„Augustregen: Das Beste des Sommers ist vorbei, und der neue Herbst noch nicht geboren. Eine seltsame Zeit dazwischen.“ — Sylvia Plath
Guten Morgen liebe Leserinnen und liebe Leser ❤️ Hier sitze ich mit meinem Morgenkaffee und habe schon wieder nichts zu erzählen. Das kommt gelegentlich vor und führt meistens dazu, dass ich anschließend ungefähr 1.500 Wörter darüber schreibe...
Fangen wir also mit Petrus an. Der scheint nämlich momentan ein bisschen orientierungslos zu sein und möglicherweise sollte ihm mal jemand mitteilen, dass wir immernoch August haben. Denn gestern hatte er schon wieder seinen Auftritt.
Eigentlich sollte nämlich jemand, der sich sehr darauf gefreut hatte, freiwillig aus einem funktionierenden Flugzeug springen. Mit Fallschirm, versteht sich. Alles andere hätte den heutigen Blogbeitrag vermutlich in eine deutlich andere Richtung gelenkt. Daraus wurde allerdings nichts, denn der Fallschirmsprung wurde wetterbedingt abgesagt.
Petrus war offenbar der Meinung, dass gestern kein guter Tag dafür sei, Menschen mehrere tausend Meter über der Erde aus Flugzeugen hüpfen zu lassen. Und bei aller gelegentlichen Kritik an seiner Arbeitsweise muss ich sagen: Bei solchen Dingen bin ich durchaus bereit, seine Entscheidung zu akzeptieren.
Wenn diejenigen, die sich mit Fallschirmen, Wolken und Wind auskennen, sagen, dass man besser am Boden bleibt, dann bleibt man am Boden. Manche Dinge sollte man eben nicht erzwingen. Das gilt übrigens offensichtlich auch für Tomaten.
Meine Tomaten haben nämlich beschlossen, sich der allgemeinen Entwicklung ebenfalls zu verweigern. Sie hängen seit Wochen in großer Zahl an ihren Pflanzen, sehen ausgesprochen gesund aus und sind vor allem eines: grün. Sehr grün.
Ich schaue sie mittlerweile jeden Morgen erwartungsvoll an, vermutlich ähnlich wie Eltern ihre Kinder anschauen, wenn diese mit 25 immer noch keine Anstalten machen, auszuziehen. Ich möchte keinen Druck machen, aber ein bisschen Eigeninitiative wäre inzwischen durchaus angebracht. Andere Menschen ernten im August rote Tomaten. Ich züchte Dekoration.
Vielleicht liegt es allerdings auch hier an Petrus, denn heute Morgen fühlt es sich schon wieder verdächtig nach Herbst an. Nicht nach dem schönen Herbst mit bunten Blättern, Kastanien und der völlig legitimen Möglichkeit, schon nachmittags um fünf eine Decke über die Beine zu legen, sondern nach diesem ersten kleinen Vorgeschmack darauf, dass der Sommer möglicherweise langsam seine Sachen zusammensucht.
Ich bin damit noch nicht einverstanden. Schließlich ist August und ich habe mit diesem Sommer noch Pläne. Meine Tomaten übrigens hoffentlich auch. Vielleicht brauchen sie einfach noch Zeit. Vielleicht fehlt ihnen Sonne. Vielleicht haben sie aber auch nur meinen Dickkopf geerbt und werden rot, wenn sie das für richtig halten. Und möglicherweise ist das überhaupt gerade ein ganz gutes Thema.
Manchmal kann man nämlich nichts weiter tun, als abzuwarten, auch wenn das nicht unbedingt zu meinen herausragendsten Talenten gehört. Manche Dinge brauchen Zeit, manche brauchen die richtigen Bedingungen und manche passieren vielleicht auch überhaupt nicht so, wie man sie sich vorgestellt hat. Das muss man nicht immer gut finden, aber man kann trotzdem seinen Kaffee trinken und weitermachen.
Und genau das werde ich heute tun, denn während meine Tomaten weiterhin über ihre persönliche Reife nachdenken, der Fallschirmsprung auf einen neuen Termin wartet und Petrus offenbar schon einmal seine Herbstkollektion ausprobiert, habe ich heute Nachmittag noch etwas vor. Ich gehe zu den Toten Hosen - schon wieder 😉
Und spätestens an dieser Stelle stellt sich ein weiteres Problem dieses Morgens heraus: Ich muss bis heute Nachmittag dringend wieder jung werden. Sehr dringend. Ich weiß nicht genau, wann das passiert ist, aber früher ging man auf ein Konzert, sprang drei Stunden herum, trank anschließend noch irgendwo etwas und stand am nächsten Morgen wieder auf.
Heute überlegt man morgens bereits, welche Schuhe man anzieht, damit einem abends der Rücken nicht wehtut, ob man vorher noch ein Mittagsschläfchen machen sollte und ob es gesellschaftlich akzeptiert wäre, einen Klappstuhl mit aufs Gelände zu nehmen.
Ich bin mir ziemlich sicher, dass Campino daran schuld ist. Der hüpft schließlich seit Jahrzehnten über Bühnen und vermittelt damit Menschen meiner Generation völlig falsche Vorstellungen davon, was in unserem Alter körperlich noch möglich sein müsste.
Ich werde also den Vormittag nutzen, um meinen Körper davon zu überzeugen, dass wir ungefähr 25 sind. Erfahrungsgemäß funktioniert das spätestens dann, wenn die ersten Töne erklingen. Die Rechnung dafür kommt allerdings meistens am nächsten Morgen. Das ist aber das Problem der Kerstin von morgen. Die Kerstin von heute freut sich auf das Konzert. Sehr sogar. Und gleichzeitig sehe ich diesem Abend aus Gründen mit ein bisschen gemischten Gefühlen entgegen.
Mehr gibt es dazu heute gar nicht zu sagen. Manche Orte, manche Lieder und manche Abende tragen eben Erinnerungen mit sich herum, die man nicht einfach an der Garderobe abgeben kann. Sie kommen mit hinein, stellen sich irgendwo neben einen und sind plötzlich da, wenn ein bestimmtes Lied gespielt wird. Vielleicht ist das aber auch völlig in Ordnung. Musik kann schließlich beides. Sie kann uns mitten in eine Erinnerung zurückwerfen und uns gleichzeitig zeigen, dass wir trotzdem weitergegangen sind.
Und vielleicht ist genau das heute mein Plan: nicht darüber nachdenken, was einmal war, was hätte sein können oder was irgendwann sein wird, sondern einfach dort stehen, zuhören, mitsingen und den Abend nehmen, wie er kommt.
Das gilt übrigens auch für meine Tomaten. Vielleicht sind sie morgen rot. Vielleicht auch nächste Woche. Vielleicht esse ich im Oktober Tomatensalat unter einer Wolldecke. Man weiß es nicht. Aber so bleibt es wenigstens spannend.
Und bis dahin werde ich jetzt erstmal meinen Kaffee austrinken, den grünen Tomaten noch einmal eindringlich ins Gewissen reden und anschließend mit meinem persönlichen Verjüngungsprogramm beginnen.
Falls also jemand ein zuverlässiges Mittel kennt, mit dem man innerhalb weniger Stunden ungefähr zwanzig Jahre jünger wird, ohne Sport treiben zu müssen, dürft ihr euch gerne melden. Ansonsten versuche ich es heute Nachmittag einfach mit lauter Musik. Hat bisher schließlich auch ganz gut funktioniert.
Habt einen schönen Samstag. ❤️
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