage vielleicht einfach aushalten muss, ohne schon genau zu wissen, wann wieder die Sonne scheint.

Mein Garten jedenfalls scheint heute Morgen ziemlich zufrieden zu sein. Und ich glaube, ich bin es auch ein kleines bisschen mehr. Nur der Rasen steht immer noch da. Aber dafür kann ich nun wirklich nichts. 😉

Ich wünsche euch einen schönen Tag und genau das Wetter, was ihr gerade braucht 😉❤️

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