„Das Glück ist das einzige, das sich verdoppelt, wenn man es teilt.“ - Albert Schweitzer
Guten Morgennliebe Leserinnen und liebe Leser ❤️ Heute muss ich eine Erkenntnis mit euch teilen: ich fürchte, ich bin keine besonders gute Geschäftsfrau...
Diese Erkenntnis kam gestern nicht ganz überraschend. Eigentlich hatte ich sie schon vor ein paar Jahren, als ich ausnahmsweise etwas bei eBay verkaufen wollte. Unter anderem ein Paar Schuhe. Sehr schöne Schuhe sogar: richtig teure Lederschuhe, die ich irgendwann unbedingt haben musste und anschließend praktisch nie getragen habe, weil meine Füße einfach nicht zu ihnen passen wollten...
Also stellte ich sie bei eBay ein - als Auktion. Was dazu führte, dass sie am Ende für ungefähr 15 Euro die Besitzerin wechseln sollten. Ich war kurz ein bisschen beleidigt und habe das System angezweifelt. Aber Auktion ist Auktion. Und wer Sachen ab einem niedrigen Preis einstellt, darf sich anschließend nicht darüber beschweren, wenn Menschen tatsächlich zu einem niedrigen Preis darauf bieten. Auch wenn man insgeheim natürlich davon ausgeht, dass kurz vor Schluss mindestens drei Menschen die Nerven verlieren und sich gegenseitig hochbieten.
Nun... taten sie nicht. Also schickte ich der Käuferin meine Kontodaten und bat sie, die 15 Euro zu überweisen. Kurz darauf bekam ich eine ziemlich kleinlaute Nachricht. Ob sie vielleicht vom Kauf zurücktreten könne. Sie könne sich die 15 Euro im Moment leider nicht leisten.
Und das fand ich plötzlich überhaupt nicht mehr ärgerlich. Ich fand es traurig... ich musste nur meinen eigenen Schuhschrank anschauen, um zu wissen, dass ich über diese 15 Euro nicht weiter nachdenken wollte. Ich kaufe mir Schuhe, wenn sie mir gefallen. Meistens welche, die deutlich mehr als 15 Euro kosten. Und ganz offensichtlich sogar welche, die ich anschließend gar nicht trage...
Also schrieb ich der Frau zurück, dass sie mir einfach ihre Adresse schicken soll. Ich würde ihr die Schuhe schenken. Damit hatte ich allerdings nicht gerechnet und wollte mir ihre Adresse anfangs nicht geben. 😂 Was vermutlich auch daran lag, dass mein damaliger eBay-Account unter dem Namen meines Papas lief. Und offenbar fand sie die Vorstellung nicht besonders vertrauenerweckend, dass irgendein wildfremder Mann aus dem Internet plötzlich auf 15 Euro verzichtet, ihr Schuhe schenken möchte und dafür nur noch ihre Adresse braucht.
Eigentlich ziemlich vernünftig und auch nachvollziehbar. Also erklärte ich ihr, dass ich tatsächlich eine Frau bin. Und dass sie mir zur Not auch die Adresse ihres Freundes geben könne, wenn ihr das lieber sei. Irgendwann waren wir uns dann einig. Und meine Bilanz dieses Verkaufs: Einnahmen: 0 Euro. Ausgaben: Porto. Ware: weg.
Geschäftsfrau des Jahres wurde ich überraschenderweise nicht. 😂 Gut angefühlt hat es sich trotzdem. Und damit wären wir ziemlich genau bei gestern.
Denn der kleine rote Corsa und ich versuchen nun schon seit Monaten, getrennte Wege zu gehen. Eigentlich war das alles ganz anders geplant. Ich wollte ihn ganz entspannt verkaufen, solange der TÜV noch lief. Inserieren, Interessenten anschauen lassen, verkaufen, fertig. Ein überschaubarer Plan.
Bis jemand meine Nummernschilder gestohlen hat. Damit begann eine Geschichte, die deutlich länger wurde als vorgesehen. Der Corsa wurde abgemeldet, Kaufinteressenten kamen und gingen, Händler machten mir Angebote, bei denen ich kurz überprüfen musste, ob sie vielleicht nur die Reifen kaufen wollten, und währenddessen rückte das Ende der TÜV-Frist immer näher.
Gestern hatte ich dann endgültig genug. Also habe ich den kleinen Roten wieder angemeldet, neue Kennzeichen besorgt und bin spontan mit ihm zur Hauptuntersuchung gefahren. Und was soll ich sagen? Bestanden. 😉
Nach dem ganzen Theater hätte ich es auch als persönliche Beleidigung empfunden, wenn er ausgerechnet jetzt damit angefangen hätte, Schwierigkeiten zu machen.
Und dann kam gestern Abend eine junge Frau mit ihrem Freund und ihrem Vater vorbei. Sie hatte den Corsa schon vorher gesehen und wollte ihn unbedingt haben. Es fehlten ihr nur leider noch 800 Euro.
Sie erzählte mir, dass sie zwei Wochen brauche, um das Geld zusammenzubekommen. Und während sie das erzählte, standen ihr die Tränen in den Augen. Tja...
Ich glaube, eine richtige Geschäftsfrau hätte an dieser Stelle gesagt: „Melden Sie sich gerne wieder, wenn Sie das Geld zusammenhaben.“ Ich... habe das Inserat gelöscht.🤦♀️ Und ihr versprochen, zwei Wochen zu warten. Wenn sie das Geld zusammenhat, bekommt sie den Corsa. Und ich warte bis dahin einfach weiter.
Ob das klug war, weiß ich nicht. Aber es fühlte sich richtig an. Und genau deshalb musste ich gestern irgendwann wieder an diese Schuhe denken. Offenbar hat sich meine kaufmännische Begabung in den vergangenen Jahren nicht wesentlich weiterentwickelt.
Aber immerhin habe ich den Corsa nicht verschenkt. Noch nicht. 😂 Und ausgerechnet mit diesen Voraussetzungen starte ich morgen in mein nächstes großes wirtschaftliches Abenteuer...
Ich werde Flohmarktverkäuferin. Zum ersten Mal in meinem Leben. Auf einem Mädelsflohmarkt bei uns im Ort. Und ich bereite mich darauf inzwischen ungefähr so vor, als würde ich am Samstag eine Filiale eröffnen. Mein Kleiderständer ist voll. Sehr voll.
Und während ich die Sachen sortiert habe, musste ich feststellen, dass mein Kaufverhalten der vergangenen Jahre durchaus Fragen aufwirft. Da hängen nämlich nicht nur Sachen, die ich irgendwann einmal gern getragen habe. Sondern auch Sachen, die ich kaum getragen habe. Und Sachen, die ich nicht einmal getragen habe.
Dazu kommen Schuhe. Natürlich. Eine komplette Kiste mit Schals und Tüchern. Handtaschen. Und Hosen. Viele Hosen. Sehr viele Hosen. Ich hatte kurz überlegt, die auch noch ordentlich nach Größen zu sortieren. Dann habe ich mir den Stapel angesehen und beschlossen, dass meine zukünftigen Kundinnen durchaus ein bisschen Eigeninitiative zeigen dürfen.
Wenn ich das alles am Samstag tatsächlich verkauft bekomme, könnte ich anschließend vermutlich nicht nur meinen Stand abbauen, sondern auch einen begehbaren Kleiderschrank vermieten. Bis dahin muss ich allerdings üben. Preise nennen. Standhaft bleiben. Nicht bei jedem netten Menschen einknicken. Und vor allem nicht irgendwann sagen: „Ach komm, nimm die Tasche einfach noch mit.“
Meine bisherige Verkaufshistorie lässt mich an diesem Punkt nicht besonders optimistisch in die Zukunft schauen...
Bevor es aber soweit ist, bekomme ich heute erst einmal Besuch. Eine liebe Kollegin aus Wuppertal macht sich tatsächlich auf den ziemlich weiten Weg, um meinen Garten und mich zu besuchen. Darauf freue ich mich sehr. Wir werden gemeinsam lecker essen gehen, reden und sehr wahrscheinlich einen schönen Abend verbringen.
Morgen früh werden wir noch zusammen frühstücken, bevor aus meinem Wochenende endgültig ein Logistikunternehmen wird.
Denn möglicherweise brauche ich tatsächlich zwei Autos, um meine gesammelten Werke zum Mädelsflohmarkt zu transportieren. Ich möchte an dieser Stelle noch einmal daran erinnern: ich fahre dorthin, um meinen Besitz zu reduzieren. Das Konzept hat noch kleinere Schwächen. 😂
Morgen wird es deshalb auch keinen neuen Beitrag geben. Ich habe schließlich zu tun. Ich muss reich werden. Oder wenigstens ein paar Hosen loswerden.
Am Sonntag kann ich euch dann hoffentlich erzählen, dass meine Karriere als Geschäftsfrau wider Erwarten doch noch Fahrt aufgenommen hat. Bis dahin könnt ihr mir gleich für zwei Dinge die Daumen drücken: Dafür, dass ich am Samstag mit deutlich weniger nach Hause komme, als ich hingefahren bin. Und für den kleinen roten Corsa. Dass die junge Frau in zwei Wochen tatsächlich wieder vor mir steht. Dass sie das Geld zusammenbekommt. Dass sie sich genauso auf ihn freut wie gestern.
Und dass mein Vertrauen in Menschen auch diesmal nicht enttäuscht wird. Bei den Schuhen hat mich diese Haltung damals 15 Euro plus Porto gekostet. Beim Auto wäre der Einsatz ein bisschen höher.
Aber wenn ich mich zwischen einem richtig guten Geschäft und einem richtig guten Gefühl entscheiden müsste, weiß ich vermutlich sowieso schon, wie die Sache ausgeht. Ich fürchte, daran wird auch der Mädelsflohmarkt nichts mehr ändern. ❤️
Ich wünsche euch ein wunderschönes Wochenende 🫶
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