Vom Zapfhahn und der Dankbarkeit 🧡

Veröffentlicht am 21. September 2026 um 07:00

Guten Morgen liebe Leserinnen und liebe Leser ❤️ Da bin ich wieder, nachdem ich euch zwei Tage in Ruhe gelassen habe 😉Nicht geplant und nicht angekündigt, aber es war einfach nicht die Zeit zum Schreiben. Dafür gab es ziemlich viel zu erleben...

Und heute Morgen sitze ich wieder mit meinem Morgenkaffee auf der Lieblingsbank und habe das Gefühl, dass dieses Wochenende mal wieder viel zu schnell vorbei war - auch wenn sich Teile davon zuweilen ziemlich lang angefühlt haben. Aber dazu kommen wir später. 

Zuerst einmal kommen wir zum Freitag, der ein relativ unspektakulärer Tag war mit einigen Terminen am Laptop, einer kleinen (sehr unangenehmen) Mission "Altfahrzeugvonvogelexkrementenbefreien - ohnefließendeswasser" und einem sehr gemütlichen Abschluss. Letzteren hatte ich meiner Schwester und meinem jüngsten Patenkind zu verdanken, mit denen ich ein paar schöne Stunden verbracht, geredet, gelacht und einfach zusammengesessen habe.

Das war mal wieder so ein Abend, bei dem hinterher gar nicht unbedingt ein großes Ereignis in Erinnerung bleibt. Sondern dieses warme, vertraute Gefühl, Zeit mit Menschen verbracht zu haben, die man sehr lieb hat. Und ich mag das sehr.

Am Samstagmorgen war es mit der familiären Gemütlichkeit dann allerdings vorbei. Denn ein großes Ereignis warf seine Schatten voraus : Das Erntedankfest unserer Kleingartenanlage. Ein Highlight, das jedes Jahr stattfindet und dem ich mit gemischten Gefühlen gegenüber stehe. Denn so schön es auch immer ist, beendet es auch irgendwie die Gartensaison...

Und wer jetzt denkt, ich hätte mich bei herrlichem Spätsommerwetter entspannt zwischen reich gedecktem Erntedankaltar, Kuchenbuffet und Livemusik bewegt, der kennt Kleingartenfeste offensichtlich nur aus der Besucherperspektive. 😄

Mein Einsatz begann pünktlich um 15 Uhr am Kaffeeausschank. Und nachdem ich in den Jahren zuvor bereits lernen durfte, dass Kaffee und Kuchen bei Kleingärtnern und ihren Gästen durchaus eine ernste Angelegenheit sein können... hatte ich ein bisschen Respekt vor dem Moment, als es dann wirklich losging... und dann ging es richtig los... 

Kaffee raus, Bon einsammeln, Tassen zurück, Teller zurück, noch mehr Tassen zurück, viel mehr Kaffee raus... und irgendwann hatte ich das Gefühl, dass sich sämtliches Geschirr des Saarlandes zu einem gemeinsamen Ausflug in unsere Spülküche verabredet hatte.Ich habe gespült.. und gespült... zwischendurch Kaffee ausgeschenkt... und zur Abwechslung noch ein bisschen gespült.

Mehrere Stunden später folgte dann der berufliche Aufstieg Vom Kaffee zum Bier... Sechs Stunden hinter dem Bierstand.

Ich finde, das klingt zunächst einmal nach einer ausgesprochen attraktiven Stellenbeschreibung. Die Realität bestand allerdings aus Zapfen, Kassieren, Nachfüllen, Gläsern, Bestellungen von rechts, Bestellungen von links und natürlich... spülen... sehr viel spülen. Ach so und der interessanten Erkenntnis, dass zwei erwachsene Menschen hinter einer ziemlich engen Theke und vor zwei Kühlschranken mit großen Türen erstaunlich viele Möglichkeiten haben, gleichzeitig genau dort stehen zu wollen, wo der andere gerade hinmuss...

Teamwork auf wenigen Quadratmetern bekommt jedenfalls eine völlig neue Bedeutung. Und irgendwann entwickelt man ein eigenes kleines Verkehrssystem, lernt, sich ohne größere Zusammenstöße aneinander vorbeizuschieben und stellt fest, dass ein „Hinter dir!“ durchaus eine vollständige und ausgesprochen wichtige Form der Kommunikation sein kann. Nach ein paar Minuten waren wir bereits ein eingespieltes Team und arbeiteten Hand in Hand. Was bei der hohen Nachfrage nach frisch gezapftem Bier tatsächlich hilfreich war. 

Am Ende haben wir es geschafft - sogar ausgesprochen gut. Und vor allem hatten wir dabei verdammt viel Spaß. So viel sogar, dass ich irgendwann am Abend festgestellt habe, dass ich bei all dem Trubel eine nicht ganz unwichtige Sache vergessen hatte: zu essen. Und das, obwohl es ein riesiges Kuchenbuffet und später leckeres warmes Essen gab. Für alle. Theoretisch auch für mich.

Praktisch habe ich es aber geschafft, mehrere Stunden in unmittelbarer Nähe zu sämtlichen Nahrungsmitteln zu verbringen und trotzdem nichts davon abzubekommen. Das muss man auch erst einmal können.

Zum Ausgleich hätte ich mich natürlich an die Getränke halten können. Immerhin stand ich sechs Stunden direkt an der Quelle. Dummerweise entsprach die Getränkeauswahl aber ungefähr so sehr meinem persönlichen Geschmack, wie die musikalische Begleitung des Abends.

Deshalb habe ich die Livemusik in einem nahezu nüchternen Zustand zu mir genommen. Was auch eine Erfahrung war 😉 Musikalisch war es tatsächlich nicht ganz meine Welt. Ich möchte allerdings völlig neidlos anerkennen, dass ich mit dieser Einschätzung ziemlich allein dastand. Die Stimmung war großartig, die Menschen hatten Spaß, sangen mit und irgendwann wurde auch getanzt. Und genau darum geht es ja schließlich.

Und ich muss ehrlich zugeben, dass Axl Rose für unser Erntedankfest möglicherweise nur bedingt ins Gesamtkonzept gepasst hätte... Obwohl ich mir den Gedanken durchaus gerne kurz vorstelle : Axl zwischen Kürbissen, Erntedankaltar und Grumbeer-Kieschelscher. Ich hätte es gefeiert..Vermutlich nahezu allein. 😄

Und genau da sind wir wieder bei dem, was diesen Samstag für mich ausgemacht hat. Natürlich war unser Erntedankaltar wunderschön. Das Kuchenbuffet beeindruckend, das Essen offensichtlich lecker – ich verlasse mich da aus genannten Gründen auf die Aussagen anderer –, die Kinder hatten Hüpfburg und Kinderschminken und die Livemusik gehörte genauso dazu wie die Ehrung unserer langjährigen Mitglieder.

Aber wenn ich heute Morgen daran zurückdenke, sehe ich vor allem Menschen. Menschen, die vorbereitet, gebacken, gekocht, aufgebaut, geschleppt, gespült, gezapft und geholfen haben. Menschen, die gekommen sind, weil sie gerne bei uns sind. Menschen, die zusammensaßen, sich unterhalten und miteinander gelacht haben. Und mittendrin ich.

Müde Füße, schmerzender Rücken, vermutlich, leicht schrumpelige Spülhände, dezenter Biergeruch, hungrig, erstaunlich nüchtern und...  ziemlich glücklich.

Denn Gemeinschaft ist ja so ein großes Wort. Am Samstag war sie ganz einfach. Sie stand neben mir hinter der Theke. Sie reichte mir Gläser. Sie brachte schmutzige Teller zurück. Sie saß an den Tischen. Sie sang vor der Bühne. Sie lachte mit mir. Und manchmal stand sie mir auch einfach im Weg, weil unsere Theke nun einmal nicht größer wurde.

Nach einer ziemlich kurzen Nacht wurde mein Sonntag dann wesentlich ruhiger. Endlich mal wieder ein Familiensonntag - so richtig und so, wie sich das gehört. Und es gab Rosenkohl-Auflauf von Mama.❤️ Was angesichts meiner kulinarischen Fehlplanung vom Vortag vermutlich auch dringend nötig war. Und unabhängig davon verdammt lecker...

Und spätestens da war ich wieder bei dem Gedanken, der sich für mich durch dieses ganze Wochenende zieht. Ich saß bei meiner Familie und habe wieder einmal diese Fürsorge gespürt, die für mich so vertraut ist, dass ich manchmal aufpassen muss, sie nicht für selbstverständlich zu halten. Ist sie nämlich nicht.

Dass da Menschen sind, bei denen ich einfach Tochter, Schwester, Tante sein darf. Dass ich willkommen bin. Dass wir zusammensitzen, erzählen und miteinander essen. Dass meine Mama immernoch für mich kocht und ich Woche für Woche diese kleinen und großen Formen von Fürsorge erleben darrf. Dafür bin ich unglaublich dankbar.

Und während ich jetzt hier auf meiner Lieblingsbank sitze, passt dieses Wochenende für mich plötzlich ziemlich wunderbar zusammen..Freitag meine Schwester und meine Nichte. Samstag der Soutyhof mit ganz viel Gemeinschaft, schöner Gesellschaft, Arbeit, Chaos, Lachen, sechs Stunden Hochleistungssport hinter einer Biertheke und einer musikalischen Horizonterweiterung bei nahezu vollständiger Nüchternheit. Sonntag meine Familie und Mamas Auflauf.

Drei völlig unterschiedliche Tage. Und trotzdem haben sie sich für mich alle gleich angefühlt. Reich. Nicht reich an Dingen. Reich an Menschen. An Menschen, die mir guttun. An gemeinsamen Stunden. An Lachen und Gesprächen. An Vertrautheit und Fürsorge. An Menschen, mit denen ich gerne Zeit verbringe und an diesen kleinen Momenten, in denen ich merke, dass mein Leben ziemlich viele schöne Stellen hat.

Das vergesse ich manchmal. Nicht, weil ich undankbar bin. Sondern weil die Dinge, die fehlen, wehtun oder mich beschäftigen, gelegentlich verdammt laut sein können. Dieses Wochenende war lauter. Zum Glück.

Und vom Erntedankfest nehme ich deshalb weder einen Teller vom Kuchenbuffet mit – von dem hatte ich ja ohnehin nichts – noch ein Bier aus dem Ausschank Ich nehme dieses Gefühl mit. Da ist ziemlich viel. Und dafür bin ich sehr dankbar ❤️

Ich wünsche euch einen guten Start in die Woche und jede Menge, für das ihr dankbar sein könnt 🫶

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