Aufgeräumt ...

Veröffentlicht am 7. Oktober 2026 um 09:15

Guten Morgen, liebe Leserinnen und liebe Leser ❤️ Wann habt ihr eigentlich das letzte Mal so richtig aufgeräumt?

Ich meine damit nicht dieses halbherzige Staubsaugen, bei dem man vorher die herumliegenden Dinge von links nach rechts räumt und anschließend behauptet, man habe geputzt. Ich meine die ernsthafte Variante. Mit Bad. Schränken, Katzenklo,  Fenstern, Dingen, die endlich ihren Platz finden. Und diesem leicht verstörenden Moment, in dem man irgendwann feststellt, welche Farbe die eigene Wohnung eigentlich hat 😉

Gestern war bei mir so ein Tag. Dabei hatte ich überhaupt nichts vor. Und genau das war vermutlich mein Glück. Denn aus einem harmlosen „Ich könnte mal ein bisschen was machen“ wurden mehrere Stunden, einige Müllsäcke und irgendwann sogar frisch geputzte Fenster. Freiwillig. Im Urlaub. Falls sich jemand Sorgen um mich macht: Ich glaube, es geht mir gut.🤣

Irgendwann stand ich da, schaute mich um und war tatsächlich ziemlich zufrieden mit mir. Kennt ihr dieses Gefühl?

Wenn man etwas geschafft hat, das man schon eine ganze Weile vor sich herschiebt. Wenn man durch die Wohnung läuft und ständig kleine Dinge entdeckt, die jetzt schöner sind als vorher. Wenn man kurz stehen bleibt und denkt: Das habe ich gemacht.

Ich mag dieses Gefühl. Vielleicht auch deshalb, weil es mich immer wieder daran erinnert, dass Glück manchmal erstaunlich unspektakulär daherkommt. Kein Feuerwerk, kein großer Moment. Sondern einfach diese tiefe Zufriedenheit, etwas geschafft zu haben und für den Augenblick nichts mehr erledigen zu müssen.

Und genau das habe ich anschließend gemacht: nichts. Ich bin in den Garten gegangen, habe mich auf meine Lieblingsliege gelegt und für eine ganze Weile einfach nur dort gelegen. Die Sonne schien, um mich herum war es ruhig und plötzlich musste ich nirgendwo anders sein. Kein Plan, keine Aufgabe,  kein schlechtes Gewissen. Nur ich, meine Liege und ein ziemlich schöner Oktobernachmittag an meinem Lieblingsort

Später bin ich noch losgelaufen. Einfach so... durch die Herbstabendsonne, vorbei an Feldern und Blumen, mit diesem besonderen Licht, das die Welt im Oktober für eine kurze Weile ein bisschen wärmer aussehen lässt.

Und während ich lief, dachte ich darüber nach, dass man offenbar nicht nur Wohnungen aufräumen kann. Manchmal liegt schließlich auch im Kopf einiges herum.

Gedanken, Fragen, Dinge, die man schon länger von einer Ecke in die andere schiebt. Man läuft immer wieder daran vorbei, betrachtet sie kurz und denkt: Darum kümmere ich mich irgendwann. Erstaunlich, wie lange „irgendwann“ dauern kann. Bis man eines Tages beschließt, das "Ding" endlich aufzuheben und genauer anzuschauen.

Das kostet manchmal ein bisschen Mut. Und nicht alles lässt sich anschließend ordentlich einsortieren. Für manches findet man erstaunlich schnell einen Platz. Bei anderem steht man davor wie vor dieser einen Schublade, in der Batterien, Tesafilm, alte Schlüssel und mindestens drei Kabel liegen, von denen kein Mensch mehr weiß, wozu sie jemals gehört haben.

Vermutlich muss aber auch gar nicht immer alles vollständig geklärt sein. Und vielleicht besteht Aufräumen manchmal einfach darin, hinzuschauen. Eine Entscheidung zu treffen. Eine Frage zu stellen. Oder anzuerkennen, dass man auf etwas gerade noch keine Antwort hat. Auch das kann Ordnung schaffen.

Und auch dabei gibt es dieses gute Gefühl hinterher: Ich habe etwas getan. Ich bin einen Schritt gegangen. Ich habe nicht nur darüber nachgedacht.

Als ich gestern Abend wieder in meinem Garten saß, brannte endlich meine kleine Laterne wieder. Ich gönnte mir ein Glas Wein, langsam wurde es dunkel und ich dachte: So muss das. Nicht alles geklärt. Nicht alles sortiert. Nicht jede Schublade geschlossen. Aber ein bisschen aufgeräumter als am Morgen. Und ziemlich zufrieden damit.

Für mich sind es genau diese Momente, in denen das Glück manchmal ganz unauffällig neben mir Platz nimmt. Auf einer Lieblingsliege... in der Herbstsonne... bei einem Spaziergang... neben einer brennenden Laterne und einem Glas Wein. Oder einfach in diesem stillen Stolz darauf, etwas geschafft oder sich etwas getraut zu haben.

Das gefällt mir. Denn vollkommen aufgeräumt möchte ich sowieso nicht sein. Wie langweilig wäre das bitte? Ein bisschen Chaos gehört zu mir. Genauso wie meine Kaffeetasse, Katzenhaare an Stellen, an denen definitiv niemals eine Katze gewesen sein kann, und meine ziemlich zuverlässige Fähigkeit, über Dinge deutlich länger nachzudenken als unbedingt notwendig. 😉

Aber ab und zu tut Großreinemachen gut - in der Wohnung und im Kopf. Und vielleicht sogar ein kleines bisschen im Leben.

Vielleicht gibt es ja auch bei euch heute etwas, das schon eine Weile irgendwo herumliegt. Ihr müsst ja nicht gleich euer ganzes Leben auf links drehen. Manchmal reicht eine einzige Schublade. Und dieses kleine, ziemlich großartige Gefühl danach:

Geschafft.

Habt einen schönen Tag. ❤️

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