Seitwärts...

Veröffentlicht am 5. Oktober 2026 um 07:46

Guten Morgen liebe Leserinnen und liebe Leser 💚 Wisst ihr eigentlich immer, wo ihr gerade hinwollt?

Damit meine ich nicht heute Morgen zur Arbeit, zum Bäcker oder zum nächsten Kaffee, sondern so grundsätzlich. Im Leben, mit Menschen, mit Ideen und mit all den Dingen, die uns beschäftigen.

Wisst ihr immer, in welche Richtung es gehen soll – oder kennt ihr auch diese Phasen, in denen man sich durchaus bewegt und trotzdem nicht so richtig sagen könnte, wohin eigentlich?

Ich kenne das (leider) ziemlich gut. Und ausgerechnet deshalb bin ich gestern bei einem Wort hängengeblieben, das zunächst einmal ziemlich unspektakulär klingt: Seitwärtsbewegung.

Ich habe tatsächlich nachgeschaut, was das genau bedeutet, und fand die Erklärung ziemlich passend. Im Grunde beschreibt es eine Bewegung, bei der man seine Position verändert, ohne sich einem Ziel anzunähern oder sich davon zu entfernen. Man bewegt sich also, bleibt nicht stehen und kommt trotzdem nirgendwo wirklich an.

Als Krebs fand ich das natürlich erst einmal ausgesprochen sympathisch. Seitwärtsbewegung liegt mir schließlich gewissermaßen im Blut. Artgerechte Haltung und so. 😎

Trotzdem hat mich dieses Wort länger beschäftigt. Denn ich glaube, ich kann Seitwärts inzwischen ziemlich gut. Viel besser jedenfalls als früher. Ich muss nicht mehr für alles sofort einen Plan haben, nicht jede Frage umgehend beantworten und auch nicht jede Unsicherheit beseitigen. Ich kann Dinge stehen lassen, beobachten und abwarten. Ich halte inzwischen ganz gut aus, dass ich heute noch nicht weiß, was morgen aus etwas wird. Das habe ich lernen müssen, und vermutlich bin ich noch immer dabei.

Gleichzeitig merke ich aber auch, dass es für mich einen Unterschied gibt zwischen einer Seitwärtsbewegung und einem Leben im Seitwärtsgang. Denn irgendwann möchte ich schon wissen, ob ich irgendwohin will. Ob ich weitergehen möchte, lieber umdrehe oder feststelle, dass ein Weg schlicht und ergreifend nicht meiner ist.

Dauerhaft in Bewegung zu bleiben, ohne irgendwo anzukommen, ist jedenfalls nicht mein Ding. Dafür bin ich vermutlich trotz meines Sternzeichens nicht Krebs genug. 😉

Und dann gibt es wiederum Dinge, bei denen sich eine Richtung plötzlich fast von alleine zeigt. Meine Idee für einen Workshop für groß-artige Frauen war zunächst tatsächlich genau das: eine Idee. Ein Gedanke, der aus vielen Gesprächen entstanden ist und den ich einfach einmal mit euch teilen wollte. Seitdem haben mich überraschend viele Rückmeldungen dazu erreicht. Und darüber habe ich mich wirklich sehr gefreut. Einige von euch haben mir geschrieben, dass sie sich in meinen Gedanken wiedererkannt haben, andere haben ganz konkret Interesse an einem solchen Workshop geäußert. Dafür möchte ich euch heute einfach einmal Danke sagen. ❤️

Und ich glaube, an dieser Stelle kann ich auch schon ein kleines Versprechen geben: Der Workshop wird kommen. Wie genau er aussehen wird, wann und in welchem Rahmen, darf sich noch entwickeln. Ich möchte daraus nichts machen, nur damit es möglichst schnell fertig ist, sondern etwas, das zu mir und vor allem zu den Frauen passt, die sich darauf einlassen möchten. Aber aus dem ersten Gedanken ist durch eure Rückmeldungen inzwischen deutlich mehr geworden. Manchmal reicht eben ein erster Schritt, und die Richtung entsteht unterwegs.

Gestern dagegen hatte ich überhaupt kein Bedürfnis nach irgendeiner Richtung. Bei meinen Eltern war "Full House" und gleichzeitig Kirmes. Normalerweise gehöre ich durchaus zu den Menschen, die sich irgendwann doch noch überreden lassen mitzugehen. Weil alle gehen, weil es bestimmt nett wird oder weil man ja wenigstens mal gucken kann. Gestern hatte ich schlicht und ergreifend keine Lust – und damit war die Sache erstaunlicherweise erledigt. Ich bin nicht mitgegangen. Keine große Diskussion mit mir selbst, kein „Ach komm, stell dich nicht so an“ und auch kein schlechtes Gewissen. Einfach keine Lust. Kann man machen.

Ganz ohne Kirmes musste ich trotzdem nicht auskommen, denn meine Patenkinder haben mir gebrannte Mandeln mitgebracht. Und so saß ich irgendwann mit meiner Tüte gebrannter Mandeln da und dachte über Seitwärtsbewegungen, Richtungen und darüber nach, dass es manchmal ganz schön gut tut, nirgendwohin zu müssen. Es gibt vermutlich schlechtere Arten, einen Sonntag zu verbringen.

Und heute beginnt mein Urlaub. Nicht mit Kofferpacken, Flughafen oder irgendeinem spektakulären Programm, sondern mit meinem jüngsten Patenkind und einem Godétag. Und ehrlich gesagt kann ich mir gerade kaum einen schöneren Anfang vorstellen.

Auch der Rest der Woche ist erstaunlich übersichtlich. Wenige Dinge stehen im Kalender, aber dafür schöne. Und genau darauf freue ich mich. Ich möchte diese Tage nicht vollpacken, nur weil Urlaub ist. Ich muss nicht möglichst viel erleben, damit sich freie Zeit gelohnt hat. Ich möchte morgens meinen Morgenkaffee trinken und wissen, dass der Tag noch Platz hat. Platz für Menschen, auf die ich mich freue, für Dinge, auf die ich Lust habe, und genauso für Stunden, in denen überhaupt nichts passieren muss.

Vielleicht passt die Seitwärtsbewegung deshalb gerade besser zu dieser Woche, als ich zunächst dachte. Nicht überall muss ich wissen, wohin es geht. Es gibt Dinge in meinem Leben, bei denen ich mir eine Richtung wünsche, und andere, bei denen ich inzwischen ziemlich genau weiß, wohin ich möchte. Und dann gibt es diese kostbaren Tage dazwischen, an denen Richtung überhaupt keine Rolle spielt.

Diese Woche darf so eine sein.

Wenig müssen. Wenig planen. Wenige, aber schöne Dinge. Und ganz viel Platz dazwischen.

Ach ja, die gebrannten Mandeln haben den gestrigen Abend übrigens nicht überlebt. Die hatten offensichtlich deutlich weniger Schwierigkeiten mit ihrer Richtung als ich.

Sie wussten ganz genau, wo sie hinwollten. Und sind dort auch angekommen. 😎

Ich wünsche euch einen guten Start in die neue Woche und einen schönen Montag 🫶

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