Von der Kälte ...

Veröffentlicht am 11. Oktober 2026 um 08:27

Guten Morgen liebe Leserinnen und liebe Leser 🩷  Es gibt Kälte, gegen die hilft eine dicke Jacke, ein heißer Kaffee oder ein ordentlich eingeheizter Ofen. Und dann gibt es Kälte, bei der all das überhaupt nichts nützt. Mit beiden Varianten habe ich mich in den vergangenen Tagen beschäftigt. Wobei mir die eine ziemlich unangenehm auf die Pelle gerückt  und die andere eher durch den Kopf gegangen ist.

Aber von vorne... In meinem Gartenparadies ist es mittlerweile  wirklich kalt geworden. Vorgestern Nacht waren es gerade einmal vier Grad! VIER! Und das Anfang Oktober. Ich möchte an dieser Stelle ausdrücklich festhalten, dass mir das überhaupt nicht gefällt. Ich hätte gerne weiterhin Sommer, warme Abende und Temperaturen, bei denen ich nicht darüber nachdenken muss, wie viele Schichten Kleidung ein Mensch übereinandertragen kann. Aber mich fragt ja mal wieder niemand.

Am Freitag war mir jedenfalls so unangenehm kalt, dass ich irgendwann sämtliche verfügbaren Wärmequellen mobilisiert habe. Meine Feuersäule durfte zwar hübsch vor sich hin lodern, erwies sich aber einmal mehr als dekorativ und weitgehend nutzlos, wenn es ums Wärmen geht. Also musste zusätzlich der Gasheizstrahler ran. Und weil ich spontan beschlossen habe, dem Winter persönlich den Kampf anzusagen, habe ich gleich noch drei Gasflaschen mit frischen Füllungen ausgestattet.

Ich möchte nämlich weiterhin Zeit in meinem Garten verbringen. Nur eben möglichst ohne dabei zu erfrieren... Nachdem also drinnen der Ofen und draußen der Heizstrahler mit frischem Gas ausgestattet waren, saß ich eingepackt wie eine Mumie auf der Lieblingsbank und freute mich über die selbst beschaffte Wärme. Und da kam mir der Gedanke, dass es mit der Kälte manchmal eine ziemlich merkwürdige Sache ist.

Denn während ich gegen die niedrigen Temperaturen in meinem Garten einiges unternehmen kann, gibt es eine andere Form von Kälte, bei der ich regelmäßig ziemlich ratlos bin. Die Gefühlskälte..Oder vielleicht sollte ich besser sagen: die vermeintliche Gefühlskälte.

Es gibt Menschen, die wirken auf mich manchmal so kühl, dass meine Feuersäule dagegen beinahe als Hochleistungsheizung durchgehen könnte. Menschen, die wenig von sich preisgeben, Gefühle kaum zeigen und selbst in Situationen, die mich emotional ziemlich durcheinanderbringen würden, scheinbar völlig unberührt bleiben.

Ich frage mich dann manchmal ernsthaft, wie sie das machen. Ich kann das nämlich nicht - was euch jetzt vermutlich nicht besonders überraschen wird 😉 Ich bin ein Mensch, der seine Gefühle ziemlich deutlich spürt und meistens auch zeigt. Wenn ich mich freue, freue ich mich. Wenn mich etwas berührt, sieht man mir das an. Und wenn mich etwas traurig macht, kann es durchaus passieren, dass mir an einer denkbar unpassenden Stelle die Tränen kommen.

Das ist nicht immer praktisch. Und manchmal wäre ich wirklich froh, wenn ich innerlich einfach einen Schalter umlegen könnte. Gefühle aus, Gesichtsausdruck neutral und fertig. Sozusagen die emotionale Variante eines Thermostats. Funktioniert bei mir allerdings absolut nicht.

Und während ich am Freitag also versuchte, die Temperatur um mich herum nach oben zu treiben, habe ich darüber nachgedacht, ob manche Menschen vielleicht genau das Gegenteil tun. Ob sie ihre innere Temperatur ganz bewusst herunterregeln, weil ihnen die Wärme irgendwann einmal zu gefährlich geworden ist. Denn Wärme bedeutet ja auch Nähe. Und Nähe macht verletzlich.

Vielleicht ist das, was wir bei anderen als Kälte empfinden, manchmal gar keine echte Kälte, sondern eine Art Schutzmantel. Einer, den man sich irgendwann zugelegt hat, weil man verletzt wurde, enttäuscht war oder einfach gelernt hat, dass es sicherer ist, Gefühle nicht offen zu zeigen.

Auch in meiner Arbeit als Coachin begegnen mir Menschen, die ganz unterschiedlich mit ihren Gefühlen umgehen. Manche können wunderbar darüber sprechen, andere tun sich unglaublich schwer damit. Und ich glaube, dass hinter einer scheinbar unnahbaren Fassade manchmal sehr viel mehr steckt, als wir von außen erkennen können.

Vielleicht ist es dort drinnen sogar ziemlich warm. Nur lässt man eben niemanden hinein. Das ist jedenfalls meine These. Keine wissenschaftliche Abhandlung und schon gar keine allgemeingültige Wahrheit. Einfach ein Gedanke, der mich beschäftigt. Und trotzdem gibt es da etwas, das ich schwierig finde.

Denn wenn mir im Garten kalt ist, kann ich meinen Heizstrahler einschalten, den Ofen anmachen oder mir noch eine Jacke überziehen. Ich kann selbst etwas dagegen unternehmen.

Wenn mir aber ein Mensch mit Kälte begegnet, funktioniert das nicht so einfach. Da kann ich noch so viel Wärme entgegenbringen, Verständnis zeigen oder versuchen, eine Verbindung herzustellen. Wenn mein Gegenüber die Tür geschlossen hält, bleibe ich draußen stehen. Und das kann sich verdammt kalt anfühlen.

Natürlich kann ich verstehen, dass Menschen sich schützen möchten. Vielleicht sogar besser, als ich es selbst hinbekomme. Aber ich frage mich manchmal, ob dieser Schutz nicht auch seinen Preis hat. Denn wer alles draußen hält, was verletzen könnte, lässt möglicherweise auch vieles nicht hinein, was guttun würde.

Andererseits hat meine eigene Offenheit ebenfalls ihren Preis. Ich nehme mir Dinge zu Herzen, über die andere vielleicht einfach hinweggehen. Ich ärgere mich, bin enttäuscht, traurig und manchmal auch ziemlich stur. Und gelegentlich wäre ich froh, wenn mich bestimmte Dinge tatsächlich ein bisschen kälter lassen würden.

Aber echte Gleichgültigkeit vorzuspielen, während in mir das Gegenteil los ist, gehört definitiv nicht zu meinen Talenten. Vielleicht muss es das auch gar nicht.

Vielleicht geht es vielmehr darum, zu akzeptieren, dass Menschen unterschiedliche Temperaturen haben. Die einen tragen ihr Herz auf der Zunge, die anderen verstecken es hinter einer ziemlich dicken Winterjacke.

Schwierig wird es wohl erst dann, wenn der eine ständig versucht, den anderen aufzuwärmen, und dabei selbst anfängt zu frieren...

Den gestrigen Samstag habe ich übrigens überwiegend in meiner Gartenhütte verbracht. Schön am Ofen, mit dem Laptop vor der Nase und einigen Dingen auf meiner gedanklichen To-do-Liste. Meine Homepage wollte ein bisschen aufgehübscht werden und auch mein Workshop-Konzept samt Bewerbung hat noch einmal einiges an Aufmerksamkeit bekommen. Ich freue mich sehr darüber, dass aus einer Idee langsam etwas ziemlich Konkretes wird.

Und offenbar lässt es sich mit warmen Füßen auch ganz hervorragend kreativ denken.

Außerdem gibt es noch einen kleinen geschäftlichen Erfolg zu vermelden: Ich habe mein allererstes Teil bei Vinted verkauft – und selbst noch nichts gekauft. Wer mich kennt, weiß, dass das durchaus erwähnenswert ist. Die Bilanz ist zwar überschaubar, aber die Richtung stimmt: Vielleicht wird aus mir doch noch eine richtige Geschäftsfrau. 😁

Heute wird es dann tatsächlich noch ein bisschen kreativer. Ich verbringe meinen Sonntagvormittag mit meinen Mädels im Studio Konfetti und werde Keramik bemalen. Darauf freue ich mich schon sehr und bin gespannt, was dabei herauskommt. Vermutlich irgendetwas Buntes. Und auch das wird niemanden überraschen. 

Und während ich mich mit meinem Morgenkaffee auf einen schönen Sonntag freue, komme ich gedanklich noch einmal auf die Kälte zurück. Vielleicht haben Gartenkälte und Gefühlskälte ja tatsächlich mehr gemeinsam, als ich zunächst dachte. Beide können unangenehm sein, beide lassen uns manchmal frösteln und bei beiden sehnen wir uns nach Wärme.

Nur gibt es einen entscheidenden Unterschied: Gegen die Kälte im Garten kann ich etwas unternehmen. Ich kann heizen, mich wärmer anziehen oder mich an meinen Ofen setzen.

Bei der Gefühlskälte anderer Menschen kann ich das nicht. Ich werde trotzdem weiterhin lieber zu den Menschen gehören, denen man ihre Gefühle ansieht. Auch wenn das gelegentlich für rote Wangen, feuchte Augen und ein bisschen Gefühlschaos sorgt. Denn wenn ich schon im Garten frieren muss, möchte ich wenigstens innerlich warm bleiben.

Und wer weiß, vielleicht ist das ja auch eine ganz gute Art, durch die kalte Jahreszeit zu kommen.

Ich wünsche euch einen wunderschönen Sonntag. Mit lieben Menschen, ein bisschen Farbe und möglichst wenig Kälte. Zumindest dort, wo es wirklich darauf ankommt. ❤️

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