„Das Leben kann nur rückwärts verstanden, muss aber vorwärts gelebt werden.“ — Søren Kierkegaard
Guten Morgen, liebe Leserinnen und liebe Leser 🩷 Kennt ihr diese Gespräche, bei denen man hinterher feststellt, dass eigentlich überhaupt nichts gesagt wurde?
Man hat sich unterhalten, vielleicht sogar eine ganze Weile. Über das Wetter, die Arbeit, den Alltag und darüber, dass es morgens inzwischen wieder ziemlich frisch ist. Man hat ein bisschen gelacht, sich gegenseitig einen schönen Tag gewünscht und ist anschließend seiner Wege gegangen. Alles nett, alles freundlich und meistens eben auch ziemlich belanglos.
Heute, am 8. Oktober, ist tatsächlich ein kurioser Feiertag, der sich genau diesem Thema widmet. Heute ist der "Tag der Wettergespräche und des Smalltalks".
Und ich musste ein bisschen schmunzeln, als ich das gelesen habe. Denn ausgerechnet gestern habe ich festgestellt, dass ich im Moment auf eine ganz bestimmte Art von Gesprächen überhaupt keine Lust mehr habe. Aber dazu gleich mehr.
Kommen wir zuerst zu meinem Mittwoch, der zunächst einmal ausgesprochen unspektakulär war. Ich habe weiter aufgeräumt, Wäsche gewaschen, im Garten gearbeitet und ... mir einen Vinted-Account angelegt. Letzteres könnte noch spannend werden, denn bisher habe ich tatsächlich ausschließlich Dinge eingestellt, die ich beim Flohmarkt nicht verkauft habe und nichts gekauft - nicht einmal geschaut. Und ich finde, das verdient zumindest eine kleine Anerkennung. 😇
Außerdem habe ich vermutlich den Grundstein für meine Karriere als Garten-Influencerin gelegt. 🤣 Was genau daraus wird, weiß ich selbst noch nicht. Aber falls ich demnächst regelmäßig mit Gummistiefeln vor einer Kamera stehe und begeistert irgendwelche Gartenutensilien präsentiere, könnt ihr zumindest behaupten, von Anfang an dabei gewesen zu sein.
Und dann war da noch die Sonne. Vermutlich eine der letzten Gelegenheiten in dieser Woche, sie ausgiebig zu genießen. Also habe ich genau das getan. Ich saß im Garten, habe geschaut, die Wärme auf meinem Gesicht gespürt und meinen Gedanken ein bisschen Auslauf gegönnt. Davon gab es gestern nämlich mal wieder reichlich.
Und irgendwann landeten sie bei der Frage, wie oft wir eigentlich miteinander reden, ohne wirklich miteinander zu sprechen. Versteht mich nicht falsch: Ich habe überhaupt nichts gegen Smalltalk. Ich kann mich wunderbar darüber unterhalten, dass der Sommer zu kurz war, der Herbst zu nass ist und der Winter vermutlich wieder völlig überraschend vor der Tür stehen wird. Ich kann über die Arbeit plaudern, über meine Wäscheberge und darüber, dass ich dringend noch ungefähr 37 Dinge erledigen müsste.
Manchmal ist genau das schön. Unkompliziert, vertraut, leicht. Aber manchmal reicht es eben nicht. Manchmal gibt es Fragen, die zwischen all diesen freundlichen Alltagsgesprächen stehen und einfach nicht verschwinden. Fragen, die man eine ganze Weile mit sich herumträgt, weil man die Antwort vielleicht gar nicht unbedingt hören möchte. Oder weil man hofft, dass sie sich irgendwann von selbst erledigen.
Das tun sie allerdings erstaunlich selten. Stattdessen spricht man weiter über das Wetter...Und irgendwann stellt man fest, dass draußen längst eine andere Jahreszeit begonnen hat, während man innerlich immer noch darauf wartet, dass sich irgendetwas verändert.
Ich habe gestern beschlossen, dass ich darauf keine Lust mehr habe. Nicht auf Gespräche an sich - ganz im Gegenteil. Ich liebe gute Gespräche. Solche, bei denen man die Zeit vergisst, gemeinsam lacht, nachdenkt, manchmal auch unterschiedlicher Meinung ist und hinterher das Gefühl hat, den anderen ein bisschen besser zu kennen.
Aber ich möchte nicht mehr um Dinge herumreden, die mir wichtig sind. Nicht mehr darauf hoffen, dass unausgesprochene Fragen irgendwann zufällig beantwortet werden. Und auch nicht mehr jede noch so kleine Bewegung mit einer Entwicklung verwechseln.
Manchmal muss man einfach sagen, was man denkt. Oder fragen, was man wissen möchte. Das habe ich gestern getan. Und dabei festgestellt, dass Klarheit nicht unbedingt bequem ist. Man bekommt schließlich nicht automatisch die Antwort, die man sich vielleicht gewünscht hätte. Aber man bekommt eine Antwort. Und manchmal erkennt man dadurch auch, dass man längst mehr wusste, als man sich selbst eingestehen wollte.
Das kann traurig machen. Es kann enttäuschen. Und manchmal macht es sogar ein bisschen wütend. Aber es verändert etwas. Denn plötzlich muss man nicht mehr warten, interpretieren oder sich fragen, was wohl gemeint gewesen sein könnte. Man kann die Dinge so betrachten, wie sie sind, und für sich entscheiden, was man damit anfangen möchte.
Vielleicht ist genau das der Unterschied zwischen einer Seitwärtsbewegung und einem Schritt nach vorne. Seitwärts kann man sich nämlich erstaunlich lange bewegen. Man bleibt beschäftigt, verändert ständig ein bisschen seine Position und kommt trotzdem nirgendwo wirklich an.
Vorwärts ist manchmal unbequemer. Aber immerhin gibt es dabei eine Richtung.
Und so war mein gestriger Mittwoch am Ende vielleicht doch nicht ganz so unspektakulär, wie er zunächst aussah. Ich habe Schränke aufgeräumt, Dinge aussortiert, ein bisschen im Garten gearbeitet und nebenbei auch in meinem Kopf Platz geschaffen. Nicht alles, was dabei zum Vorschein gekommen ist, war schön. Aber manches war längst überfällig.
Und während ich heute Morgen aus dem Fenster schaue (weil ich ausnahmsweise zuhause schreibe), stelle ich fest, dass es draußen ziemlich grau aussieht und regnet. Das Wetter wäre also eigentlich ein hervorragendes Gesprächsthema. Nur interessiert es mich heute ausnahmsweise nicht besonders. 😉
Und weil ich Pläne habe, bei denen das Wetter ohnehin fast egal ist, kann ich den Regen ausnahmsweise hervorragend ignorieren 😉
Ach ja, bevor ich es vergesse: Heute ist übrigens auch Welttag der Kraken. Wobei ich mich zunächst gefragt habe, ob Krake und Oktopus eigentlich dasselbe sind. Tatsächlich gehören Oktopusse zu den Kraken. Sie haben acht Arme, sind ausgesprochen intelligent, manchmal schwer zu durchschauen und können sich bei Bedarf hervorragend aus dem Staub machen.
Und manche Exemplare sind offenbar auch ausgesprochen amüsant. 😉 Ich jedenfalls habe inzwischen eine gewisse Sympathie für diese faszinierenden Wesen entwickelt. Man muss schließlich nicht immer alles verstehen, um etwas oder jemanden ziemlich gern zu haben. 🐙
Ich wünsche euch einen wunderschönen Donnerstag. Vielleicht mit einem guten Gespräch, einer ehrlichen Antwort oder einfach mit dem Mut, eine Frage zu stellen, die ihr schon länger mit euch herumtragt. Und wenn es draußen regnet, dann regnet es eben.
Über das Wetter können wir immer noch reden. Ich gehe jetzt erst mal vorwärts. 😉
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