Guten Morgen liebe Leserinnen und liebe Leser 🩷 Manchmal sitze ich morgens mit meinem Kaffee auf der Lieblingsbank und überlege, was ich euch eigentlich erzählen könnte.
Normalerweise liefern mein Garten und insbesondere mein Leben zuverlässig irgendeine Geschichte. Irgendetwas passiert, wächst, geht kaputt, wird von mir versehentlich abgeschnitten, von irgendwelchen Tieren gefressen oder entwickelt ein Eigenleben, das so ganz sicher nicht in meinem ursprünglichen Garten- beziehungsweise Lebenskonzept vorgesehen war.
Die letzten beiden Tage allerdings war es erstaunlich ruhig. Und weil ich euch ja schlecht schreiben kann: „Guten Morgen, gestern und vorgestern ist nichts passiert, schönen Freitag euch“, habe ich ein bisschen darüber nachgedacht, ob „nichts passiert“ eigentlich wirklich stimmt.
Denn bekanntlich sind es ja gar nicht die großen Dinge, die einen Tag ausmachen. Am Mittwochabend zum Beispiel habe ich ein paar Stunden in sehr angenehmer Gesellschaft verbracht. Eigentlich sollte es nur ein kurzer Abend werden, aber wie das mit den kurzen Abenden bei mir so ist, wurde es natürlich später als ursprünglich geplant. 😉
Wir haben geredet. Über Gott und die Welt, über Menschen, Beziehungen, das Leben und vermutlich noch ungefähr 37 andere Dinge, die sich im Laufe eines solchen Abends ergeben. Es war schön, manchmal nachdenklich, manchmal lustig und an einigen Stellen überraschend offen. Und irgendwann war der Abend vorbei, ich lag im Bett und hätte eigentlich nur noch schlafen müssen. Eigentlich... Denn dann kam die Mücke.
Eine einzelne Stechmücke, die offenbar beschlossen hatte, dass dieser Abend noch nicht genug Gesprächsstoff für einen Blogbeitrag geliefert hatte. Ich weiß nicht, ob ihr das kennt, aber eine Mücke im Schlafzimmer besitzt eine erstaunliche Fähigkeit: Solange das Licht an ist, ist sie verschwunden. Sobald man das Licht ausschaltet und gerade am einschlafen ist, fliegt sie ungefähr drei Millimeter am Ohr vorbei.
Bssssssss... Licht an... Mücke weg... Licht aus. Bssssssss.
Und irgendwann lag ich da und dachte, dass diese kleine Mücke eigentlich ein ziemlich schönes Bild für manche Dinge im Leben ist. Es gibt Gedanken, die sind genauso.
Tagsüber bekommt man sie ganz gut in den Griff. Man arbeitet, telefoniert, räumt irgendetwas auf, sitzt in der Sonne, hört Musik oder beschäftigt sich mit den wirklich wichtigen Dingen des Lebens – zum Beispiel der Frage, warum eine Gurkenpflanze innerhalb von ungefähr drei Stunden beschließen kann, das gesamte Gewächshaus zu übernehmen.
Und dann kommt die Nacht. Es wird ruhig... Bssssssss....Da ist der Gedanke wieder und wirkt plötzlich sehr viel größer... manchmal so groß, wie ein Elefant.... Man kann versuchen, danach zu schlagen. Man kann das Licht anschalten und ihn suchen. Man kann sich darüber ärgern, dass er überhaupt da ist. Oder man akzeptiert irgendwann, dass manche Gedanken noch ein bisschen herumschwirren, bevor sie sich endgültig verabschieden.
Aber vielleicht muss auch gar nicht jeder Gedanke sofort gelöst werden. Das war jedenfalls meine Erkenntnis irgendwann mitten in der Nacht. Wobei ich zugeben muss, dass meine philosophische Haltung gegenüber der Mücke deutlich nachgelassen hat, je länger sie mich wachgehalten hat. Irgendwann wollte ich nicht mehr annehmen, loslassen oder innerlich wachsen. Ich wollte sie einfach nur noch töten. 🤣 Sie hatte mich nämlich heimtückisch, zielstrebig und bösartig gleich fünfmal erwischt. Was meinem Schlafbedürfnis deutlich entgegen wirkte...
Entsprechend ausgeschlafen startete ich dann gestern in den Donnerstag. Nämlich gar nicht. Trotzdem wurde daraus ein angenehmer und vor allem ruhiger Tag. Und genau das habe ich gerade gebraucht. Keine großen Ereignisse. Keine Katastrophen im Garten. Niemand musste gerettet werden. Soweit ich weiß, hat auch keine Pflanze über Nacht ihren Standort gewechselt. Am Abend saß ich schließlich draußen, hörte abwechselnd Podcast und Musik und genoss die Abendsonne.
Und da fiel mir auf, dass gerade kein Gedanke in meinem Kopf schwirrte. Was ein sehr angenehmer Zustand war. Vor allem wenn man wie ich dazu neigt, grundsätzlich zu viel zu denken. Und dabei allzu häufig aus einer Mücke einen Elefanten zu machen 😉
Manchmal ist das schon die ganze Geschichte. Dass nicht immer etwas passieren muss. Dass ein guter Tag nicht zwangsläufig einer ist, an dem man etwas Besonderes erlebt, sondern manchmal einer, an dem man einfach irgendwo sitzt, die Sonne im Gesicht hat und für einen Moment überhaupt nichts von sich oder vom Leben verlangt.
Und dass selbst die Dinge, die noch ein bisschen im Kopf herumschwirren, irgendwann leiser werden. Bssssssss. Vielleicht sind sie noch da. Aber man muss nicht jedes Mal das Licht anschalten.
Und damit wünsche ich euch einen wunderschönen Freitag und starte ziemlich entspannt ins Wochenende. Wobei … entspannt möglicherweise nur bedingt das richtige Wort ist. Denn heute Nachmittag steht noch ein echtes Highlight an : Mein Neffe wird aus einem Flugzeug springen. Freiwillig. Mit Fallschirm natürlich, aber diese Information beruhigt mich bislang nur mäßig.
Er wird also vermutlich mit einem breiten Grinsen irgendwo aus mehreren Tausend Metern Höhe Richtung Erde fliegen, während seine stellvertretende Erziehungsberechtigte unten stehen und einen mittelschweren Nervenzusammenbruch erleiden wird...
Ich freue mich schon sehr. 🤣
In diesem Sinne: Habt einen wunderschönen Freitag. Und falls euch heute irgendein Gedanke hartnäckig um den Kopf schwirrt, denkt an meine Mücke. Manchmal muss man nicht sofort eine Lösung finden. Und manchmal braucht man einfach eine Fliegenklatsche. 😉
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