Geschäftsfrau WIDER Erwarten 😁

Veröffentlicht am 27. September 2026 um 09:21

Guten Morgen, liebe Leserinnen und liebe Leser ❤️ Manche Wochenenden fangen ganz unspektakulär an und sind am Ende trotzdem so voll mit schönen Momenten, dass man gar nicht genau weiß, wo man beim Erzählen anfangen soll. Dieses hier gehört eindeutig dazu.

Und weil ich gestern schon angekündigt hatte, dass es keinen Blogbeitrag geben wird, habe ich heute Morgen immerhin genügend Stoff gesammelt. Außerdem musste ich arbeiten - als Geschäftsfrau.

Zum ersten Mal in meinem Leben stand ich nämlich auf der Verkäuferinnenseite eines Mädelsflohmarktes und durfte testen, ob sich zwischen all meinen bislang eher überschaubaren kaufmännischen Fähigkeiten vielleicht doch irgendwo ein verborgenes Talent versteckt.

Bevor es allerdings so weit war, bekam ich am Freitag Besuch aus Solingen. Meine Kollegin und ich hatten uns vorher tatsächlich erst ein einziges Mal persönlich gesehen und ansonsten ein paarmal miteinander telefoniert. Eigentlich keine besonders üppige Grundlage für ein gemeinsames Wochenende, könnte man meinen. Bei uns war allerdings schon nach der ersten Begegnung ziemlich klar, dass wir uns mögen. Und die Telefonate danach haben diesen Eindruck noch verstärkt.

Also machte sie sich auf den Weg ins Saarland und selbstverständlich musste sie als Erstes meinen Garten kennenlernen. Schließlich gibt es für Menschen, die mich besuchen, gewisse Pflichtprogrammpunkte. Gurkenwasser gehört bekanntlich auch dazu 😉

Da saßen wir dann und stellten ziemlich schnell fest, dass wir keine lange Aufwärmphase brauchen. Wir haben viel geredet, sehr intensive Gespräche geführt, uns gegenseitig einiges von uns erzählt, wirklich zugehört und uns aufeinander eingelassen. Dazwischen wurde viel gelacht und irgendwann war völlig nebensächlich, dass wir uns streng genommen gerade erst zum zweiten Mal persönlich gegenübersaßen.

Ich finde solche Begegnungen spannend. Es gibt Menschen, die man schon ewig kennt und bei denen man trotzdem nie besonders tief kommt. Und dann gibt es andere, bei denen ein Treffen und ein paar Telefonate offenbar ausreichen, damit sich Nähe und Vertrautheit ganz selbstverständlich entwickeln.

Am Abend ging es dann ins Hofhaus, wo wir sehr lecker gegessen und selbstverständlich weitergeredet haben. Irgendwann war dann Schlafen angesagt, denn für den nächsten Morgen hatte ich mir vorgenommen, meiner Besucherin Saarlouis zu zeigen.

Und dabei wurde aus der Stadtbesichtigung ganz nebenbei auch eine für mich selbst. Natürlich kenne ich meine Heimatstadt. Ich gehe regelmäßig über den Großen Markt, den Stadtgarten, entlang der alten Festungsanlagen, am Wasser und an den Mauern und vielen schönen Ecken entlang. Und genau darin liegt vermutlich das Problem: Was immer da ist, schaut man irgendwann nicht mehr so genau an.

Mit jemandem an der Seite, der all das zum ersten Mal sieht, verändert sich der eigene Blick plötzlich wieder. Man bleibt stehen, erzählt etwas, zeigt auf Gebäude und Plätze, schaut selbst noch einmal genauer hin und denkt irgendwann: Meine Güte, ist das schön hier. Ich mag Saarlouis sowieso sehr. Aber offensichtlich gewinnt selbst die eigene Heimat noch einmal dazu, wenn man sie durch die Augen eines anderen Menschen betrachtet.

Nach einem ausgesehnten Spaziergang und unserer kleinen Stadtführung war dann Brunchen angesagt. Ich hatte Pancakes mit pochiertem Ei und möchte an dieser Stelle festhalten, dass Glück durchaus essbar sein kann 🥰

Danach machte meine Kollegin sich wieder auf den Weg nach Solingen und mein Rollenwechsel hätte kaum größer sein können: Eben noch Stadtführerin, kurz darauf angehende Geschäftsfrau...

Für meinen ersten Mädelsflohmarkt hatte ich in den letzten Tagen meinen Kleiderschrank ziemlich gründlich auseinandergenommen. Dabei kamen Kleider, Pullover, Hosen, Schuhe, Taschen, Tücher, Schals und erstaunlich viele Jacken zum Vorschein. Teilweise waren Sachen noch ungetragen und manches hatte sogar noch ein Etikett. Bei einigen Teilen konnte ich mich beim besten Willen nicht mehr daran erinnern, warum ich irgendwann der Meinung gewesen war, dass mein Leben ohne sie nicht vollständig sein könnte.

Kurz gesagt: Ich hätte vermutlich selbst einen kleinen Laden eröffnen können und entsprechend viel zu tun. Alles wurde sortiert, mit bunten Preisschildern versehen, aufgehängt und verpackt. Danach musste mein kompletter mobiler Textilhandel nur noch ins Auto passen. Erstaunlicherweise tat er das tatsächlich, auch wenn es anschließend eher nach Umzug als nach Flohmarkt aussah.

Um 17 Uhr wurde aufgebaut - was definitiv ein ausgewachsenes Workout war und logistische Fähigkeiten zu Tage förderte. Um 18 Uhr begann die Ladies Night und ich stand hinter meinem Verkaustisch. Durchaus mit gemischten Gefühlen... Die ersten 30 Euro waren dann allerdings ziemlich schnell verdient und ich sah mich innerlich bereits als bislang völlig unterschätztes Verkaufstalent. Danach beruhigte sich die Lage etwas und die befürchtete Massenpanik vor meinem Stand blieb aus. Das Sicherheitspersonal konnte also aufatmen. 🤣

Mein Talent wurde trotzdem schon ziemlich früh von völlig unabhängiger Seite bestätigt. Eine Frau kaufte bei mir mehrere Sachen und stellte danach fest, dass sie keine Tasche dabeihatte, um ihre Einkäufe zu transportieren. Nun hatte ich praktischerweise auch Handtaschen im Angebot. Also wies ich sie darauf hin, dass sich ihr Problem direkt vor Ort lösen ließe. Sie kaufte tatsächlich noch eine Handtasche und sagte anschließend zu mir: „Sie sind aber eine gute Geschäftsfrau.“

Ich war ein bisschen stolz. 🤣 Offenbar hatte es all die Jahre nur eine Frau ohne Einkaufstasche gebraucht, um meine kaufmännische Begabung endlich ans Tageslicht zu bringen.

Die Veranstalter hatten übrigens noch eine andere Strategie, um Stimmung und möglicherweise auch Verkaufszahlen anzukurbeln: Es gab ein Männerballett. Und das beließ es nicht ausschließlich beim Tanzen, sondern lieferte sogar einen kleinen Striptease. Ob danach mehr Umsatz gemacht wurde, kann ich nicht belegen. Ich kann lediglich feststellen, dass die Aufmerksamkeit der anwesenden Frauen für einen gewissen Zeitraum nicht mehr ausschließlich den angebotenen Kleidungsstücken galt. 🤣

Ich blieb derweil bei meiner eigenen Marketingstrategie: freundlich sein, reden, lachen und Frauen ohne Transportmöglichkeit Handtaschen verkaufen.

Überhaupt wurde im Laufe des Abends viel geredet. Und dabei habe ich einige wirklich nette Frauen kennengelernt. Es dauerte teilweise nur wenige Minuten, bis aus einem Gespräch über eine Jacke, eine Hose oder den Preis eines Pullovers plötzlich ein ganz anderes Gespräch wurde. Man beriet sich gegenseitig, sagte einer fremden Frau ehrlich, wenn ihr etwas richtig gut stand, lachte miteinander und erzählte sich ganz nebenbei Dinge aus dem eigenen Leben.

Dabei ist mir noch etwas aufgefallen, das mich tatsächlich beschäftigt hat. Vor meinem Spiegel standen teilweise sehr, sehr schlanke Frauen, die sich kritisch betrachteten und erklärten, bestimmte Dinge wegen ihrer Figur nicht tragen zu können. Und ich stand daneben, schaute dieselbe Frau an und fragte mich, was sie an diesem Körper überhaupt auszusetzen haben könnte.

Wir Frauen sind mit uns selbst offenbar manchmal deutlich kritischer, als wir es jemals mit einer anderen Frau wären. Denn gleichzeitig habe ich an diesem Abend genau das Gegenteil im Umgang miteinander erlebt. Da wurde unterstützt, beraten, gelobt und Mut gemacht. Es wurde ehrlich gesagt, wenn etwas nicht gut saß, aber genauso selbstverständlich ausgesprochen, wenn eine Frau in einem Kleid oder einer Jacke richtig toll aussah.

Natürlich beherrschen Frauen auch kompliziert und können zickig sein. Vermutlich auch auf fortgeschrittenem Niveau. Aber sie können eben auch unglaublich solidarisch, herzlich und unkompliziert miteinander sein. Und gestern Abend habe ich einmal mehr festgestellt, dass Frauen einfach tolle Wesen sind.

Eine dieser tollen Frauen wurde dann sogar meine Tauschpartnerin. Zwei meiner Jacken wechselten zu ihr und dafür bekam ich eine tolle pinkfarbene Winterjacke von ihr. Und wer jetzt meine kaufmännischen Fähigkeiten schon wieder anzweifelt, möge bitte korrekt rechnen: Zwei Jacken verlassen meinen Kleiderschrank, eine kommt hinein. Macht minus eine. Frau Wider kann Geschäftsfrau.

Und damit kommen wir zu einem Ereignis, das ich unbedingt schriftlich festhalten muss, damit später niemand behaupten kann, es sei nie passiert: Ich habe nichts gekauft !

Ich war mehrere Stunden auf einem Mädelsflohmarkt, umgeben von Kleidung, Schuhen, Taschen und all den Dingen, bei denen ich normalerweise hervorragend darin bin, innerhalb kürzester Zeit eine zwingende Notwendigkeit zum Erwerb festzustellen. Und ich habe nichts gekauft. Kein Kleid (okay, vielleicht doch ein gaaaanz kleines), keine Schuhe, keine Tasche und auch kein kleines Drei-Euro-Schnäppchen, das man unmöglich liegen lassen konnte.

Die Winterjacke zählt nicht. Die habe ich ertauscht. Ordentliche Buchführung muss sein. Und damit sieht die Bilanz meiner ersten Karriereetappe als Flohmarkt-Geschäftsfrau folgendermaßen aus: 270 Euro Einnahmen, ungefähr ein Drittel weniger Sachen, eine neue Winterjacke und knapp 14.000 Schritte auf der Uhr.

Ein Teil der übrig gebliebenen Sachen ging direkt ans Sozialkaufhaus und der Rest darf demnächst noch einmal bei Vinted antreten. Angesichts dessen, dass insgesamt gar nicht wahnsinnig viel los war, kann ich mit dem Ergebnis ziemlich gut leben.

Zu meiner persönlichen Bilanz gehören allerdings auch Dinge, die sich weder zählen noch in Euro beziffern lassen: viele nette Begegnungen, die Erkenntnis, dass offenbar auch sehr, sehr schlanke Frauen nicht automatisch mit ihrem Körper zufrieden sind, und vor allem dieses schöne Erlebnis, wie solidarisch Frauen miteinander sein können. Und irgendwie passt genau das zu meinem gesamten Wochenende.

Am Freitag kam ein Mensch zu mir, den ich eigentlich kaum kannte, und innerhalb kürzester Zeit spielte genau das überhaupt keine Rolle mehr. Wir haben uns aufeinander eingelassen, viel voneinander erfahren, intensiv geredet und miteinander gelacht. Am Samstag habe ich meine eigene Heimatstadt noch einmal ein bisschen neu gesehen, nur weil ich sie jemand anderem gezeigt habe. Und wenige Stunden später stand ich zwischen völlig fremden Frauen, mit denen ich geredet, gelacht, gehandelt und sogar Jacken getauscht habe.

Dazwischen gab es meinen Garten, einen schönen Abend im Hofhaus, Saarlouis, Sonne, ein Eichhörnchen, ziemlich großartige Pancakes und irgendwann ein rotes Getränk aus einem Plastikbecher zwischen Kleiderständern. Nichts davon war weltbewegend. Aber zusammen war es ziemlich viel.

Meine wirtschaftliche Zukunft würde ich trotzdem noch nicht vollständig auf meine neu entdeckte Begabung bauen. Aber gestern habe ich 270 Euro eingenommen, meinen Kleiderschrank verkleinert, eine neue Winterjacke bekommen, nichts gekauft und von einer völlig fremden Frau sogar die offizielle Bestätigung erhalten, dass ich eine gute Geschäftsfrau bin. Mehr kann Frau Wider an einem Samstag nun wirklich nicht verlangen. 🤣

Habt einen wunderschönen Sonntag. ❤️

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