Guten Morgen liebe Leserinnen und liebe Leser ❤️ Hier sitze ich mit meinem Morgenkaffee auf meiner Lieblingsbank und genieße einen ziemlich unspektakulären Morgen. Und genau das fühlt sich heute ausgesprochen gut an. Denn gestern war ein guter Tag. Obwohl er mit einen Termin bei meiner Frauenärztin begann...
Solche Termine gehören für mich mittlerweile zu denen, bei denen mein Kopf gerne schon vorher ein kleines Eigenleben entwickelt. Was vermutlich daran liegt, dass sie in den vergangenen Jahren nicht immer so verliefen, wie man sich das wünschen würde... Dreimal hatte sie einen Tumor in der Brust entdeckt und ich musste deswegen zweimal operiert werden. Am Ende waren alle Tumore gutartig und das ist großes Glück.
Und ich weiß das auch - frage mich aber immer mal wieder, wie oft man Glück haben kann... Denn solche Erfahrungen hinterlassen trotzdem Spuren. Man geht irgendwann nicht mehr vollkommen unbedarft zu einer Untersuchung. Auch wenn eigentlich gar nichts dafür spricht, dass etwas nicht in Ordnung sein könnte, sitzt da irgendwo dieser kleine Gedanke. Was, wenn doch?
Gestern war nichts. Gestern war alles gut - Oben, unten, insgesamt. 😁 Und selten haben sich zwei so unscheinbare Wörter so gut angefühlt: Alles gut. 💚
Auf dem Heimweg musste ich an etwas denken, das ich eigentlich schon einmal sehr viel besser konnte. Nach meinem zweiten Tumor und meiner ersten Operation habe ich mein Buch „Regentage“ geschrieben. Die Situation damals war ernst. Es gab durchaus Gründe, Angst zu haben, und natürlich hatte auch ich meine Momente. Trotzdem war da etwas in mir, das erstaunlich stabil geblieben ist: die feste Überzeugung, dass am Ende alles gut werden würde.
Ich habe mir damals keine heile Welt eingeredet. Ich wusste sehr genau, dass es gerade regnete. Aber ich war trotzdem überzeugt davon, dass irgendwann wieder die Sonne scheint. Und sie schien. Wenn ich heute daran zurückdenke, merke ich, dass mir ein Teil dieses Vertrauens irgendwann abhandengekommen ist. Nicht komplett. Ich bin immer noch ich und kann mich über Kleinigkeiten freuen, über einen schönen Morgen, meinen Garten, Menschen, Musik, einen Kaffee auf meiner Lieblingsbank und ziemlich viele andere Dinge.
Aber ich bin vorsichtiger geworden. Ich denke mehr voraus, spiele Möglichkeiten durch. Ich versuche, mich innerlich auf Dinge vorzubereiten, die passieren könnten. Und manchmal ertappe ich mich dabei, dass ich gedanklich schon Berge besteige, die noch nicht einmal da sind. Was könnte passieren?Was mache ich, wenn? Was, wenn es diesmal anders kommt?
Dabei wird ein möglicher Berg nicht kleiner, nur weil ich ihn vorsorglich schon dreimal im Kopf bestiegen habe. Und manchmal stellt sich hinterher sogar heraus: Da war überhaupt keiner. Gestern war so ein Tag.
Also habe ich beschlossen, mir etwas zurückzuholen. Nicht die Naivität meiner Jugend. Die brauche ich gar nicht mehr. Aber dieses Vertrauen. Das Gefühl, dass ich nicht heute schon Angst vor etwas haben muss, das morgen vielleicht überhaupt nicht passiert.
Berge erst besteigen, wenn sie da sind. Und vorher die Aussicht genießen. Eigentlich ein ziemlich guter Plan. Und während ich darüber nachgedacht habe, ist mir aufgefallen, dass es noch eine andere Seite davon gibt.
Denn Angst kann uns nicht nur dazu bringen, uns mit Dingen zu beschäftigen, die noch gar nicht passiert sind. Sie kann uns auch davon abhalten, Dinge zu tun, die wir eigentlich gerne tun würden. Weil sie uns wichtig sind. Denn sobald uns etwas wirklich etwas bedeutet, gibt es keine Garantie mehr.
Das gilt ganz besonders für Menschen. Sich wirklich auf jemanden einzulassen bedeutet immer auch, ein Risiko einzugehen. Man kann vorsichtig abtasten, Andeutungen machen. Man kann warten, bis man sich ganz sicher ist. Man kann versuchen, möglichst früh herauszufinden, ob der andere genauso empfindet, bevor man selbst einen Schritt macht.
Und ich verstehe das sogar ziemlich gut. Denn wer sich nicht aus der Deckung wagt, kann auch nicht zurückgewiesen werden. Wer nicht zeigt, wie wichtig ihm etwas ist, macht sich weniger verletzlich. Und wer niemals den ersten Schritt macht, muss auch nicht erleben, dass der andere ihn vielleicht nicht entgegenkommt.
Nur gibt es bei dieser Variante ein kleines Problem: Man schützt sich nicht nur vor dem, was wehtun könnte. Man hält damit manchmal auch genau das auf Abstand, was wunderschön werden könnte. Echte Nähe gibt es nun einmal nicht mit Sicherheitsgarantie.
Dafür braucht es Mut. Den Mut, sich wirklich einzulassen, obwohl man nicht weiß, wie es ausgeht. Den Mut, eine klare Frage zu stellen und damit leben zu können, dass die Antwort auch Nein heißen könnte. Den Mut, zu zeigen: Du bist mir wichtig. Und ja, auch den Mut, möglicherweise verletzt zu werden.
Ich glaube nicht, dass wir jedes Risiko eingehen sollten. Und ich glaube schon gar nicht, dass man immer wieder alleine mutig sein muss, während jemand anderes bequem in sicherer Entfernung stehen bleibt. Aber wenn mir etwas wirklich wichtig ist, möchte ich nicht irgendwann zurückschauen und feststellen, dass ich es aus lauter Angst vor einem möglichen Schmerz gar nicht erst versucht habe.
Das ist wahrscheinlich die Verbindung zwischen meinen beiden Gedanken von gestern. Ich möchte mir keine Berge mehr ausdenken, die vielleicht niemals vor mir stehen. Aber vor denen, die es wert sind, möchte ich auch nicht stehen bleiben, nur weil ich nicht weiß, was mich auf der anderen Seite erwartet.
Ein bisschen von der Frau, die damals „Regentage“ geschrieben hat, möchte ich mir deshalb zurückholen. Die wusste nämlich schon etwas, das ich zwischenzeitlich ein wenig vergessen hatte: Regen ist Regen. Er kann kalt sein, unangenehm und manchmal ziemlich heftig.
Aber man muss deshalb nicht schon bei blauem Himmel mit aufgespanntem Regenschirm herumlaufen. Und schon gar nicht im Haus bleiben 😉
Heute Morgen bleibt mein Regenschirm zu. Ich sitze mit meinem Morgenkaffee auf meiner Lieblingsbank. Und genieße die Aussicht. 🌸
Habt einen wunderschönen Dienstag 🫶
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